Nach der wochenlangen Trockenheit Lechzen nach Regen

Der Grundwasserspiegel sinkt, der Wasserverbrauch steigt, die Gärtner gießen den ganzen Tag, und die Bäume werfen Äste ab. Menschen, Tiere und Pflanzen im Fünfseenland sehnen sich nach Abkühlung.

Von Armin Greune und Christine Setzwein, Starnberg

Auch wenn das Fünfseenland noch nicht wie viele andere Landstriche in Deutschland unter Dürre leidet - allmählich wird auch hier das Wasser knapp. "Die Grundwasserstände sind durchweg sehr niedrig, aber aktuell gibt es für die Trinkwasserversorgung im Landkreis Starnberg noch keinen Grund zur Besorgnis", sagt Dora Schulze, stellvertretende Leiterin des Weilheimer Wasserwirtschaftsamtes. In ihrem Dienstbereich haben allerdings bereits zwei Versorgungsanlagen den Betrieb einstellen müssen, beide befinden sich im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Sie rechnet damit, dass auch im Bereich Starnberg/Weilheim/Landsberg demnächst einzelne Wasserwerke auf Notversorgung umstellen müssen: "Wir haben wenig Hoffnung, dass es bald zu ergiebigen Regenfällen kommt", sagt Dora Schulze. Um die Speicher im Boden zu füllen, wären mäßige Niederschläge über längere Zeiträume notwendig - die Wassermassen von kurzfristigen Starkregen fließen zum größten Teil an der Oberfläche ab und können kaum im ausgetrockneten Erdreich versickern.

Die Stege am Ammersee ragen wegen des Niedrigwassers weit aus dem Wasser.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Wasserversorger

Hermann Doblinger, Vorstand der Wasser- und Abwasserbetriebe AWA-Ammersee in Herrsching, ist noch gelassen. Zwar würden momentan täglich etwa 40 bis 50 Prozent mehr Trinkwasser abgenommen, aber "die sind für uns problemlos zu leisten". 2017 wurden insgesamt 2,271 Millionen Kubikmeter gefördert. Die AWA gewinnt ihr Wasser aus 13 Brunnen und zwei Quellen in zehn Wasserschutzgebieten. Das Wasserleitungsnetz in den sieben Mitgliedsgemeinden Andechs, Herrsching, Inning, Pähl, Seefeld, Wielenbach und Wörthsee ist 556 Kilometer lang. Die Pegelstände der Brunnen seien noch auf Normalstand, sagt Doblinger. Trotzdem empfiehlt er einen sorgfältigen Umgang mit dem Gut Trinkwasser, denn der Bürger spare so nicht nur Trinkwasser-, sondern auch Abwassergebühren - und die AWA die Energie, die für die Förderung und Ableitung des Wasser nötig ist. Und auch wenn es momentan nicht regnet: Eine Regentonne anzuschaffen lohne sich auf jeden Fall. Nicht so sehr die Gegenwart ist es, die Doblinger beunruhigt, eher die Zukunft. Für die Versorgungssicherheit sei es von großer Bedeutung, dass neu geplante Gewerbeansiedlungen - wie in Gauting - nicht in Wasserschutzgebieten erfolgen. Ansonsten drohe den Wasserversorgern, "dass uns das Wasser im wahrsten Sinne des Wortes abgegraben wird".

Das Wasserwerk Starnberg meldet für Juli 2018 eine Fördermenge von durchschnittlich 5061 Kubikmeter Wasser pro Tag. Vor einem Jahr waren es 4980 Kubikmeter. "Die Laufzeiten der Brunnen sprechen aber nicht für große Abweichungen zu den Vorjahreswerten", heißt es.

Die Landwirte

"Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals so trocken war", sagt der Starnberger Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Georg Zankl. Trotzdem sei die Ernte "nicht ganz so schlecht", die Landwirte im Fünfseenland würden mit einem blauen Auge davonkommen. Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und Sojabohnen stehen noch auf den Feldern. Der Mais werde in den nächsten 14 Tagen geerntet. Problematisch könnte es allerdings beim Futter werden. Weil das Gras nach der ersten Ernte im Mai wegen der Trockenheit nicht mehr so gut nachwächst, werden manche Bauern nachkaufen müssen. Wie der Ertrag bei den Kartoffeln aussieht, könne man noch nicht sagen. "In schweren Böden werden sie wahrscheinlich gut, in durchlässigen könnten sie gelitten haben", sagt Zankl. "Die Kartoffel mag keine Hitze", weiß der Gilchinger Landwirt Wilhelm Painhofer. Der angesagte Regen am Wochenende sei dringend nötig. Ehefrau Anita Painhofer, die Kreisbäuerin, hat aber trotz Trockenheit und Hitze auch gute Nachrichten: In ihrem Garten gebe es Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Nüsse "in rauen Mengen".

Die Gärtner

Der Arbeitstag von Maximilian Maenner und seinem Starnberger Stadtgärtner-Team beginnt derzeit um fünf Uhr früh. Dann wird acht Stunden lang gegossen: Strauchbeete, Pflanzkübel, Straßenbäume und auch die neue Hecke im Friedhof Percha. Zwei Fahrzeuge sind dafür im Einsatz, insgesamt haben die Gärtner 3000 Liter Wasser dabei. "Es ist schon extrem trocken", sagt Vorarbeiter Maenner. Auch in Gilching fahren die Bauhofmitarbeiter fast täglich raus, um die gemeindlichen Blumenbeete, Blühwiesen und jungen Bäume mit Wasser zu versorgen, berichtet Leiter Robert Mayr. Sie haben einen Pritschenwagen mit Wassertank und Pumpe dabei und sind den ganzen Tag mit Gießen beschäftigt. "Wir können die Pflanzen doch nicht einfach kaputtgehen lassen", sagt Mayr.

Die Bäume

Auch die Wälder leiden unter der anhaltenden Trockenheit. Dies trifft im Fünfseenland vor allem auf den Böden der Münchner Schotterebene zu. Doch auch andernorts stehen die Bäume unter Trockenstress und reagieren teilweise mit vorzeitigem Laubabwurf. Die Stadt Starnberg warnt sogar vor sogenannten Grünastbrüchen, die sich in der laufenden Woche bereits zweimal im Ort ereignet haben: Wassermangel kann dazu führen, dass Bäume ganze Äste abstoßen. Insbesondere bei Gewitterböen sollte man unter ihnen also Vorsicht walten lassen. Ludwig Straßer, Waldschützer an der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft, rechnet damit, dass die Vegetationsperiode für Laubbäume heuer durchschnittlich einen Monat früher endet als sonst: "Die verringerte Fotosyntheseleistung führt dazu, dass der Baum weniger Reservestoffe einlagert und im Frühjahr weniger Blüten-Blattknospen ausbildet."