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Rodung in Gauting:Tatsachen geschaffen

Der Wald ist weg: Nur noch Reste von Bäumen und Sträuchern liegen auf dem ehemaligen AOA-Gelände in Gauting.

(Foto: Arlet Ulfers)

Während über Größe und Gestaltung des neuen Wohngebiets zwischen Ammerseestraße und Pötschener Straße noch gerungen wird, wird das Wäldchen auf dem Areal schon gerodet. Bis die Menschen kommen, leben dort Dachse.

Von Michael Berzl

Der Forstmulcher hat ganze Arbeit geleistet. Nur ein paar Tage haben Gartenbauer aus Moosach mit ihrer 400 PS starken Maschine gebraucht, um ein Wäldchen an der Pötschener Straße in Gauting zu Kleinholz zu verarbeiten; und zwar in Sinne des Wortes. Seit Mittwochvormittag sind von Gebüsch sowie kleinen Eschen und Birken nur noch Fetzen übrig. Auf der Fläche soll einmal ein neues Wohngebiet entstehen; wie genau es aussehen soll, ist aber noch umstritten. Die ersten Vorbereitungen für bevorstehende Bauarbeiten sind damit schon erledigt, während Kommunalpolitiker, Grundeigentümer und Planer noch um Ausmaße, Anordnung und viele Details der Gestaltung des insgesamt 3,4 Hektar großen Areals zwischen Ammerseestraße und Pötschener Straße ringen. Es gibt einen alten Bebauungsplan, der auch noch gültig ist, der aber Vorgaben enthält, die eigentlich niemand mehr umsetzen will. Genehmigt ist noch nichts.

Die Fläche mit dem gerodeten Wäldchen gehört dem Katholischen Siedlungswerk in München, einer von insgesamt vier Grundeigentümern, die bei der Entwicklung des neuen Quartiers mit Platz für mehrere hundert Bewohner involviert sind. Weitere Grundstücke gehören der Gemeinde, dem Verband Wohnen und einer Erbengemeinschaft aus der Nürnberger Unternehmerfamilie Diehl.

Der Weg zu neuem Baurecht dürfte noch lang sein. Ende November hatten Gemeinderäte und Fachleute in einer Klausurtagung hinter verschlossenen Türen darüber beraten, wie es nun weitergehen soll, nachdem sich ein Bündnis aus Grünen, CSU und UBG darauf geeinigt hatte, dort eine "sozialökologische Mustersiedlung" mit einem besonderen Mobilitätskonzept und einem Quartiersmanagement umsetzen zu wollen. Dazu gehören Angebote wie Carsharing, Bauen in einem Genossenschaftsmodell und ein niedriger Stellplatzschlüssel, so dass weniger Parkplätze angelegt werden müssen, als sonst für die vorgesehene Menge an Wohnfläche vorgeschrieben wäre. Die bisherigen Entwürfe des Münchner Planungsbüros von Hans-Peter Hebensperger-Hüther müssten noch entsprechend angepasst werden.

"Bauen werden wir auf alle Fälle", sagte Stefan Geißler, der Geschäftsführer des Siedlungswerks zu der frühzeitigen Rodung. Der "Wildwuchs" auf der Fläche habe daher ohnehin beseitigt werden müssen. Für derlei Arbeiten gibt es jedoch zeitliche Beschränkungen. Die Rodung müsse bis Februar erfolgen, heißt es in einem Gutachten. Das Planungsbüro für angewandten Naturschutz aus München kommt in seiner artenschutzrechtlichen Bewertung zu dem Ergebnis, dass "weder artenschutzrechtlich relevante noch streng geschützte Arten von der Rodung des Gehölzes betroffen sind". Tiere wie Haselmaus oder Zauneidechse konnten in dem Gebiet nicht nachgewiesen werden.

Eine Wohnung gibt es indes schon auf dem Grundstück zwischen Ammerseestraße und Pötschener Straße. In einen Hügel direkt an der Umzäunung des früheren AOA-Firmengeländes haben Dachse ihren Bau gegraben. Deutlich sichtbar sind die Ein- und Ausgänge mit einem Durchmesser von etwa einem halben Meter zu sehen. Irgendwann werden aber auch die Mardertiere ihre Wohnung räumen müssen.

© SZ vom 10.12.2020
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