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Kita-Streik:Erzieherinnen beharren auf ihren Forderungen

Streik in Kitas des Studentenwerks

Kita-Streik: Noch können sich Erzieherinnen und Erzieher der Solidarität der betroffenen Eltern sicher sein.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Deutschlandweit bleiben Kitas geschlossen und Kleinkinder zuhause. Die Erzieherinnen drängen weiter auf ein "echtes" Angebot der Kommunen. Noch hält die Solidarität der Eltern.

Von Ulrike Heidenreich

Der Streik in den kommunalen Kindertagesstätten geht in die zweite Woche und es ist kein Ende in Sicht: Bundesweit haben sich am Montag wieder Zehntausende Erzieher am unbefristeten Arbeitskampf beteiligt. Viele Krippen, Kindergärten, Horte, Sozialtreffs und Behindertenwerkstätten blieben komplett geschlossen. Die Sturheit von Arbeitgebern und Gewerkschaften ähnelt jener von Kindergartenkindern nach einem Streit im Stuhlkreis: Keiner rührt sich zuerst. Berufstätigen Eltern und auch Firmen ringt der Streik Organisationstalent ab - aber auch eine Menge kreativer Ideen.

An diesem Mittwoch hat die Gewerkschaft Verdi zum bundesweiten Strategie-Treffen nach Fulda eingeladen. Hier wollen die Streikenden festlegen, wann in welchen Bundesländern weitergestreikt und wo Pause eingelegt wird, natürlich spielen auch die Ferienzeiten hierbei eine Rolle. "Wir könnten uns von heute auf morgen wieder an den Verhandlungstisch setzen und die Kitas öffnen", sagt Bayerns Verdi-Sprecher Hans Sterr. Voraussetzung sei nach wie vor ein "echtes" Angebot der Arbeitgeber, um die 240 000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst mehrere Tarifstufen höher einzugruppieren. Dies hätte im Schnitt eine Gehaltserhöhung von zehn Prozent zur Folge. Die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände lehnt pauschale Erhöhungen ab.

Die Sympathiewelle für die streikenden Erzieher hält unterdessen an. "Wir hören nur ganz wenige Klagen, manche Eltern gründen sogar Unterstützerkampagnen", sagt Sterr. Auch die Verteilung von Plätzen für so genannte Härtefälle scheint einigermaßen zu funktionieren. Berufstätige Eltern, die ihre Kinder nicht bei Freunden oder Verwandten betreuen lassen können, finden meist Plätze in Notgruppen. Verlosungen von raren Plätzen und verzweifelte Szenen von Müttern und Vätern in - nicht streikenden - Kita-Leitungsbüros sollen bislang die Ausnahme sein. In München gibt es beispielsweise eine Härtefallregelung, die über das ganze Stadtgebiet verteilt 1000 Betreuungsplätze sicherstellt. In Wuppertal forderten am Montag Streikende die Stadt auf, die während des Kita-Streiks eingesparten Erzieher-Gehälter von 350 000 Euro wöchentlich als Investitionen in die Kindergärten fließen zu lassen.

Viele Firmen kommen ihren Beschäftigten, die kleine Kinder haben, mit guten Ideen entgegen: Der Reiseveranstalter Tui hat in seiner Zentrale in Hannover drei Konferenzräume zum Kindergarten umgebaut. Die Drogeriekette Rossmann in Burgwedel hat eine improvisierte Kita eingerichtet; beim Hamburger Versandhändler Otto können Beschäftigte ihre Kinder ins Büro mitbringen, für Verpflegung wird gesorgt. Das Niedersächsische Kultusministerium probt das mobile Eltern-Kind-Büro: Kinderbett, Wickeltisch und Spielzeug werden direkt zum Arbeitsplatz gerollt.

Das Softwareunternehmen SAP macht das Beste aus dem Streik und erprobt ein neues Arbeitsmodell. Die Mitarbeiter loggen sich von zu Hause in ihre Computer ein und arbeiten dann, wenn Ruhe ist. Man versuche ohnehin, auf flexible Arbeitszeiten umzustellen, teilte eine Sprecherin mit. Je länger der Kita-Streik, desto ergiebiger die Testreihe.

© SZ vom 19.05.2015
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