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Modellbau:Zugverkehr im Feuerwehrhaus

Modellbahn im Feuerwehrhaus Utting

Die einzelnen Züge legen im Advent und an den Weihnachtsfeiertagen einige Kilometer zurück.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Uttings Kommandant und neuer Bürgermeister Florian Hoffmann hat seine Leidenschaft für Modelleisenbahnen entdeckt - und der ganze Ort spielt mit.

Von Armin Greune

"Mit uns nach Utting": Seit Mai kann Florian Hoffmann den Schriftzug öfter von seinem Büro aus vorbeifahren sehen. Er ist auf den Zügen der Ammerseebahn zu lesen, die stündlich direkt neben dem Uttinger Rathaus die Schranke passieren. Der Slogan hat freilich schon seit einigen Jahren nachhaltige Wirkung beim Bürgermeister und Feuerwehrkommandanten hinterlassen: "Mit uns nach Utting" weckte beim 37-Jährigen die Begeisterung für Modelleisenbahnen.

Modellbahn im Feuerwehrhaus Utting

Florian Hoffmann tüftelt und bastelt mit dem Feuerwehrkollegen und IT-Spezialisten Jürgen Kleinert (rechts) schon seit Monaten an der voll digitalisierten Anlage im Foyer der Wache. Für den Aufbau hat sich der Bürgermeister extra eine Woche Urlaub genommen, am kommenden Montag wird sie wieder demontiert.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Als er entdeckte, dass der LINT (kurz für "Leichter, innovativer Nahverkehrstriebwagen") im Maßstab 1:87 ausgerechnet für seine Heimatgemeinde Reklame macht, kaufte Hoffmann seinen ersten Zug. Und weil sein damals grundschulpflichtiger Neffe nicht verstehen konnte, was man mit einer Mini-Diesellok ohne jegliches Zubehör anfangen will, kamen die ersten Gleise dazu. "Ein simpler Rundkurs", erzählt Hoffmann.

Inzwischen ist er Herr über eine ausgefeilte Anlage mit 15 Zügen - und teilt sein Hobby mit dem ganzen Dorf. Zum vierten Mal hat er im Advent mit Jürgen Kleinert im Foyer des Feuerwehrhauses an der Bahnhofstraße die Gleise ausgelegt. Durch die großen Glasflächen kann jeder zusehen, wie die vom Computer nach dem Zufallsprinzip gesteuerten Züge zwischen zwei historischen Spritzenwagen, einem Christbaum und einer orientalischen Krippe umherflitzen. Mehr noch: Per Knopfdruck von außen kann man den Schienenverkehr noch bis einschließlich Sonntag in Gang setzen. 1715 Drücker wurden bis Dienstagmittag gezählt.

Ein Bildschirm informiert das Publikum detailliert über die Züge, die gerade in Bewegung sind. Bei der Authentizität sind die beiden Feuerwehrler pingelig: Da darf etwa das Schweizer "Krokodil" nur Waggons ziehen, die auch aus den 1930er-Jahren stammen. Ihre Anlage wächst beständig: "2017 brauchten wir zwei Wochen Vorlauf, heuer fünf Monate", sagt Hoffmann. Der IT-Experte Kleinert hat die Strecke programmiert und erstmals auf rein digitale Steuerung umgestellt, was zunächst zu Pannen und sogar zu zwei Zugkollisionen führte, weil Elektronikteile im ungeheizten Foyer immer wieder ausfielen.

"Mit neuen Decodern läuft es seit einer Woche optimal", sagt Florian Hoffmann. Ein Lieblingsstück des Kommandanten ist der Löschzug für die Tunnelrettung. Schließlich ist die ganze Aktion ja auch dazu gedacht, Nachwuchs für die örtlichen, Pardon, Floriansjünger zu werben. Den Effekt könne man an den Schaufenstern ablesen, scherzt Hoffmann: Alle drei Tage müssten die Scheiben geputzt werden. Und die Spuren der platt gedrückten Nasen fänden sich in jeder Höhe.

© SZ vom 23.12.2020
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