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Klimaforschung im Landkreis Starnberg:Von Weßling aus ins All

Aiwanger bei den Satellitenbauern von OHB

OHB-Firmenchef Marco Fuchs (links) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger vor einem Modell des Erdbeobachtungs-Satelliten EnMap.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger besucht die Firma OHB, die Satelliten entwickelt und baut.

Von Carolin Fries

Zwischendrin mal kurz abheben, Abstand nehmen von der Welt - wer will das nicht? Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ist dafür am Montagnachmittag nach Weßling für einen Besuch der Satellitenbau-Firma OHB geflüchtet und macht daraus keinen Hehl: Nach den vielen negativen Meldungen der coronagebeutelten Branchen habe er die Woche mit positiven Nachrichten beginnen wollen. Die Raumfahrt nämlich sei eine wachsende Branche, die immer mehr an Bedeutung gewinne. Und zwar keinesfalls nur für elitäre Kreise, wie Aiwanger betont. "Der Nutzen für die Allgemeinheit wird hier sichtbar."

So entwickelt und baut OHB in Weßling unter anderem Satelliten, die Navigationssysteme mit Daten versorgen oder Wetterprognosen möglich machen. In Weßling, wo das Bremer Familienunternehmen seit 2015 einen Sitz mit etwa 530 Mitarbeitern hat, werden dafür überwiegend die wissenschaftlichen Arbeiten gemacht sowie die Optik, also Foto und Kameratechnik. In einem Teil des Gebäudes wird an Computern entworfen, berechnet und skizziert, im danebenliegenden Teil werden die Satelliten dann per Hand von Mitarbeitern im Schichtsystem in staubfreien Reinräumen zusammengebaut. Die Baustoffe hierfür werden aus ganz Europa angeliefert. Zu den Auftraggebern gehören die ESA, die Bundeswehr, die zwischenstaatliche Organisation Eumetsat oder die Europäische Kommission. Auch für das benachbarte Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeitet OHB, aktuell etwa an dem Satelliten "EnMap", der die Erdoberfläche per abbildender Spektroskopie charakterisieren und Veränderungen der Umwelt aufzeichnen soll. Der Start in den geostationären Orbit mit einer Ariane-Rakete vom Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana ist für kommendes Jahr geplant. Zwischen 250 und 300 Millionen Euro kostet der Satellit, der mit Maßen von etwa zweieinhalb auf dreieinhalb Metern und eineinhalb Metern Tiefe etwas kleiner und nur halb so schwer ist wie die dreieinhalb Tonnen schweren Wettersatelliten, deren dritte Generation aktuell in Weßling gefertigt wird. Durchschnittlich beträgt die Lebensdauer eines Satelliten nämlich nur 15 Jahre, dann ist meist der Treibstoff aus - und die hoch entwickelte Technik landet im Friedhofsorbit.

Laut OHB-Entwicklungschef Stefan Bedrich würden aber speziell die Erdbeobachtungs-Satelliten immer bedeutender, um etwa Klima- und Umweltveränderungen zu erforschen. Für das erweiterte europäische Copernikus-Programm ist OHB an der Entwicklung von zwei Satelliten beteiligt. Die CO2M-Mission etwa soll das von Menschen produzierte Kohlendioxid in der Atmosphäre messen und es ermöglichen, Regionen mit besonders hohen Emissionen zu identifizieren. Die dazu notwendigen Hauptinstrumente sind ein Nahinfrarot- und ein Kurzwelleninfrarot-Spektrometer. Die Nachfrage nach derlei Daten wächst beständig, weshalb die Firma OHB, die einen Jahresumsatz von etwa einer Milliarde Euro macht, den Standort in Weßling mittelfristig erweitern und zusätzliche Produktionshallen bauen will. "Es wohnen nicht nur reiche Leute in Starnberg, sondern auch gute Leute", so Firmenchef Marco Fuchs.

Hubert Aiwanger begutachtete bei einem Rundgang die Produktion von Wettersatelliten. Darüber hinaus interessierte er sich für Satelliten zur Erkennung und Abwehr von Meteoriten. Diese nämlich seien - Corona hin oder her - "die wohl größte Bedrohung für die Menschheit", wie Firmenchef Marco Fuchs bestätigte. Deshalb ist Aiwanger auch nicht besonders interessiert an einem echten Ausflug ins All, wie er sagte: "Dort ist es vielleicht gefährlicher als hier."

© SZ vom 08.07.2020
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