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Landkreis Starnberg:Hilferuf der Flüchtlingsbetreuer

Andrea Betz leitet seit 2015 die Migrationsabteilung der Inneren Mission. 2019 hat sie ein weiteres Amt übernommen: Als Sprecherin der Münchner Wohlfahrtsverbände vertritt sie die sechs großen sozialen Institutionen.

(Foto: Innere Mission)

Immer wieder stehen Unterkünfte unter Quarantäne, die Beratung wird während der Pandemie wichtiger. Ausgerechnet jetzt muss die Innere Mission um die Finanzierung bangen.

Von Christian Deussing, Starnberg

Weil sich im kommenden Jahr die Zuschüsse der Evangelischen Landeskirche Bayern um insgesamt 56 Prozent verringern und die staatliche Förderung diese finanzielle Lücke bisher nicht ausgleicht, ist die Arbeit in der Asylsozialberatung der Inneren Mission (Diakonie) gefährdet. Das befürchtet zumindest Andrea Betz, Abteilungsleiterin der Inneren Mission. Der Wohlfahrtsverband kümmert sich seit fast zwei Jahren mit sieben hauptamtlichen Mitarbeitern um 1220 Flüchtlinge in 14 Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis Starnberg. Daher hoffe man, dass der Kreisausschuss am 12. November einen Zuschussantrag der Inneren Mission bewilligt, damit die so wichtige soziale Unterstützung und Integration der Geflüchteten weiterhin gesichert sei, sagt Betz. Und sie mahnt: "Eine Verschlechterung des Personalschlüssels wäre für die Menschen, die gerade jetzt in der Coronazeit unsere Hilfe brauchen, tragisch."

Bisher sei die Tätigkeit der Inneren Mission in Asylunterkünften mit bis zu 75 Prozent der Personalkosten durch Mittel des Freistaats im Rahmen der Bayerischen Integrationsrichtlinie (BIR) gefördert worden, sagt Betz. Der Landkreis beteilige sich bisher an den "Sachkosten", zum Beispiel für IT-Ausstattung und Fahrkosten. "Dafür sind wir auch dankbar", betont sie.

Nun aber habe sich die Lage durch die Pandemie verschärft, denn inzwischen stehen wieder einige Asylunterkünfte im Landkreis wegen Corona-Fällen unter Quarantäne. Die stressige Situation, auf engstem Raum leben zu müssen und die Unterkunft nicht verlassen zu dürfen, belaste die Geflüchteten extrem, sagt Mehmet Pekince. Er ist Flüchtlings- und Integrationsberater der Inneren Mission und zuständig für fast 300 Flüchtlinge in zwei Gemeinschaftsunterkünften in Gauting und einer Unterkunft in Pöcking. Diese Menschen seien "gerade jetzt auf Hilfe und Unterstützung angewiesen". Der 46-jährige Politologe ist einer der sieben hauptamtlichen Mitarbeitern der Inneren Mission in der Asylsozialberatung im Landkreis.

Seine Arbeit habe sich seit Ausbruch der Pandemie vervielfacht, berichtet Pekince. Die Flüchtlinge seien zusätzlich verunsichert, viele erhielten Kündigungen von Arbeitgebern. "Wir versuchen, die Ängste der Bewohner in den Unterkünften abzubauen." Und auch ohne persönliche Kontakte müsse die Betreuung reibungslos weiterlaufen. Es seien zum Beispiel Schulen, Kitas und Arbeitsstellen darüber zu informieren, wer sich in Quarantäne befindet. Zudem seien Termine abzusagen oder müssten verschoben werden, sagt Pekince.

Die Asylsozialberater erklären Flüchtlingen die Corona-Auflagen und was sie in Unterkünften zu beachten haben. Zudem helfe die Innere Mission etwa bei der Suche nach Arbeit, beim Ausfüllen von Formularen, leite geforderte Dokumente an die Behörden weiter und halte Kontakt zu Sprachkurs-Trägern, Ärzten und Anwälten, erklärt Pekince.

© SZ vom 06.11.2020
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