Starnberg:"Mein größter Wunsch ist, dass keiner von denen getroffen ist"

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Starnberg,  KKH 50 Jahre

Im Starnberger Krankenhaus wird der 40-jährige Einzelhandelskaufmann versorgt, der sich in Italien mit dem Coronavirus infiziert hat. Mit Handy und Laptop hält er Kontakt zu Freunden und Familie.

(Foto: Georgine Treybal)

Ein infizierter Fußballtrainer hat im Trainingslager an der Adria etwa 50 Kinder betreut. Mittlerweile sind vier Patienten im Klinikum Starnberg isoliert.

Von Carolin Fries, Starnberg

Die Infektion eines Fußballtrainers mit dem Coronavirus zieht weite Kreise. Etliche Kinder und Jugendliche haben sich am Freitag im Starnberger Gesundheitsamt auf den Erreger testen lassen. Sie alle waren in den Faschingsferien mit dem 40 Jahre alten Übungsleiter der FT Starnberg 09 im Trainingslager in Italien gewesen, welcher nach seiner Rückkehr positiv auf das Virus getestet wurde und seit Donnerstag im Klinikum Starnberg isoliert wird. Die Ergebnisse dieser freiwilligen Testaktion, die die Behörde den Teilnehmern des Trainingslagers nach Bekanntwerden des neuen Falls angeboten hat, werden für Anfang der Woche erwartet.

Eine erste Gruppe der knapp 80 jungen Fußballer, Betreuer und Trainer, welche aufgeteilt in zwei Gruppen nach Misano in der Region Emilia-Romagna gereist waren, hat sich nach Angaben des Gesundheitsamtes bereits zu Beginn der Woche bei niedergelassenen Ärzten testen lassen, darunter die Trainer und Verantwortlichen des Vereins. Diese Befunde waren allesamt negativ.

Der 40 Jahre alte Fußballtrainer, der als Einzelhandelskaufmann bei einem Autoteileservice in Starnberg arbeitet, hat am Donnerstag an seinem Arbeitsplatz von seinem positiven Testergebnis erfahren. Seine Sorge galt sofort den Jugendfußballern: "Mein größter Wunsch ist, dass keiner von denen getroffen ist", sagt er am Freitagmorgen der SZ am Telefon. Da war er noch in einem Einzelzimmer untergebracht und klagte: "Es ist brutal langweilig." Am Nachmittag habe man ihn mit dem 45 Jahre alten Mann aus dem Landkreis zusammengelegt, der bereits seit dem Wochenende im Klinikum isoliert wird.

Beide Männer zeigen laut Klinikchef Thomas Weiler keine Symptome und würden deshalb nicht behandelt, sondern lediglich überwacht. "Es geht mir gut", erzählt der Fußballtrainer, der anonym bleiben will. "Ich habe minimal Schnupfen", sagt er. Mit Bodengymnastik versuche er, sich fit zu halten. Den Kontakt zur Familie und zu Freunden halte er über das Handy und sein Laptop. Neben der täglichen Visite bekomme er dreimal täglich das Essen gebracht. Ansonsten sei er angehalten, nur in dringenden Fällen zu klingeln. "Der Aufwand für das Personal ist enorm groß mit der ganzen Schutzkleidung, die tun mir richtig leid."

Seit Freitagnachmittag müssen sich Ärzte und Pfleger um zwei weitere Infizierte kümmern - einen Schüler des Tutzinger Gymnasiums und dessen Vater, die in Südtirol zum Skifahren waren. Die Klinik hat einen Teil einer Station abgegrenzt, die Mehrbettzimmer seien nicht komplett belegt. "Wir könnten Personal und Betten sehr gut anders gebrauchen", übte Weiler am Freitag Kritik an den Verordnungen der Behörden und des Robert-Koch-Instituts (RKI). Künftig werde man eine stationäre Aufnahme in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt genauer prüfen. Er bezog sich dabei auf eine Verlautbarung des RKI, wonach leicht erkrankte bestätigte Covid-19-Patienten bei Gewährleistung einer ambulanten Betreuung durch einen behandelnden Arzt in die häusliche Umgebung zurückkehren können. Ob nun auch die vier Starnberger Patienten in die häusliche Isolation dürfen, werde man in der kommenden Woche klären.

