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Streik der Erzieherinnen:Mehr Plätze in Kita-Notgruppen

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Unbefristeter Kita-Streik

"Diese Berufsgruppe verdient Verständnis"

Umorganisieren, die Großeltern einspannen oder das Kind zur Arbeit mitnehmen - der bundesweite Kita-Streik wirbelt den Alltag vieler Familien durcheinander. Diese Münchner haben trotzdem Verständnis für die Forderungen der Erzieher.

  • Die Gewerkschaft Verdi will die Plätze in den Kita-Notgruppen von 1000 auf 3000 aufstocken.
  • Belastungen für besonders betroffene Eltern sollen so gemindert werden.
  • Darüber, welches Personal die zusätzlichen Kinder betreuen soll, verhandelt die Gewerkschaft noch mit dem städtischen Bildungsreferat.
  • Verdi hat angekündigt den Erzieherinnen-Streik auch über Pfingsten hinaus zu verlängern.

Nach ihrer Ankündigung, den Erzieherinnen-Streik auch über Pfingsten hinaus fortzusetzen, geht die Gewerkschaft Verdi auf die Eltern zu. Sie will die Plätze in den Kita-Notgruppen in der Stadt München von 1000 auf 3000 aufstocken. So sollen die Belastungen besonders betroffener Eltern gemildert werden, wie Heinrich Birner, Verdi-Geschäftsführer für München und die Region erklärt. Allerdings verhandelt die Gewerkschaft derzeit noch mit dem städtischen Bildungsreferat, welches Personal die zusätzlichen Kinder betreuen soll. Weil die Pfingstferien anstehen und damit die Urlaubszeit, gibt es zu wenige nicht-streikende Mitarbeiter für den Job. Eine Option ist daher, streikende Erzieher zurück an ihre Arbeitsplätze zu schicken.

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"Es wird ein Kraftakt werden, das alles zu organisieren", sagt eine Sprecherin des Bildungsreferats. Bislang werden die 40 Notgruppen von Erziehern betreut, die selbst nicht in den Ausstand getreten sind, deren eigene Einrichtungen aber bestreikt werden. Doch langsam werde das Personal für die Betreuung der Härtefälle knapp, sagt die Sprecherin. "Wenn Verdi kein Personal abstellt, können wir die Plätze in den Notgruppen nicht erhöhen." Das ist auch so in der Streik-Vereinbarung zwischen Stadt und der Gewerkschaft geregelt. Birner betont allerdings, dass dies erst geschehe, wenn alle anderen Alternativen ausgeschöpft seien. Zum Beispiel müsse die Stadt zunächst in den Einrichtungen, die regulär geöffnet sind, nach freien Kapazitäten suchen. In einem Gespräch am Freitag soll zudem geklärt werden, ob die neuen Notgruppen an den Standorten der bestehenden öffnen werden oder woanders.

"Wir sehen das aus pädagogischer Sicht kritisch"

Diese Härtefallgruppen stehen aber weiter nur für Kindergartenkinder im Alter von drei bis sechs Jahren zur Verfügung. Den Vorschlag von Verdi, die Betreuung auch auf die Kinder in Kinderkrippen und Häusern für Kinder auszuweiten, hat die Stadt abgelehnt. "Wir sehen das aus pädagogischer Sicht kritisch", sagt die Sprecherin des Bildungsreferats. Kinder, die jünger als drei Jahre seien, könne es nicht zugemutet werden, von fremden Personen betreut zu werden.

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Doch auch ältere Kinder haben damit Probleme. Die Tochter von Thomas Schade aus Haidhausen etwa ist dreieinhalb. Theoretisch könnte sie eine Notgruppe besuchen, die Eltern haben das aber abgelehnt. "Wir können unsere Tochter nicht von fremden Leuten in einer fremden Kita betreuen lassen. Sie würde nicht dableiben", sagt Schade. Am Donnerstag hat er einen Protest im Rathaus organisiert - schließlich könnten die Eltern nicht ewig Urlaub nehmen und ihre Kinder betreuen. Unter dem Motto "Wir kommen, um zu stören" zogen er und 50 weitere Väter und Mütter mit ihren Kindern in den dritten Stock, in dem sich das Personalreferat befindet. Dort konfrontierten sie Armin Augat, Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbands Bayern, mit ihren Sorgen. "Es war ein freundlicher Empfang mit einem frustrierenden Ergebnis", sagt Schade. Konkrete Hilfen hätten die Eltern nicht bekommen, nur die Aussage, dass Verdi an der Eskalation schuld sei.

Auch in Münchner Unternehmen regt sich mittlerweile Kritik am unbefristeten Kita-Streik. In der Rechtsanwaltskanzlei CLLB etwa sind nach eigenen Angaben 13 Angestellte von der Arbeitsniederlegung betroffen, was etwa der Hälfte der Belegschaft entspricht. "Ein wirtschaftliches Arbeiten ist schlicht nicht mehr möglich", schreibt Rechtsanwalt Frank Braun in einem Brief an den städtischen Personalreferenten Thomas Böhle. Um die Fehlzeiten der Eltern wenigstens annähernd ausgleichen zu können, müssten die kinderlosen Mitarbeiter verstärkt eingesetzt werden. Böhle, der auch Präsident der Bundesvereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände ist, solle sich unverzüglich für konstruktive Verhandlungen einsetzen, damit der Streik beendet werde.

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