Feldafinger Rochade:Siemens zieht bei Kaiserin Elisabeth ein

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Feldafinger Rochade: Das Hotel Kaiserin Elisabeth wird für die nächsten Jahre zum Schulungszentrum: Eigentümerin Erika Borchard und Curt Rahn, Leiter des Global Leadership Centers von Siemens.

Das Hotel Kaiserin Elisabeth wird für die nächsten Jahre zum Schulungszentrum: Eigentümerin Erika Borchard und Curt Rahn, Leiter des Global Leadership Centers von Siemens.

(Foto: Nila Thiel)

Der Konzern nutzt die altehrwürdigen Räume als Zwischenlösung, weil sein Schulungszentrum durch einen Neubau ersetzt werden soll. Derweil plant das Hotel eine Erweiterung und will in vier Jahren wieder eröffnen.

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Die Gerüchteküche brodelt in Feldafing. Es ist von Verkauf die Rede und davon, dass eine 117 Jahre alte Tradition zu Ende geht. Denn so lange hat die Eigentümerfamilie das Haus geführt, in dem die österreichische Kaiserin Elisabeth regelmäßig abgestiegen ist, wenn sie ihre Familie auf Schloss Possenhofen besuchte. Das Hotel Kaiserin Elisabeth selbst ist mehr als 150 Jahre alt. Der älteste Gebäudeteil stammt aus dem Jahr 1854. "Es gibt kein Hotel mehr", räumt Eigentümerin Erika Borchard ein, zumindest für die nächsten vier Jahre nicht mehr. Aufgeben werde die Familie das Haus jedoch nicht. Im Gegenteil, es stehen umfassende Baumaßnahmen an. Und die Planungen bräuchten Zeit, zumal eine Generation laut Borchard fehlt, die das Hotel in dieser schwierigen Zeit leiten könnte. Zwar ist nach ihren Angaben die Nachfolge gesichert - nach dem Umbau soll das Hotel von Borchards Großnichte weitergeführt werden - dennoch hätte der Betrieb während Planung und Umbau nicht weiterlaufen können. Daher ist sie froh über die Zwischenlösung mit Siemens.

Feldafinger Rochade: Gute Ruh: Auch die Zimmer des Hotels sind geschichtsträchtige Plätze.

Gute Ruh: Auch die Zimmer des Hotels sind geschichtsträchtige Plätze.

(Foto: Nila Thiel)

Vor der Sisi-Suite steht eine Reisetruhe aus dem Besitz der österreichischen Kaiserin. Vielleicht hat sie auch schon in dem Messingbett geschlafen. Schließlich sind die Zimmer mit Originalmöbeln aus dieser Zeit eingerichtet. Auch die Gemälde an den Wänden stammen aus dieser Epoche. Sogar ein Foto im Silberrahmen von Ludwig II., dem Cousin der Kaiserin, fehlt nicht. Wenngleich das Hotel den Charme der Donaumonarchie ausstrahlt, ist nicht zu übersehen, dass der denkmalgeschützte Altbau renovierungsbedürftig ist. Dennoch: Die Stammgäste lieben das Hotel, und Borchard muss sich derzeit regelmäßig ihre Klagen anhören. "Wo sollen wir denn hin?", sei sie von Gästen aus der Schweiz gefragt worden, die schon seit 20 Jahren hier Urlaub machen. Das sei nicht angenehm. Früher sei Feldafing Luftkurort gewesen, erklärt Borchard. Doch die schöne Natur mit den Freizeitmöglichkeiten und die echten Antiquitäten auf den Zimmern reichten heutzutage nicht mehr aus, um ein Vier-Sterne Hotel zu betreiben.

Feldafinger Rochade: Wer eine der Zimmertüren im Hotel Kaiserin Elisabeth öffnen will, hantiert nicht mit Plasikkarten oder zieht Magnetstreifen durch den Schlitz, sondern greift nach wie vor zum Schlüssel.

Wer eine der Zimmertüren im Hotel Kaiserin Elisabeth öffnen will, hantiert nicht mit Plasikkarten oder zieht Magnetstreifen durch den Schlitz, sondern greift nach wie vor zum Schlüssel.

(Foto: Nila Thiel)

Daher soll ein Neubau mit 20 zusätzlichen Zimmern und einem Wellnessbereich errichtet werden. Der Gastronomiebereich werde ebenfalls ausgebaut und die Terrasse mit der wunderschönen Aussicht über Golfplatz und See bis in die Alpen vergrößert. Für die Erweiterung mit Kosten in zweistelliger Millionenhöhe sind mehrere Gutachten sowie ein vorhabenbezogener Bebauungsplan notwendig. Das geht nicht von heute auf morgen.