Der Fußballtrainer sagt, er würde das Krankenzimmer nur zu gerne gegen eine zweiwöchige Quarantäne in den eigenen vier Wände tauschen. Dort muss sich aktuell seine Ehefrau als enge Kontaktperson isolieren, ihr Testergebnis steht noch aus. Sie arbeitete die vergangenen Tage noch als Sprechstundenhilfe in Gilching. Insgesamt standen laut Landratsamtssprecherin Barbara Beck am Freitagnachmittag sieben Personen im Landkreis unter Quarantäne. Die Kontaktpersonen der zwei neuen Fälle würden noch ermittelt.

Wo sich der Fußballtrainer der FT Starnberg 09 angesteckt hat, ist unklar. "Ich habe keine Ahnung", sagt der 40-Jährige. Im Starnberger Gesundheitsamt geht man davon aus, dass er sich in Italien beim Trainingslager angesteckt hat. Möglich wäre aber auch, dass der Mann bereits vor Antritt der Reise infiziert war. Die Fußballjugend fahre jedes Jahr nach Misano, das Hotel dort öffne Ende Februar ausschließlich für die Besucher aus Starnberg. Die ersten Tage trainierten dort etwa 30 Kinder zwischen elf und 15 Jahren, die letzten Tage dann überwiegend 16 bis 19 Jahre alte Jugendliche.

Gymnasium Tutzing geschlossen

Das Gymnasium in Tutzing bleibt die komplette kommende Woche inklusive Montag, 16. März, geschlossen, weil ein Schüler positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Auch die Mittagsbetreuung bleibt geschlossen. Das teilte das Landratsamt am Freitagabend mit und begründet die Entscheidung, welche zusammen mit der Schulleitung getroffen wurde, mit einer Empfehlung des bayerischen Coronavirus-Krisenstabs. Alle Schüler und Lehrer werden gebeten, zu Hause zu bleiben. Das Kind sei in den Faschingsferien mit der Familie beim Skifahren in Südtirol gewesen und wurde nach seiner Rückkehr positiv auf das Virus getestet, so Landratsamtssprecherin Barbara Beck. Auch der Vater habe sich infiziert. Beide werden stationär im Klinikum Starnberg isoliert. Der Vater zeige Erkältungssymptome, das Kind nicht. Am Freitag gab das Gesundheitsministerium bekannt, dass zudem alle Schulkinder, die sich in den vergangenen 14 Tagen in Südtirol aufgehalten haben, in der kommenden Woche zu Hause bleiben sollen. An der Benedictus-Realschule hat man die Empfehlung auf alle Rückkehrer aus den Risikogebieten ausgeweitet. "Wir raten das an, die Schulpflicht aufheben können wir natürlich nicht", sagt Peter Kosak, Direktor des Schulwerks in der Diözese Augsburg und Träger der Realschule in Tutzing sowie der Mädchen-Realschule in Dießen. Alle Auslandsfahrten der Schulen seien abgesagt. Die Mehrzahl der Eltern zeige Verständnis, sagt er. Einzelne aber beharrten darauf, ihre Kinder weiterhin in den Unterricht zu schicken. frie

Bedenken, dass eine Gefahr bestehen könnte, sich mit dem Coronavirus zu infizieren habe man keine gehabt, wie der Berger sagt. Es habe keine Reisewarnung bestanden und zu diesem Zeitpunkt seien lediglich Fälle aus den umliegenden Regionen bestätigt gewesen. Als das RKI schließlich erste Regionen zu Risikogebieten erklärte - darunter noch nicht die Emilia-Romagna - habe man die Eltern der zweiten Gruppe dennoch abgefragt, ob sie ihre Kinder mitfahren lassen wollen. "95 Prozent der Eltern haben ihre Kinder mitgeschickt", sagt Fußball-Abteilungsleiter Alexander Nitsch.

Am Sonntag kehrten die Fußballer zurück, am Montag dann habe er erfahren, dass nun auch die Emilia-Romagna zum Risikogebiet erklärt wurde, so Nitsch. Für den Montag habe man deshalb die Trainings abgesagt, seither würden nur jene Kinder trainieren, welche nicht in Italien dabei gewesen sind oder bereits ein negatives Testergebnis hätten. Eine Vorsichtsmaßnahme, wie er betont, welche in Absprache mit dem Gesundheitsamt erfolgt sei. Schließlich gingen alle Kinder und Jugendliche auch weiterhin in die Schule. Von kommender Woche an laufe der Trainingsbetrieb wieder normal.

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