Bernried:Studieren am Starnberger See

Bernried: Teehaus: Enthüllung der Busch-Woods Statuen

Astrid Deinhard-Olsson und ihr Ehemann Spartacus Olsson haben am Samstag Bronzestatuen enthüllt. Diese zeigt die Brauereierbin Wilhelmina Busch-Woods. Nun haben sie erneut Großes vor: Bernried in einen Universitätsstandort zu verwandeln.

(Foto: Nila Thiel)

Astrid Deinhard-Olsson und ihr Ehemann haben das Teehaus im Bernrieder Park gemietet. Nun wollen die beiden Filmproduzenten eine Hochschule gründen, in der die Geschichte mit digitalen Medien aus einer global-chronologischen Perspektive erforscht werden soll.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Bernried soll Hochschulstandort werden - zumindest wenn es nach den Mietern des Teehauses im Bernrieder Park geht. Astrid Deinhard-Olsson und ihr Ehemann Spartacus Olsson wollen das "Internationale Institut für Chronologie und Geschichtsschreibung" gründen und ein Masterstudium anbieten, das die Geschichte mit Hilfe digitaler Medien aus "einer global-chronologischen Perspektive" betrachtet. Das hat das Ehepaar, das das Medienunternehmen "On Lion" führt, im Rahmen einer Feier zum 70. Jubiläum des Wilhelmina-Busch-Woods-Stiftungsparks bekanntgegeben, zu der am Samstag rund 60 Gäste ins Teehaus eingeladen waren.

Die beiden Filmproduzenten leben seit 1997 im Teehaus. Seither haben sie sich intensiv mit dem Leben von Wilhelmina Busch-Woods beschäftigt, der Erbin der amerikanischen Bier-Dynastie Anheuser-Busch, die Anfang des 20. Jahrhunderts zu den reichsten Menschen der Welt gehörte. Die gebürtige Amerikanerin ließ sich 1911 in dem kleinen Dorf am Starnberger See nieder und kaufte nach Angaben des Stiftungsvorsitzenden Karl-Otto Kullmann "nach und nach Bernried auf". Ebenso wie ihr Großvater, der regelmäßig hohe Summen an die Havard University spendete und die Busch Gardens in den USA angelegt hatte, hat sich die Erbauerin des Schlosses Höhenried und Stifterin des Parks stark für Bildung eingesetzt.

Bernried: Teehaus: Enthüllung der Busch-Woods Statuen

Beim Jubiläum des Wilhelmina-Busch-Woods-Stiftungsparks gilt für die Damen offenbar ein Dresscode in Weiß.

(Foto: Nila Thiel)

Wie die Teehausmieter berichteten, lebte Busch-Woods nach dem Motto ihres Großvaters "Making Money is Great". Allerdings müsse man auch etwas an die Bevölkerung zurückgeben, befand sie: Regelmäßig lud sie einheimische Jugendliche zu sich ein, war Patronin der Bernrieder Kirche und schenkte das Kloster den Missionsbenediktinerinnen von Tutzing. Die Ländereien ließ sie nach Vorbild der "Busch Gardens" als Parkanlage ausbauen und legte ein Wildgehege für weiße Hirsche an. 1951 gründete sie die Stiftung mit dem Ziel, den Park zur Erholung für die Bevölkerung zu erhalten. "Sie hat eine Zwei-Kilometer-Bremse am See geschaffen, die nie bebaut werden darf", sagt der Stiftungsvorsitzende. Im Teehaus, das Busch-Woods 1930 zur Villa im Hollywood-Stil ausbaute, veranstaltete sie sonntägliche Tanztees und Feste mit bis zu 1500 Gästen.

Bernried: Teehaus: Enthüllung der Busch-Woods Statuen

Künstler Thomas Schöne hat die Büste von Sam Edison Woods geschaffen.

