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Trockenheit:Der niedrige Pegel im Starnberger See wird für die Schifffahrt zum Problem

Starnberg See Dampfersteg

Damit die Passagiere bequem einsteigen können, muss genug Wasser im See sein. In einem extrem trockenen Sommer wie in diesem Jahr ist der Weg vom Steg aufs Schiff an einzelnen Anlegestellen schon sehr steil.

(Foto: Georgine Treybal)

An den Stegen war der Weg an Bord für die Passagiere bereits in dieser Saison manchmal bedenklich steil. Die Seenschifffahrt plant um.

Sollte der Wasserpegel des Starnberger Sees langfristig fallen, wird das für die staatliche Seenschifffahrt zum Problem. Geschäftsführer Michael Grießer stellt sich schon darauf ein. In diesem Jahr haben seine Kapitäne feststellen müsse, dass die Rampen von Stegen zum Schiff für die Fahrgäste teils bedenklich steil wurden; vor allem bei den kleineren Dampfern, deren Aufbau nicht so weit aus dem Wasser ragt. Wenn es ganz schlimm kommt, könne man einzelne Stege nicht mehr anfahren, befürchtet Grießer.

Besonders am Steg in Starnberg gibt es das Problem. Der Grund: Der Steg ist starr. Die meisten anderen Stege am Starnberger See sind flexibel. Sie haben ein paar Meter vor ihrem Ende im Wasser eine Art Scharnier, sodass das Ende weiter nach unten oder nach oben gestellt werden kann. In jede Richtung ist so ein Niveauausgleich von 30 Zentimetern möglich. Die Stege in Leoni, Ambach, Seeshaupt, Bernried und Possenhofen sind bereits mit solchen Scharnieren ausgestattet. Nun ist der Berger Dampfersteg an der Reihe. Auch der Steg in Tutzing ist noch starr. Ihn will die Schifffahrt in der Winterpause vor der Saison 2020 erneuern. Er wird dann wohl weiter ins Wasser hinein ragen als der bisherige. Laut Grießer laufen derzeit die ersten Abstimmungsgespräche mit der Gemeinde und den Behörden. Näheres will er dazu noch nicht sagen. "Das sind alles ja noch ungelegte Eier."

Der Starnberger See hat keinen richtigen Zufluss und speist sich hauptsächlich aus dem Grundwasser und durch kleine unterirdische Zuläufe, die momentan kaum noch Wasser bringen. Daran liegt es, dass anhaltend trockene Sommer und schneearme Wintern für die Schifffahrt gerade am Starnberger See zum Problem werden können. "Der Ammersee hat Ammer und Amper, da ist das nicht so tragisch", erklärt Grießer. Am Tegernsee und Königssee gebe es das Problem überhaupt nicht. "Da reicht schon ein starker Regenguss an einem Wochenende, um sie wieder aufzufüllen." An diesen beiden Seen mitten in den Bergen macht der Schifffahrt eher Hoch- als Niedrigwasser zu schaffen. Darum gibt es am Königssee auch eine Schleuse, über die sich der Pegelstand nach besonders starken Regenfällen regulieren lässt. Aktuell liegt der Wasserspiegel am Starnberger See 583,97 Meter über Normalnull und damit noch 15 Zentimeter über dem niedrigsten Wasserstand von 583,82 Meter. Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim kann bei diesen Angaben auf einen extrem langen Betrachtungszeitraum seit 1908 zurückblicken.

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Die neuen Stege werden künftig an Stahlmasten verankert. "Sie sind haltbarer und werden nicht morsch", sagt Grießer. Der Preis sei vergleichbar mit dem von Holzpfählen. Ein neuer Dampfersteg kostet nach seinen Angaben zwischen 100 000 und 120 000 Euro und hält etwa 15 bis 20 Jahre. "Stege mit Stahlpfählen halten deutlich länger", weiß Gießer. Die Aufbauten, Bretter, Planken und Geländer, werden weiterhin aus Holz gefertigt.

Für die beiden Starnberger Stege, den großen und den kleinen, an dem die Mini-Dampfer Berg und Phantasie anlegen können, müssen sich die Verantwortlichen der Schifffahrt etwas einfallen lassen, sollten die Pegel dauerhaft fallen. "Wir sind dran", sagt Grießer. Auch über eine Treppenkonstruktion denkt er nach.

Generell gibt es für Stege am See zwei Denkansätze, sollte der Pegel dauerhaft fallen: Entweder man verlängert den jeweiligen Steg, um die benötigte Wassertiefe für die Dampfer zu erreichen oder man baggert längere Fahrrinnen für die Schiffe aus. Von Schwimmstegen sieht man am Starnberger See wegen des teils starken Wellengangs ab.

Grießer hofft jedenfalls auf einen "ganz normalen Sommer mit einigen Regentagen" im nächsten Jahr und darauf, dass das Wetter in diesem Jahr eine Ausnahmeerscheinung bleibt.

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