Schulen Landkreis soll nun doch das Tutzinger Gymnasium übernehmen

Die Kalle-Villa und links daneben die Turnhalle des Tutzinger Gymnasiums sind sanierungsbedürftig.

(Foto: Georgine Treybal)

Die Gemeinde will sich die Schule nicht mehr leisten, das Landratsamt will sie nicht haben - das war die Ausgangslage vor dem Kreisausschuss. Die Debatte verläuft emotional.

Von Otto Fritscher

Der Landkreis Starnberg soll zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Trägerschaft für das Gymnasium Tutzing übernehmen. Diesen überraschenden Beschluss hat der Kreisausschuss des Starnberger Kreistags am Donnerstagabend gefasst. Er entspricht damit einem Wunsch der Gemeinde Tutzing, die sich finanziell und personell nicht mehr in der Lage sieht, die Schule mit 750 Schülern in Eigenregie weiterzuführen, wie sie es seit 1960 tut. Darüber hinaus haben die Kreisräte beschlossen, dass Landrat Karl Roth mit den anderen Trägern weiterführenden Schulen Gespräche aufnehmen soll, um herauszukitzeln, ob noch weitere Kommunen wie etwa Starnberg oder Gauting oder auch der Zweckverband, der das Gilchinger Gymnasium trägt, ihre Schulen ebenfalls an den Landkreis übergeben wollen. Zudem soll die Landkreis-Verwaltung ermitteln, wie viel Geld und Personal nötig ist, um eine eigene Schulverwaltung, die dann auch für das geplante Gymnasium in Herrsching zuständig wäre, aufzubauen.

Diesem dann einstimmigen Beschluss, dem sich Landrat Karl Roth lange widersetzte, war eine emotionale Diskussion vorausgegangen. Kreiskämmerer Stefan Pilgram hatte eine Art Versäumnisliste vorgetragen, aus der hervorging, dass der Landkreis das Gymnasium in den vergangenen Jahren mit mehr Geld gefördert hat, als die Gemeinde dann dafür ausgeben hat. Dieser Überschuss, so Pilgram, hätte die Gemeinde für eine neue Stelle im Rathaus aufwenden müssen. "Denn nebenbei geht das nicht", so Pilgram. Und der Kreiskämmerer rechnete vor, dass von den geschätzten sieben Millionen Investitionskosten für Turnhalle, Nordbau und Kalle-Villa auf die Gemeinde nur 600 000 Euro entfielen.

Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald verwahrte sich emotional gegen diesen "Sachstandsbericht", wie Landrat Karl Roth sagte. "Unser Gymnasium ist eine schöne Schule und kein maroder Bau. Ich bin entsetzt und enttäuscht, wie das hier dargestellt wird. Von wegen, wir haben nichts gemacht, wir haben unsere Hausaufgaben erledigt." Sie verwies darauf, dass die Trägerschaft für Gymnasien grundsätzlich bei den Landkreisen liege. "Als Gemeinde können wir es nicht." Dieser Auffassung folgten Albert Luppart und Bernhard Sontheim (Freie Wähler). Der Feldafinger Bürgermeister sah in der Übernahme "eine moralische Verpflichtung", Tim Weidner (SPD) pflichtete bei und Wolfgang Weber-Guskar (FDP) wollte die Blockade-Politik zwischen Gemeinde und Landkreis überwinden. Manfred Walter (SPD) erinnerte der Vortrag des Kämmerers an eine "Anklageschrift".

Landrat Karl Roth verwies auf die fehlenden Ressourcen im Landratsamt. "Wer soll das denn bei uns machen? Ich habe niemand, und 2019 wird gar nichts passieren in dieser Sache." Ein Hinweis, der die Mehrheit nicht überzeugte. Martina Neubauer (Grüne) drehte den Beschlussvorschlag der Verwaltung ins Gegenteil: statt Ablehnung des Tutzinger Übernahmewunsches eine Zustimmung - der sich dann im Handumdrehen auch Landrat Karl Roth anschloss. "Einstimmig", stellte er lachend fest. Das letzte Wort hat nun der Kreistag am Montag.