Geothermie:Die Suche nach heißem Wasser in der Tiefe

Geothermie: In Geothermieheizwerken gibt es Wärme- und Kälteleitungen.

In Geothermieheizwerken gibt es Wärme- und Kälteleitungen.

(Foto: Florian Peljak)

Mit dem Projekt "Seismik GIGA-M" wollen die Stadtwerke München (SWM) mit Forschern die besten Standorte für Bohrungen im Fünfseenland erkunden.

Von Patrizia Steipe, Weßling

Das Projekt nennt sich "Seismik GIGA-M". Bereits im Wort "Giga" zeigt sich die Dimension, die die Stadtwerke München (SWM) damit verbindet. Giga - so wie "gigantisch" oder wie eine Zahl mit neun Nullen. Gemeinsam mit den Landkreisen und Gemeinden in der Region möchte die SWM mit einer Forschungsgruppe der Technischen Universität München untersuchen, wie das Potenzial der Tiefengeothermie besser genutzt werden könne. Im Raum München sind die geologischen Voraussetzungen für die Förderung der Erdwärme nämlich so gut wie in kaum einer anderen Region Deutschlands.

Im Landkreis Starnberg hat nun der Weßlinger Gemeinderat neben 70 weiteren Städten und Gemeinden im Großraum München vom Wirtschaftsministerium den Antrag der SWM zur "Erlaubnis zum Aufsuchen von Erdwärme zu wissenschaftlich Zwecken" zur Kenntnisnahme auf den Tisch bekommen. Im Fünfseenland sollen Krailling und Gauting Teil des riesigen Untersuchungsfelds werden. Neben den betroffenen Kommunen müssen auch die etwa 20 Inhaber der Schürfrechte zustimmen. Das sind für Gauting die Asto Park Gauting Entwicklungsgesellschaft mbH mit Silenos Energy GmbH und für Gauting-West zusätzlich noch die Heizwerk Management GmbH.

Drei Jahre lang sollen die Forschungen laufen. Konkret geht es in der "Seismikkampagne" darum, die bestehenden Geothermieanlagen und etwa 20 -projekte zu vernetzen und auf das gesamte Erlaubnisfeld auszudehnen. Außerdem sollen die günstigsten Standorte für künftige Geothermieanlagen gefunden werden. Das wäre ein "Game-Changer", denn bisher unterhalten nur wenige Kommunen und Betreiber lokale Kraftwerke, und die Nahwärmenetze sind meist nur auf die Gemeindegrenzen begrenzt. Trotz der guten Prognosen für Geothermie in der Region, schrecken die hohen Anfangsinvestitionen viele Kommunen ab. Wenn - so der Plan der SWM - die Anfangskosten für Bohrungen, Netzausbau und Verbundleitungen reduziert werden, da sie durch ausreichenden Wärmeverkauf über das Netz kompensiert werden, würden mehr Kommunen mitmachen.

In den porösen Gesteinsschichten ist heißes Wasser gespeichert

Zunächst werden bei der "Seismik GIGA-M" vorhandene Daten und Studien zusammengeführt, ein Naturschutzgutachten muss erstellt, Behörden und Kommunen um Stellungnahme gebeten und die Öffentlichkeit mit ins Boot geholt werden. Im Feld werden die Geophysiker die Situation mittels 3-D-Seismik ergründen. Die seismischen Messungen sollen Aufschluss über die geologischen Strukturen und Gesteinsschichten geben.

München ist ein Molassebecken, in dem es Sande, Schotter, Ton und Mergel gibt. In den porösen und durchlässigen Gesteinsschichten ist heißes Wasser gespeichert. Gebildet hat sich diese Schicht vor etwa fünf bis 23 Millionen Jahren. Bei dem speziellen seismischen Verfahren muss nicht gebohrt werden. Spezialfahrzeuge senden Schallwellen in den Untergrund. "Das merkt man gar nicht, da dieses Verfahren keinen Lärm macht", versichert eine SWM-Sprecherin.

Mit seismischen Daten kann der beste Standort für erfolgreiche Bohrungen gefunden werden

An den Gesteinsschichten werden die Schallwellen reflektiert und an die Oberfläche zurückgeschickt. Dort zeichnen hochempfindliche Erdmikrofone die Daten auf. Dadurch können Informationen über die Beschaffenheit der Gesteinsschichten im Untergrund gesammelt und mit einer Software ein dreidimensionales Bild der thermal wasserführenden Gesteinsformationen in mehreren Tausend Metern Tiefe erstellt werden. Dabei gilt, je tiefer das Thermalwasser liegt, desto heißer ist es. Für das Untersuchungsfeld wird auf Temperaturen von 90 bis 150 Grad gehofft. Mit den seismischen Daten kann der beste Standort für erfolgreiche Bohrungen und spätere Geothermieanlagen gefunden werden.

Eine Beteiligung der Kommunen, die von den konkreten Arbeiten der Seismikkampagne betroffenen sind, erfolgt im Rahmen des Betriebsplanverfahrens. Der Gemeinderat Weßling hat die Ausführungen nun zur Kenntnis genommen.

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