Trendsport:Entspannung ohne Gurus

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Trendsport: Yogalehrerin Nina Winkler hat ihr Wissen in einem neuen Buch zusammengefasst. Auf dem Bild zeigt sie den "stehenden Bogen".

Yogalehrerin Nina Winkler hat ihr Wissen in einem neuen Buch zusammengefasst. Auf dem Bild zeigt sie den "stehenden Bogen".

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Fitness-Expertin Nina Winkler aus Pöcking hat ein modernes Yoga-Buch geschrieben, das Selbstvertrauen lehrt und sich fernhält von Traditionen und Dogmen.

Von Pauline Graf, Starnberg

Es fängt langsam an zu tröpfeln, als Nina Winkler die Yogamatte ausrollt. Aber sie macht unbeirrt weiter mit ihrem "Krieger 2" - "ein wenig frische Luft schadet uns doch nicht!", ruft sie turnend und schwingt sich hinein in die "halbe Taube": aufrecht sitzen, ein Bein nach hinten, Brust raus, lächeln. Mittlerweile ist das Tröpfeln stärker und Winklers bunte Yogamatte auf der Dachterrasse des Ambiance-Fitnessstudios in Starnberg ziemlich nass.

Trendsport: Yogalehrerin Nina Winkler im Lotussitz.

Yogalehrerin Nina Winkler im Lotussitz.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Fahrt nach Starnberg war für die Yogalehrerin und Buchautorin ein Katzensprung. Winkler ist in Pöcking aufgewachsen, lebt dort noch heute und ist als Schreiberin von mehr als 30 Fitnessbüchern die wohl erfolgreichste Autorin des Landkreises auf diesem Gebiet. Was auch nicht schwer sei - "die Nische der schreibenden Yogalehrer ist doch recht klein", weiß sie. Aber nicht nur rund um den Starnberger See, sondern in ganz Deutschland hat sich die heute 45-Jährige schon mit dem im Jahr 2005 erschienenen und 150 000 Mal verkauften Bestseller "Bauch Beine Po" unter Interessierten einen Namen gemacht. Ihr neustes Buch mit dem schlichten Titel "Yoga" kam im Mai dieses Jahres auf den Markt.

Bücher und Fitnesskurse und Bücher über Fitnesskurse - Winkler kann von sich selbst sagen: "Ich habe meine Hobbys, Schreiben und Bewegung, zum Beruf gemacht." Auch zum Journalismus hat Winkler einen Schlenker gemacht: Einem Volontariat folgten Redakteursposten bei den Fitnessmagazinen "Shape" und "Fit for Fun". Rückblickend sagt Winkler: "Journalismus hatte schon immer einen hohen Stellenwert in meinem Leben. Auch wenn ich heute für keine Zeitung mehr arbeite - schreiben tue ich ja immer noch." Zusammen mit einem südafrikanischen Profi-Surfer hat Winkler einen heute 12 Jahre alten Sohn, der mit ihr in Pöcking lebt.

Trendsport: Die Position "halbe Taube".

Die Position "halbe Taube".

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Ihre Leidenschaft zum Sport scheint schon in Kindertagen geweckt geworden zu sein: Von ihrem fünften Lebensjahr an stand sie zuerst auf Skiern, dann im Rhönrad. Später folgten Leichtathletik, Fußball, Laufen und dann eben Yoga. Ihr vor zwei Monaten erschienenes Buch sei "ein Sammelsurium an Grundlagen", die sie in ihren Kursen auch den teilnehmenden Hobby-Yogis, die ihr gegenübersitzen, ans Herz legen möchte. Eine Nina Winkler mit langem, geflochtenen Zopf, wohl von vor ein paar Jahren, schmückt in Yogapose das Buchcover. Daneben der Untertitel: "Guru war gestern..." Ach, sind Gurus im Trendsport Yoga aus der Mode gekommen? "Es gibt so viele selbsternannte Yoga-Experten, die nur nach ihrem einen Schema unterrichten und sich dann als Guru bezeichnen", antwortet die Autorin: "Dabei geht es bei diesem Sport doch vor allem um eins: zu merken, dass in dir selbst alles steckt, was du zum Yoga und zum Leben brauchst." Davon sei sie überzeugt, dafür stehe ihr Buch. Das Ganze nennt sich Avantgarde-Yoga.

Trendsport: Der "Krieger 2".

Der "Krieger 2".

(Foto: Franz Xaver Fuchs)
Trendsport: Der "Baum".

Der "Baum".

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Yogamatte, auf der Nina Winkler im Anschluss ans Gespräch auf der regnerischen Dachterrasse die "halbe Taube" zeigt, habe sie schon seit Ewigkeiten: "Ich bin kein Freund von Konsum und finde auch nicht, dass er zu den Yoga-Grundideen passt." Mit denen hat sie sich auseinandergesetzt: "Mich persönlich haben meine Reisen nach Asien sehr geprägt, besonders Malaysia begeistert mich." Dort sei Yoga ganz nebenbei in den Alltag breiter Bevölkerungsgruppen eingebunden: "Das geht schon am frühen Morgen los - zum Beispiel mit dem Sonnengruß."

Hintergrundwissen über Malaysia ist für Yoga-Neulinge im Landkreis Starnberg aber kein Muss, auch das gehört zu den Grundsätzen ihres neuen Buches: "Mir ist jeder lieb, der ins Studio kommt, um sich einfach zu stretchen." Erst danach führe sie bei Bedarf in die fernöstliche, buddhistische Kultur ein, aus der Yoga in die westliche Welt exportiert wurde. "Viele stellen sich Yogakurse mit Wollsocken und Buddhafigur am Fußende der Matte vor. Aber bei mir im Kurs hat keiner Wollsocken an, wenn er nicht will," betont Winkler und lacht. Sie selbst kommt heute in Sportkleidung ins Fitnessstudio. Von ihrem Handgelenk baumeln einige fröhlich bunte Armbändchen.

Ob man nun fernöstliche buddhistische Grundsätze spontan rezitieren kann, ob man gern in Wollsocken sportelt oder nicht: Zuerst einmal muss man sich überhaupt mal auf die Yogamatte begeben. Zum Abschluss des Gesprächs gibt Nina Winkler einen Geheimtipp an alle, denen die Motivation zum allmorgendlichen Sonnengruß fehlt: "Fangt langsam an, vielleicht mit ein paar Minuten pro Tag." Und: "Gönnt euch gelegentlich mit anderen einen Kurs in einem Studio, statt nur zuhause alleine Yoga zu machen." Denn zuhause sei eine alternative Freizeitgestaltung, zum Bespiel auf der Couch mit Netflix, zu nah - und der Druck zu niedrig: "Es ist schwerer, einer Freundin abzusagen, als daheim die Yogamatte in der Ecke verstauben zu lassen."

Derzeit gibt Nina Winkler Yogakurse im Ambiance Fitnessstudio in Starnberg, Petersbrunner Straße 15. Für Reiselustige: Von 2. bis 16. Oktober bietet sie ein Gruppen-Retreat in Thailand an. Weitere Informationen dazu finden sich unter: https://ninawinkler.de/blog/traumhaftes-yogaretreat-in-thailand.

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