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Seefeld:Mit Gutachten gegen Klinik-Neubau

Laut Bund Naturschutz scheidet der Standort in Hechendorf aus, weil dadurch eine geschützte Mähwiese zerstört würde.

Von Patrizia Steipe

Bei über der Hälfte der Flächen, die in Hechendorf für einen Klinikneubau vorgesehen sind, handelt es sich laut Bund Naturschutz (BN) um ein geschütztes Biotop. "Das Ergebnis hat uns selbst überrascht", sagt der BN-Kreisvorsitzende Günter Schorn. Im Auftrag der Naturschützer hatte der Herrschinger Biologe Burkhard Quinger Ende Mai die beiden vorderen Wiesen genau unter die Lupe genommen. Bei der Kartierung wurden drei jeweils 30 Quadratmeter große Probeflächen dieser naturbelassenen Wiesen überprüft, die im Fachjargon als "extensives Grünland" bezeichnet werden.

Hechendorf: Bund Naturschutz: Anti Klinikbau

Naturschützer und Mitglieder der Bürgerinitiative Eichenallee demonstrieren gegen den ausersehenen Standort des Klinikneubaus.

(Foto: Nila Thiel)

"Auf den ersten Blick sieht die Wiese unscheinbar aus", so Schorn, der nun den vorläufigen Befund vorstellte, doch bei genauer Betrachtung entdeckte Quinger eine Vielzahl an Wildkräutern. Dazu gehören das Breitblättrige Knabenkraut, die Wiesenglockenblume, der Große Wiesenknopf oder die Wilde Möhre. Die Bezeichnung dieses FFH-Lebensraumtyps (Flora-Fauna-Habitat) lautet "Artenreiche Flachland-Mähwiese".

"Dieser Lebensraumtyp ist seit dem Volksbegehren 'Rettet die Bienen' geschützt", erklärte Schorn. Dazu habe es im März 2020 eine Novelle des Bayerischen Naturschutzgesetzes gegeben. Solche Mähwiesen seien sogar mit Biotopen gleichgestellt. Damit steht für den BN, die Bürgerinitiative Eichenallee und die Seefelder Grünen fest, dass die Flächen an der Lindenallee östlich des Hechendorfer Friedhofs für eine Bebauung nicht in Frage kommen. Falls die neuen Erkenntnisse keine Berücksichtigung finden, werde der BN den Klageweg nicht scheuen, versicherte Schorn. Er vermutet, dass die besondere Wiese bisher bei der Klinikplanung übersehen wurde. "Die Abwägung der verschiedenen Klinikstandorte im informellen Fachbehördengespräch stellt sich damit als grob fehlerhaft heraus", sagte Schorn und betonte dabei, dass der BN zu den Gesprächen nicht eingeladen worden sei. "Es wird Zeit, das neue Artenschutzrecht auch auf kommunaler Ebene hier in Seefeld umzusetzen", forderte Constanze Gentz, Vorsitzende der Seefelder BN-Ortsgruppe.

Den Demonstranten zufolge wächst auf der Wiese unter anderem das Breitblättrige Knabenkraut.

(Foto: Bund Naturschutz)

Bei dem Ortstermin an der Wiese hörte man Grillen zirpen, Hummeln und Schmetterlinge flogen von Blüte zu Blüte. Und als wäre er extra bestellt worden, zog auch noch ein Roter Milan über das Areal. "Es ist wunderbar, ein Traum", schwärmte BN-Mitglied Linda Rüger. "Wir brauchen unsere Landschaft zur Erholung und zum Durchatmen. Das ist unsere Lebensgrundlage".

Ortwin Gentz (Grüne/BI) hofft, dass die neuen Erkenntnisse über die Wiese noch rechtzeitig für das Ratsbegehren bei den Bürgern ankommen. "Die Uhr läuft", sagte der Gemeinderat, denn die Wahlunterlagen seien bereits an die Haushalte geschickt worden und sollen bis zum 27. Juni retour gesandt werden.

Das Rats- und das Bürgerbegehren zum Klinikneubau spalten offenbar die Bevölkerung. "Wir werden mit unfairen Mitteln verunglimpft", bedauerte Ildiko Gaal-Baier vom Bund Naturschutz. Die Plakate gegen die Krankenhauspläne seien verschmiert und abgerissen, Gegenplakate an ihren privaten Gartenzaun geklebt worden. Die Bürgerinitiative habe bereits Anzeige wegen Sachbeschädigung gestellt.

© SZ vom 09.06.2021
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