(Foto: Nila Thiel)

Das ehemalige Fischerhaus gehört der Stiftung. Da sich die Einrichtung den Unterhalt für das stark sanierungsbedürftige Gebäude direkt am See nicht leisten konnte, wurde es vermietet. Seither übernimmt Deinhard-Olsson alle erforderlichen Sanierungen, Reparaturen sowie die Unterhaltskosten. Die Olssons wohnen in der Villa und betreiben auf dem weitläufigen Gelände ihre Filmproduktionsfirma. Nun will das Ehepaar das Unternehmen ausbauen und an die Tradition von Busch-Woods anknüpfen. Im kommenden Jahr soll die Hochschule mit Online-Lehrveranstaltungen starten. "Die Education ist online, aber die Prüfungen finden vor Ort statt", erklärte Deinhard -Olsson. Das Ziel der Ausbildung ist es virtuelle Distanzen und Kommunikationsbarrieren in der Welt abzubauen. Der Stiftungsvorsitzende Kullmann stellt sich eine öffentliche Einrichtung an diesem Standort schwierig vor und will die Entwicklung zunächst abwarten. Das Problem sei, dass es keine Zufahrt zum Teehaus gebe, erklärte er vor dem Hintergrund, dass das Gebäude mitten im Park liegt, der nicht mit dem Auto befahren werden darf. Lediglich die Mieter sowie Versorger und Lieferanten seien zufahrtsberechtigt.

Der Spion

Obwohl Sam Edison Woods einer der bedeutendsten amerikanischen Spione im Zweiten Weltkrieg war, wurde seiner Ehefrau, der Brauereierbin Wilhelmina Busch-Woods, lange Zeit vorgeworfen, sie habe mit den Nationalsozialisten sympathisiert. Das liegt zum einen daran, dass Busch-Woods eines ihrer Grundstücke in München für eine symbolische Reichsmark an die Nazis abgegeben hatte, um im Gegenzug die Baugenehmigung für das Schloss Höhenried zu erhalten. Das Münchener Grundstück wurde für das Haus der Kunst benötigt, das laut Spartacus Olsson mit einer Ausstellung über Entartete Kunst eröffnetet wurde. Sam Woods' Spionagetätigkeit wurde übrigens erst 1995 bekannt, als die Geheimhaltung wegfiel. Er starb 1953 bei einem Autounfall unter mysteriösen Umständen. SBH

Über das Problem haben sich die Mieter bereits Gedanken gemacht. Wie Deinhard-Olsson der SZ verriet, schwebt ihnen das Hofgut Bernried in der Ortsmitte als Hochschulstandort vor. Dort könnten laut Olsson auch Seminarwochen abgehalten werden. "Ich finde das eine gute und mutige Idee", erklärte Hofgut-Eigentümer Lorenz Mayr. Die großen Räume mit ihren "phantastischen Gewölben" wären seiner Meinung nach durchaus geeignet, zumal sie derzeit ungenutzt seien. Allerdings könne er das nicht entscheiden, da dieser Bereich des Hofguts Verwandten gehöre, sagte er.

Die rauschenden Feste der "Dollarkönigin vom Starnberger See" sollen ebenfalls wiederbelebt werden. Von 2022 an wird es regelmäßige Tanztees im Teehaus geben. Einen ersten Eindruck von ihren Plänen vermittelten die Olssons auf der Veranstaltung am Samstag. Da sie im Rahmen ihrer Nachforschungen "eine tiefe Beziehung" zu Busch-Woods entwickelt hätten, hatten sie von dem Ehepaar Statuen anfertigen lassen, die sie nun feierlich enthüllten. Die Bronze-Büsten, die den Weg zum Hauseingang säumen, wurden von dem Allgäuer Künstler Thomas Schöne geschaffen. Der Kunstmaler hatte in den Neunzigern bereits die Deckengemälde im Teehaus restauriert. Die größte Herausforderung sei es gewesen, aus den nur wenigen vorhandenen Fotos eine realistische dreidimensionale Darstellung auszuarbeiten, sagte er.

Zur SZ-Startseite
Bernried: Teehaus Sommerserie - Wer wohnt denn da?

SZ PlusStarnberg
:"Man muss das Haus schon so lieben, wie ich es tue"

Pfauenmalereien im Wohnzimmer, eine geschwungene Fensterfront und ein neobarockes Ehebett: Am Ufer des Starnberger Sees steht das "Teehaus". Vor mehr als 20 Jahren übernahm Astrid Deinhard-Olsson das sehr besondere Anwesen - obwohl ihr davon abgeraten wurde.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB