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Landkreis Starnberg:Streit um die Wasserreserven

Vom Veto des Verbands ist der geplante Gautinger Handwerkerhof mit Polizeiwache betroffen. Plan: Florian Burgstaller Stadtplanung und Landschaftsplanungsbüro terrabiota

Der Würmtal-Zweckverband lehnt neue Gewerbegebiete und Siedlungen in Gauting und Krailling ab, weil die Versorgung nicht gesichert sei. Vor Gericht soll nun geklärt werden, ob die Quellen im Königswieser Forst weiter genutzt werden können.

Von Michael Berzl

Wenn es nach dem Geschäftsleiter des Würmtal-Zweckverbands (WZV) geht, dürfte es in seinem Zuständigkeitsbereich keine neuen Wohnsiedlungen und keine neuen Gewerbegebiete geben. Der Grund: Aus der Sicht von Klaus Krüger fehlt eine zuverlässige und dauerhafte Wasserversorgung. Da kann er schlecht zustimmen, dass neue Abnehmer in großem Stil dazu kommen. Für eines von drei Einzugsgebieten des Verbands läuft nämlich in eineinhalb Jahren die Genehmigung aus. Beim Gebiet Königswieser Forst hat das Landratsamt Bedenken, dass es zu Verunreinigungen kommen könnte.

Und so lange dieses Problem nicht gelöst ist, dürfte nicht in größerem Umfang neu gebaut werden, meint jedenfalls Krüger: in Gräfelfing nicht, in Planegg und Krailling nicht und auch in Gauting nicht, wo die Gemeinde sehr weit mit ihren Plänen ist. Für einen Handwerkerhof im Westen des Ortes, wo auch die neue Polizeistation untergebracht wird, werden gerade die Bauparzellen an Firmen vergeben. Als im Bauausschuss das Thema mit dem Wasser zur Sprache kam, war das schnell erledigt. "Wir sehen das Problem nicht als ernsthaft an", sagte Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU). "Wir haben selbst in trockenen Zeiten kein Wasserproblem." Das war's, eine weitere Debatte gab es nicht.

Darüber, ob das jetzt ein Problem ist oder nicht, gehen die Einschätzungen im Gautinger Rathaus und in der Verbandszentrale in Planegg jedoch etwas auseinander. Im Gautinger Rathaus geht man davon aus, dass es vorerst auch weiterhin Übergangsregelungen gibt und die Wasserversorgung daher als gesichert gelten kann. Kössinger, die nun auch stellvertretende Vorsitzende des Verbands ist, beruft sich dabei auf entsprechende Zusagen des Landratsamts bei einer Besprechung im vergangenen Jahr. Zudem habe man sich anwaltlich beraten lassen. Der Verbandsgeschäftsführer hingegen geht davon aus, dass das Gewinnungsgebiet Königswieser Forst nur noch begrenzte Zeit genutzt werden kann. Daher hat er zu den Neubauplänen der Gautinger eine ablehnende Stellungnahme formuliert. Ihm sei zur Auflage gemacht worden, dass er als Alternative neue Vorkommen sucht. Deswegen würden Bohrungen und seismologische Untersuchungen vorgenommen. "Wir suchen Alternativen, haben aber noch keine gefunden", sagte er. Das sei nicht so einfach, "schließlich sind wir hier nicht in Alaska in unberührter Natur." Die wichtigsten Wasservorräte des Zweckverbands befinden sich im Mühltal, weitere Quellen gibt es im Kreuzlinger Forst, die Vorkommen im Königswieser Gebiet, das sich bis zum Mühltal erstreckt, dienen vor allem als Reserve. "Aber auch das brauchen wir", sagt Krüger. Und auch er betont: "Das Wasser ist einwandfrei."

Seit den Sechzigerjahren werden diese Vorkommen genutzt, Probleme habe es nie gegeben, das Wasser sei von hervorragender Qualität. Dennoch: Offenbar werden nun die Staatsstraße durch den Einzugsbereich und die Würm als Problem angesehen. Auch eine Pferdekoppel des Reit- und Fahrvereins Gauting spielte in der Vergangenheit eine Rolle. Das Problem wurde vor fünf Jahren erst einmal durch Auflagen gelöst, indem ein Teil der Wiese im Mühltal südlich von Gauting nicht mehr als Pferdeweide genutzt wird.

Die Streitigkeiten zwischen dem Zweckverband und dem Starnberger Landratsamt um das Gewinnungsgebiet Königswieser Forst haben schon vor zehn Jahren begonnen, als der WZV beantragte, die Genehmigung dafür zu verlängern, und Unterlagen zur Neuausweisung eines Wasserschutzgebietes "Mühltal-Königswiesen" einreichte. Da geschah erstmals nichts, bis der Verband wegen Untätigkeit gegen das Landratsamt klagte und die Genehmigung bekam. So schildert jedenfalls Verbandsgeschäftsführer Krüger die Vorgänge.

Die Differenzen sind immer noch nicht ausgeräumt. Wie das Landratsamt erläutert "divergieren die Ansichten hinsichtlich der Ausbreitung, der Schützbarkeit und Geeignetheit der Quellen." Aus diesem Grund habe das Landratsamt 2017 das Verfahren eingestellt. Gegen diesen Einstellungsbescheid reichte der Zweckverband Klage ein. Am 14. Juli wird vor dem Verwaltungsgericht in München prozessiert (Az. M2K 17.33 99). Der WZV klagt dabei gegen den Freistaat Bayern, der vertreten wird durch das Landratsamt Starnberg. Die Klageschrift umfasst 30 Seiten. Vom Ausgang des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens erhofft sich das Landratsamt "wegweisende Hinweise", auf deren Grundlage mit dem neuen Verbandsvorsitzenden und den Bürgermeistern der Verbandsgemeinden konstruktiv weiterverhandelt werden kann.

Der Kraillinger Bürgermeister und neue Verbandsvorsitzende Rudolph Haux (FDP) möchte noch vor dem Termin versuchen, die verfahrene Situation an einem runden Tisch zu klären. Er will Landrat Stefan Frey (CSU) zu einem Gespräch einladen und die zuständigen Leute in den Fachbehörden. "Es ist eine schwierige Gemengelage", sagte Haux der SZ. Er sehe aber "gute Möglichkeiten, das Thema im Vorfeld zu klären, um einen Konsens zu finden." Ein Termin für ein klärendes Gespräch steht aber noch nicht fest.

Bei der konstituierenden Sitzung des Zweckverbands vor ein paar Wochen, als Haux zum Vorsitzenden gewählt wurde, hatte auch die Gautinger Bürgermeisterin für diesen Posten kandidiert, Kössinger unterlag Haux aber mit 4:9 Stimmen. Die vier Stimmen für sie kamen dem Vernehmen nach von den vier Gautinger Verbandsräten, die an der Sitzung teilgenommen hatten.

© SZ vom 09.06.2020

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