Da das Siemens-Schulungszentrum in Feldafing abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll, beauftragte das Unternehmen einen Makler, der ein Ausweichquartier suchen sollte. Sieben Häuser standen nach Angaben von Curt Rahn, dem Leiter des Schulungszentrums, zur Wahl. Weil das Unternehmen schon seit 1956 mit dem Hotel zusammenarbeitet, habe man das Kaiserin Elisabeth favorisiert. Laut Rahn fanden vor dem Bau des Schulungszentrums in den 1970-er Jahren die Tagungen im Kaiserin Elisabeth statt. Später habe man die Siemens-Führungskräfte einquartiert, die im Schulungszentrum keinen Platz mehr fanden.

Feldafinger Rochade: Ruhmreiche Geschichte, echte Antiquitäten...

Ruhmreiche Geschichte, echte Antiquitäten...

(Foto: Nila Thiel)
Feldafinger Rochade: ...und ein Bild von König Ludwig II. reichen heutzutage nicht mehr aus, um ein Vier-Sterne-Hotel zu betreiben, sagt Eigentümerin Erika Borchard.

...und ein Bild von König Ludwig II. reichen heutzutage nicht mehr aus, um ein Vier-Sterne-Hotel zu betreiben, sagt Eigentümerin Erika Borchard.

(Foto: Nila Thiel)

Auf die Anfrage des Maklers habe man zunächst aber abgewunken, erinnert sich Borchard. "Der Gedanke war uns fremd." Aber man habe keine Wahl gehabt - und nun stehe man voll hinter der Entscheidung. Solange Siemens hier sein Ausweichquartier habe, könne man wenigstens kostendeckend arbeiten, schätzt die Hotelchefin. "Ich hoffe, dass wir nicht draufzahlen." Ein "großer Wermutstropfen" ist für Borchard allerdings, dass ihre 30 Mitarbeiter zum Jahresende gekündigt werden müssen. Die Abfindungsgespräche laufen und einige Mitarbeiter hätten sogar versprochen wiederzukommen.

"Man hat sich mit dem Herzen entschieden, hier zu bleiben, und jetzt besteht eine Partnerschaft in anderer Form", betont Rahn, der im Hotel nichts verändern will. Das ist der Hotelchefin wichtig. Sie deutet auf die großen Pflanzen, die in Töpfen auf der Terrasse stehen und fragt explizit nach, wer sie künftig pflegen wird. Die Überwinterung werde einem Fachmann überlassen, verspricht Rahn. Das Flair des Hotels bleibe erhalten. Lediglich die beiden Tagungsräume für 40 beziehungsweise 80 Personen will er mit modernem Equipment ausstatten. Zudem wird ein 1.80 Meter hoher Zaun um die gesamte Hotelanlage gebaut. Das sei aus Gründen der Cyber-Sicherheit notwendig, so Rahn.

Feldafinger Rochade: Das Flair des Hauses soll erhalten bleiben, allerdings kommt zuerst einmal ein hoher Zaun um die ganze Anlage: die Sisi-Suite im Hotel Kaiserin Elisabeth.

Das Flair des Hauses soll erhalten bleiben, allerdings kommt zuerst einmal ein hoher Zaun um die ganze Anlage: die Sisi-Suite im Hotel Kaiserin Elisabeth.

(Foto: Nila Thiel)

Borchard, die sich durchaus über die Partnerschaft mit Siemens freut, ist dennoch nicht ganz glücklich. Ihrer Meinung nach besteht ein hohes Risiko, dass sich Stammgäste und Mitarbeiter während der vierjährigen Pause umorientieren und der Ruf als Traditionshotel wieder komplett neu aufgebaut werden muss. Zumal mit dem Hotel auch das Bierstüberl zumacht. Dort finden die Veranstaltungen der Rotarier oder des Zonta-Clubs statt und es wird regelmäßig Bridge gespielt. "Die müssen sich etwas anderes suchen", meint Borchard etwas wehmütig. Sie weiß, dass das für ihre Gäste nicht leicht werden wird, da zur gleichen Zeit die Gaststätte im Strandbad wegen Renovierung geschlossen hat und der Makarska Grill abgerissen wird.

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