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AOA-Gelände in Gauting:Eigentümer weigern sich, kleiner zu bauen

Im Norden des Grundstücks an der Ammerseestraße stehen noch ehemalige Firmengebäude, im Süden wuchert auf großen Teilen das Gebüsch.

(Foto: Google Earth)

Einer Mehrheit im Gemeinderat hält die Pläne mit neuen Wohnungen für 500 Menschen für zu groß. Die Gemeinde dagegen warnt vor Änderungen.

Von Michael Berzl

"Ungeduldig" sei er, sagt der Stadtplaner Hans-Peter Hebensperger-Hüther zum Ende einer fast vierstündigen Diskussion im Gautinger Gemeinderat. Und damit dürfte sein wahrer Gemütszustand noch milde umschrieben sein, denn der Architekt muss gerade zusehen, wie sein Konzept für ein neues Wohngebiet, an dem er seit Jahren arbeitet, in Gefahr gerät. Wie ein Konstrukt mit Vereinbarungen mit mehreren Grundstückseigentümern, mit Flächenumlegungen, mit Rücksichtnahmen auf Nachbarn ins Wanken gerät.

Ein fraktionsübergreifendes Bündnis, das über eine Stimmenmehrheit im Gemeinderat verfügt, fordert in einem gemeinsamen Antrag, die Pläne für das neue Wohnquartier auf dem Areal zwischen Ammerseestraße und Pötschenerstraße abzuspecken und auf einen bislang vorgesehenen Supermarkt dort zu verzichten. "Ich habe immer das Gefühl, Sie wollen das Projekt grundsätzlich nicht", sagte Architekt Hebensperger-Hüther und forderte die Gemeinderäte auf: "Springen Sie über Ihren Schatten!" Eine Entscheidung über die Änderungswünsche ist am Dienstagabend noch nicht gefallen; in zwei Wochen wird die Debatte fortgesetzt.

Es geht um die Zukunft einer etwa drei Hektar großen Fläche im Südwesten von Gauting. Der größte Teil davon ist unbebaut; Gras und Gebüsch wachsen dort. An der Ammerseestraße stehen noch die Betriebsgebäude der früheren Firma AOA-Apparatebau. Der Grund dort gehört einer Erbengemeinschaft der Familie Diehl, die freien Flächen der Gemeinde, dem Katholischen Siedlungswerk und dem Verband Wohnen. Für die Bebauung gibt es ein Konzept des Münchner Büros H2R des Architekturprofessors Hebensperger-Hüther.

Demnach sollen Mehrfamilienhäuser mit bis zu fünf Etagen entstehen, eine kleine Siedlung mit 25 Atriumhäusern und ein Supermarkt mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche. In der Mitte des Neubaugebiets ist eine große Grünfläche vorgesehen. Ein Teil der Wohnungen soll öffentlich gefördert werden, so dass sie günstiger als üblich vermietet werden könnten.

Wie viele Menschen dort wohnen könnten, ist noch nicht ganz klar. Der Planer kommt in einer Berechnung auf knapp 500 Bewohner, der SPD-Fraktionssprecher Eberhard Brucker hingegen meint, es könnten bis zu 800 sein. "Es muss kleiner sein, wenn wir Gautinger Verhältnisse berücksichtigen", findet er. Wie Alexandra Heckl vom Sozialamt in der Sitzung mitteilte, sind im Rathaus 129 Wohnungssuchende gemeldet. Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) betonte: "Wir haben wirklich viele Menschen aus Gauting, die etwas suchen." Heinrich Moser von den Grünen bezeichnete den zu erwartenden Verkehr als "einen der zentralen Schmerzpunkte".

Der Antrag, den SPD, FDP, Grüne sowie die Gruppierungen "Menschen für Gauting-Piratenpartei" und "Miteinander-Füreinander 82131" unterstützen, sieht vor, den vorliegenden Entwurf in vielen Punkten abzuspecken. So soll etwa die Gesamtfläche in den Häusern von Siedlungswerk und Verband wohnen auf 11 600 Quadratmeter begrenzt werden. Bisher sind es nach Angaben des Planers 14 799. Im Bereich der Gemeinde sollen 2500 Quadratmeter, auf dem AOA-Gelände 1200 Quadratmeter gestrichen werden. Auch der vorgesehene Supermarkt soll entfallen. Stattdessen soll es lediglich "kleinteilige Einzelhandelsflächen zur Quartierversorgung" geben.

Für die Eigentümer der Apparatebau-Flächen kommt das jedoch nicht in Frage. "Wir sehen uns nicht in der Lage, eine grundlegende Änderung des Planungskonzepts mitzutragen. Wir fangen dann wieder bei Null an", erkärte Diehl-Architekt Roland Blauhöfer aus Nürnberg in der Sitzung. Derzeit liege eine Planung vor, die für alle Grundeigentümer eine brauchbare Lösung darstelle.

Bürgermeisterin Kössinger hatte in der Sitzung eine Phalanx von Fachleuten aufgeboten, die sämtlich die bisherige Planung verteidigten und vor den Folgen der beantragten Änderungen warnten. So erklärten die Geschäftsführer von Verband Wohnen und Katholischem Siedlungswerk, Michael Vossen und Stefan Geissler, sie hielten die Änderungen städtebaulich nicht für sinnvoll und für eine deutlich schlechtere Lösung. Wirtschaftsgeograf Ralf Popien erklärte: "Das Konzept Tante Emma ist tot. Kleinteiliger Einzelhandel wird an dieser Fläche nicht funktionieren." Potenzial sei für einen weiteren Supermarkt vorhanden; der Verkehr werde durch die wohnortnahe Versorgung verringert. Sein Appell: "Ich rate Ihnen, diese Chance zu nutzen."

© SZ vom 08.10.2020
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