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Silvester:Krailling will Feuerwerk auf drei großen Wiesen verbieten

Konstanzer Seenachtfest

Sieht schön aus, setzt aber jede Menge Feinstaub frei: Die meisten Kraillinger Gemeinderäte halten Feuerwerk an Silvester nicht mehr für zeitgemäß.

(Foto: dpa)

Feinstaub, Müll, Tierschutz und jetzt Corona: Die Liste der Argumente gegen Böllerei wird dem Gemeinderat zu lang. Der Bürgermeister stimmt zu - bleibt aber skeptisch.

Von Carolin Fries

Am Himmel nur die Sterne und der Mond, umrahmt von winterlicher Stille: Wenn es nach den Grünen und der Freien Bürgergemeinschaft (FBK) in Krailling ginge, dann würde die Gemeinde schon seit Jahren ohne Böller Silvester feiern. Zu mehr als einem Appell im Gemeindeblatt, die Bürger sollten doch freiwillig auf Feuerwerk und Knallerei verzichten, hat sich der Gemeinderat bislang aber nicht hinreißen lassen. Anders im Coronajahr, das Krailling "böllerfrei" beenden will. Auf drei großen Freiflächen soll das Zünden von Feuerwerkskörpern sogar verboten werden.

Damit schließt sich die Gemeinde dem Aufruf der deutschen Umwelthilfe an, die sich "große Sorgen um die Folgen der Silvesterböllerei" macht. So würden in Deutschland jährlich an Silvester innerhalb weniger Stunden bis zu 5000 Tonnen an Feinstaub durch Feuerwerkskörper freigesetzt. "Wenn wir uns die verheerenden Covid-19-Zahlen ansehen, muss klar sein, dass wir unsere Atemwege nicht mit zusätzlichem Feinstaub belasten dürfen", heißt es in dem Appell. Zudem gelte es, Ärzte und Kliniken, die coronabedingt ohnehin schon "am Anschlag arbeiten", wie Mathias Walterspiel (CSU) sagte, nicht auch noch mit Verletzen durch Unfälle in der Silversternacht zu belasten. Hinzu kämen unnötige Belastungen für Wildtiere und haufenweise Müll, wie Dietlind Freyer-Zacherl (FBK) sagte. "Die Liste der Argumente wird immer länger." Andrea Schulte-Krauss (Grüne) fasste zusammen: "Ein Feuerwerk ist nicht mehr zeitgemäß."

Sie schlug vor, deshalb die drei großen Wiesen in Krailling, die traditionell in der Silvesternacht für das Schießen von Leuchtkörpern aller Art genutzt werden, zu sperren: Sanatoriumswiese, Osthang und die Wiese am Ende des Sperberweges. Allein auf der Sanatoriumswiese habe Silvia Roelcke vom örtlichen Bund Naturschutz heuer an Neujahr drei große Säcke voller Müll gesammelt. Ob solche Verbotszonen, wie sie die Umwelthilfe empfiehlt, rechtlich tragbar sind, will die Gemeinde nun prüfen. Die Polizei in Planegg soll zudem gefragt werden, ob sie die Einhaltung dann in der Silvesternacht überprüft.

Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux (FDP) stimmte den Verboten anders als seine Fraktion zwar zu, gestand aber, dass sich die Vorstellung einer stillen Silvesternacht für ihn noch befremdlich anfühlt: "Wenn Mitternacht dann alle rausgehen und da ist dann nichts, das ist schon komisch."

© SZ vom 26.11.2020
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