Umstrittener Bau in Wörthsee:Die Rodung für den Supermarkt hat begonnen

Wörthsee, Kuckucksstraße, Buchenroden

Flora und Fauna müssen in Steinebach dem Gebäude weichen,...

(Foto: Georgine Treybal)

Knapp 100 Buchen müssen weg. Tiere sollen umgesiedelt und auf Ausgleichsflächen ein neuer Wald gepflanzt werden. Die Initiative gegen den Bau ist bedrückt.

Von Mira Schrems

Viel Streit gab es um den Supermarkt in Steinebach, ein Bürgerentscheid zur Rettung des Kuckuckswalds scheiterte. Nun fallen die Bäume. Etwa 100 Buchen müssen nach Angaben von Projektleiterin Sophie Wohlschläger der Quest AG weichen, um den Laden und die 21 darüberliegenden Wohnungen bauen zu können. Die Rodung ist derzeit im Gange und soll in dieser Woche beendet werden.

Zum Ausgleich für die geopferten Bäume werde auf einer etwa 3000 Quadratmeter großen Fläche, die vorher intensiv landwirtschaftlich genutzt worden sei, artenreiches Extensivgrünland angelegt. Auf einer ebenso großen Fläche am "Ziegelstadel" soll ein Buchenwald aus 1300 Bäumen, darunter 950 Rotbuchen, gepflanzt werden. Die ersten stünden bereits, so Wohlschläger.

Doja Muggenthaler vom Kuckuckswald-Bündnis kritisiert, dass die Ausgleichsfläche zwar "besser als nichts" sei, "die neuen Bäume müssten aber eigentlich jetzt schon stehen. Es dauert ja lange, bis diese so viel CO₂ absorbieren können, wie die nun gefällten Bäume".

Insgesamt werde etwa die Hälfte des Kuckuckswaldes gefällt, erklärt Projektleiterin Wohlschläger. Anschließend blieben die Bäume noch fünf Tage liegen, damit Tiere, die in den Bäumen lebten, sich "derrappeln" könnten, wie sie sagt, um von selbst in den erhalten bleibenden Teil des Waldes umzuziehen. Aus Höhlenbäumen für Spechte werde nach der Fällung ein etwa drei Meter langes Stammstück rund um das Spechtloch ausgeschnitten und an einen anderen Baum gehängt.

Wörthsee

...das in zwei Jahren für Laden und Wohnungen fertiggestellt sein soll.

Am Dienstag seien zudem 16 Fledermauskästen als Ersatzquartiere im übrigen Wald aufgehängt worden. Da Amphibien sich aber bereits zum Überwintern in den Wurzelstöcken eingenistet haben könnten, dürfen diese erst im kommenden März entfernt werden - mit Ausnahme der Wurzeln in den Zufahrten zum Areal, für die laut Wohlschläger eine Sondergenehmigung vorliegt. Sobald die Baugenehmigung vorliege, solle im kommenden Frühjahr der Erdbau starten. Die Grundsteinlegung sei für den Sommer geplant, die Übergaben von Markt und Wohnungen dann voraussichtlich zeitgleich im Herbst 2023.

Doja Muggenthaler derweil wünscht sich, dass der Gemeinderat eine Baumschutzverordnung erlässt. In den vergangenen drei bis vier Jahren seien viele Bäume in Wörthsee gefällt worden. Fahre sie nun am Kuckuckswald vorbei, stimme sie der Anblick traurig: "Der Wald ist jetzt nur noch eine Allee, total durchsichtig."

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