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Seetaucher:Seltener Gast am Starnberger See

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Der Prachttaucher kann bis zu 75 Meter tief im Wasser jagen - und dabei fast halbmeterlange Fische erbeuten, die er mit einem Happs verschlingt.

(Foto: imago/blickwinkel)

Auf einer Tour lassen sich die imposanten Zugvögel beobachten - kaum zu glauben, wie tief sie tauchen können.

Sie zählen zu den seltensten und auffälligsten Vogelarten, die im Winter am Starnberger oder Ammersee aufkreuzen können: Die imposanten Seetaucher, die bis zu 1,50 Meter Spannweite und sechs Kilo Gewicht erreichen können. Von den fünf Arten der Gattung Gavia sind schon vier im Fünfseenland gesichtet worden: Pracht- und Sterntaucher überwintern regelmäßig, Eistaucher gelegentlich hier. Vor zwei Jahren wurde sogar einmal der äußerst rare Gelbschnabel-Eistaucher am Ammersee entdeckt. Am kommenden Sonntag, 27. Januar, lädt die Kreisgruppe Starnberg im Landesbund für Vogelschutz (LBV) zu einer dreistündigen Seetaucher-Exkursion am Starnberger See ein: Treffpunkt ist um neun Uhr der Parkplatz am Erholungsgebiet Ambach. Von dort fahren die Teilnehmer mit Autos zu Beobachtungspunkten in Richtung Seeshaupt.

Auf der Tour werden Biologie und Zugverhalten der Vögel, sowie die wichtigsten Unterschiede zwischen den Arten erläutert. Die Seetaucher tragen den Winter über nicht ihr markantes Prachtgefieder mit bunten Kopf- und Halszeichnungen, sondern das sogenannte Schlichtkleid, was eine genaue Bestimmung erschwert. Alle Arten sind hervorragend an ihren maritimen Lebensraum angepasst. Ihr stromlinienförmiger Körper und die kräftigen, mit Schwimmhäuten versehenen Ruderfüße ermöglichen ihnen erstaunliche Leistungen: Seetaucher können bis 75 Meter tief tauchen und dabei acht Minuten unter Wasser bleiben. Eine sehr dehnbare Speiseröhre hilft ihnen beim Verschlingen relativ großer Beutefische: Eistaucher können sogar Flundern und bis zu 45 Zentimeter lange Forellen herunterschlucken. Bei den hiesigen Fischern hält sich deshalb ihre Beliebtheit in Grenzen - aber sie sind ja nur vorübergehend und in sehr geringer Zahl im Fünfseenland anzutreffen.

Seetaucher brüten im Sommer in arktischen und subarktischen Zonen von Alaska bis Ostsibirien, wobei die Stern- und Prachttaucher südwärts bis Irland, Schottland und Südschweden verbreitet sind. Ihre Winterquartiere liegen gewöhnlich an der Nord- und Ostsee sowie am nördlichen Mittelmeer, nur ausnahmsweise lassen sich die Vögel an den großen mitteleuropäischen Seen länger nieder. Der besonders klare und tiefe Starnberger See, der auch im Hochwinter meist eisfrei bleibt, gehört dazu: Alljährlich lassen sich dort "bis zu 40 Prachttaucher, einige Sterntaucher und einzelne Eistaucher" beobachten, wie Jürgen Klenk vom LBV mitteilt. Heuer wurden bereits Mitte Dezember vom Seeshaupter Campingplatz aus bereits mehr als 20 Prachttaucher gesichtet.

Wer sich ein Bild über die gesamte Artenvielfalt auf dem Starnberger See machen will, kann sich auch in der kommenden Woche einer ornithologischen Exkursion anschließen. Am 2. Februar, dem internationalen Ramsar-Tag, führt Gebietsbetreuerin Andrea Gehrold von der Roseninsel zur Wasserrettungsstation Feldafing. Treffpunkt ist um zehn Uhr am Fähranleger im Lenné-Park. Außerdem veranstalten Wasserwacht, der Landesbund für Vogelschutz und Bund Naturschutz am Freitag, 1. Februar, 19 Uhr, im Bürgersaal Feldafing einen Vortragsabend zum Thema "Der Starnberger See - Einblicke in seine Natur und Geschichte".