Ausstellung:Bert Brechts Haus am Ammersee

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Ausstellung: Verborgen hinter viel Grün steht das ehemalige Haus von Bert Brecht Im Gries 3 in Utting.

Verborgen hinter viel Grün steht das ehemalige Haus von Bert Brecht Im Gries 3 in Utting.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Für kurze Zeit besaß der Dichter ein Haus in Utting. Er musste vor den Nazis fliehen, seine Familie und der Komiker Theo Lingen schützten die Immobilie vor den Nationalsozialisten - mit einigen Tricks.

Von Armin Greune

"Sieben Wochen meines Lebens war ich reich. / Vom Ertrag eines Stückes erwarb ich / Ein Haus in einem großen Garten". Das Anwesen, dem Bert Brecht mehrmals aus dem Exil nostalgische Verse widmete, steht auch heute noch in Utting. Mit ihm ist eine ebenso spannende wie amüsante Geschichte verbunden, die erst 60 Jahre nach dem Tod des Dramatikers ans Licht kam. 2016 veröffentlichte der inzwischen verstorbene Brecht-Biograf Werner Hecht etwa 100 Briefe, die belegen, wie Freunde und Familie das Haus Im Gries 3 vor dem Zugriff der Nazi-Schergen bewahrten. Nun sind Teile dieses sogenannten Utting-Konvoluts erstmals am Ammersee zu sehen. Vom 16. Juni bis 10. Juli werden im Ausstellungsraum B1 am Uttinger Bahnhofsplatz Kopien der Schreiben gezeigt. Zu den an der Korrespondenz Beteiligten gehören nicht nur Bert Brecht, dessen Vater und Bruder sowie ein findiger Justizrat - auch der populäre Schauspieler Theo Lingen und dessen Frau spielen in diesem Schelmenstück Hauptrollen.

Der Augsburger Bert Brecht war seit seiner Kindheit häufig am Ammersee-Westufer. Dort genoss er mit dem Vater die Sommerfrische, verliebt in Paula Banholzer, die 1919 im Alter von 17 Jahren Berts ersten Sohn Frank zur Welt brachte. Auch wenn Paulas Eltern eine Heirat mit dem armen Poeten ablehnten, hielt die Beziehung sieben Jahre - während derer Brecht an insgesamt fünf Schwangerschaften mit drei verschiedenen Frauen beteiligt war. Aus der Heirat mit der Opernsängerin Marianne Zoff geht 1923 die Tochter Hanne, spätere Hiob hervor. Ein Jahr später gebar die Schauspielerin Helene Weigel Brechts Sohns Stefan; nach der Scheidung von Zoff und der Heirat mit Weigel kam 1930 die Tochter Barbara dazu. Immer wieder zog es den Schriftsteller an den Ammersee zurück: 1928 schrieb er in Utting mit Kurt Weill die letzten Zeilen der "Dreigroschenoper", von 1929 bis 1931 verbrachte die Familie Brecht/Weigel die Sommerferien in einem Schondorfer Haus direkt am See.

Für 11400 Reichsmark kauft Bert Brecht das Haus in Utting 1932. Bald aber muss er ins dänische Exil fliehen

Im August 1932 erwarb Bert Brecht für 11400 Reichsmark das zweistöckige Haus in Utting, sein Vater nahm dafür eine Hypothek auf, die der Dichter in Raten zurückzahlen wollte. Er zog sofort mit der Familie und der Geliebten Margarete Steffin für die anfangs zitierten sieben Wochen ein - um dann nie wieder dorthin zurückzukehren. Denn am Tag nach dem Reichstagsbrand 1933 musste Brecht vor den Nazis mit Frau und Kindern ins dänische Exil fliehen. Und der Bühnenverlag Felix Bloch Erben stellte sogleich die monatliche Zahlung von 1000 Reichsmark ein, die mit dem Dramatiker für die "Dreigroschenoper" bis Juli 1936 vereinbart worden war.

1935 verloren die formell Ausgebürgerten alle Eigentumsrechte im Deutschen Reich. Dennoch gelang es Brechts Vater und Bruder mit Hilfe des Familienanwalts und Justizrats Adolf Deller, das Haus im Besitz der Familie zu halten, bis es Hiob 1953 verkaufte. 1939 schaltete Walter Brecht Theo Lingen mit Erfolg als Verwalter ein - der Komiker hatte 1928 Brechts Exfrau Zoff geheiratet und war damit Stiefvater von Brechts seinerzeit 16-Jährigen Tochter Hanne geworden. Mit welchen juristischen Taschenspielertricks es gelang, die Nazis zu überlisten, lässt sich im B 1 nachlesen, das samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist. Kurator Harry Sternberg hat die Ausstellung mit Margret Brademann, vormals Leiterin des Brecht-Weigel-Hauses in Buckow, für den Raum konzipiert. Zu den Briefen werden Fotos der Hauptakteure aus dem Bertolt-Brecht-Archiv Berlin gezeigt. Zur Eröffnung an diesem Donnerstag um 18 Uhr findet eine Lesung mit dem Rundfunksprecher Friedrich Schloffer statt, die Sybille Engels und Jank Jankovic musikalisch begleiten.

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