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Sterben ohne Angehörige:Nach drei Jahren sind die Ansprüche verjährt

Und wenn die Angehörigen nicht zahlen können?

Dann können sie beim Sozialhilfeträger beantragen, dass die Kosten übernommen werden.

Sie sagten, es habe 2017 mehr als 1400 Bestattungen von Amts wegen gegeben. Wie viele Angehörige haben Sie über die Zeitungsanzeigen noch gefunden?

Mehr als die Hälfte. Wir haben in 802 Fällen entweder Angehörige oder Vorsorgeverträge der Verstorbenen gefunden. Aber wir suchen nicht nur über diese Zeitungsanzeigen, sondern auch über Standes- und Einwohnermeldeämter. Wenn da bei Familienstand "verheiratet" oder "geschieden" steht, dann könnte es eine Frau oder Kinder geben.

Es geht dabei vor allem auch um Geld. Was bezahlte denn die Stadt 2017 für die Bestattungen von Amts wegen?

1,653 Millionen Euro.

Wie viel davon haben Sie wieder bekommen?

Zwei Drittel. Ein Drittel aus dem Nachlass und von freiwilligen Zahlungen der Angehörigen, die wir finden. Und ein Drittel von Angehörigen, die nicht zahlen wollen, wo wir es aber über Leistungsbescheide eintreiben. Das letzte Drittel können wir nicht geltend machen, weil wir niemanden finden.

Wie lange suchen Sie denn?

Drei Jahre. Danach sind unsere Ansprüche verjährt.

Sind Sie bei den Bestattungen dabei?

Ganz selten. Wir schaffen das vom Arbeitsaufwand her nicht - und ich brauche auch Distanz dazu.

Aber Sie waren schon einmal dabei?

Ja. Das war traurig. Da war ein Pfarrer, ein Vertreter aus der Pfarrgemeinde und eine Aufsichtsperson vom Friedhof. Und ich.

Keiner kannte den Verstorbenen. Keiner hatte ihn je gesehen.

Richtig. Das ist bei den meisten dieser Bestattungen so. Der Pfarrer sagt dann ein paar Worte ...

... Allgemeines.

Meistens. Manchmal meldet sich auf unsere Zeitungsanzeige auch jemand aus dem Sportverein, in dem der Verstorbene gewesen ist, und erzählt uns ein bisschen was. Dann haben wir wenigstens ein paar persönliche Sätze.

© SZ vom 05.07.2018/vewo

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