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Starnberg:So verteidigen sich die Betreiber der geschlossenen Corona-Teststation

Coronateststelle im Starnberger Hugos Beach Club.

Hümeyra Koc und Boris Bill weisen alle Vorwürfe von sich. Ihre Teststationen in München laufen weiter.

(Foto: Catherina Hess)

Alle Ergebnisse seien zugestellt worden, die Gebühr für ein englisches Zertifikat sei zulässig. Das Landratsamt sieht das anders und verzeichnet weitere Beschwerden.

Von Carolin Fries

Haben die Betreiber der Corona-Teststation im früheren Undosa schlampig gearbeitet oder lediglich in wenigen Einzelfällen Fehler gemacht? Im Landratsamt hätten sich am Dienstag weitere Personen gemeldet, welche die Vorwürfe gegen den Münchner Arzt Boris Bill und die Firma H&E von Hümeyra Koc und Ebert Aziz stützten, teilt die Behörde mit. Demnach sollen Testergebnisse teilweise gar nicht oder nur unvollständig zugestellt worden sein. Das bestätigten auch Leser der SZ. Zudem seien die Tests nicht immer völlig kostenlos gewesen, so die Kritik. Eine Anzeige wegen Betrugs stehe aber nicht im Raum, wie Landratsamtssprecher Christian Kröck betont. Die Teststation ist seit Montag geschlossen, das Landratsamt hat die Beauftragung widerrufen.

Die Betreiber weisen weiter alle Vorwürfe von sich und sehen sich als Opfer einer "Hetzkampagne", so Bill. Alle Testergebnisse seien vollständig zugestellt worden, versichert Koc. Lediglich während der ersten Testtage Ende April habe man den Kunden die Befunde in einer formlosen Kurzmitteilung aufs Smartphone geschickt, dann sei die Software entsprechend aufgerüstet worden, um die Ergebnisse zusätzlich per E-Mail zu übermitteln. "Dafür haben wir die Formulare des Gesundheitsamtes genutzt", sagt Koc. Verzögerungen könne es allein bei Softwareproblemen und Stromausfall gegeben haben - oder aber, wenn ein Mitarbeiter in der E-Mail-Adresse eines Kunden ein E statt ein P eingetippt hätte. Die Fehlerquote läge in einem verträglichen Bereich, betont Bill.

Unerlaubt abkassiert habe man ebenfalls nicht. Mit einer Gebühr von zehn Euro seien lediglich zusätzliche Reisezertifikate in englischer Sprache berechnet worden. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) sind diese zumindest "als Kassenleistung nicht bekannt", so ein Sprecher. Die Kassen könnten diese nicht vergüten. Bill betrachtet das Zertifikat als Leistung zur individuellen Gesundheitsvorsorge, welche privat berechnet wird. "Dieses Zertifikat ist nicht Bestandteil der Befundübermittlung", betont Koc. Bei etwa fünf bis zehn Prozent der mehr als 8000 Tests seien solche Nachweise angefordert worden. Das Landratsamt betrachtet diese dagegen als Teil der kostenlosen Leistung im Rahmen der Bürgertests.

Die Kreisbehörde hat am Montag sowohl das Gesundheitsministerium als auch die Stadt München über die Schließung informiert. Dort betreibt das Trio zwei weitere Teststationen. Seit März werden im Backstage an der Reitknechtstraße unter Bills Leitung PCR- und Antigen-Schnelltests gemacht. Zeitgleich mit der Station im Undosa ging Ende April eine Station im Filmcasino am Odeonsplatz in Betrieb. Dort seien die Kunden weitaus zufriedener als in Starnberg, sagt Koc. Beschwerden gäbe es deutlich weniger.

Vom städtischen Gesundheitsreferat habe man bislang nichts gehört, der Betrieb gehe in beiden Münchner Einrichtungen weiter. Am Dienstagnachmittag berichtete Bill schließlich von einer Kontrolle durch das Kreisverwaltungsreferat am Odeonsplatz - offenbar "ohne Beanstandung", wie er sagt. Das Gesundheitsreferat teilt auf Anfrage mit, sich zu einzelnen Betreibern aus rechtlichen Gründen nicht zu äußern.

© SZ vom 09.06.2021
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