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Gymnasium in Herrsching:Standort-Gegner sammeln noch einmal Unterschriften

Zweifel am Schulstandort: Willi Welte (li.) und Gerhard Knülle.

(Foto: Arlet Ulfers)

Ein zweites Bürgerbegehren gegen den Bau am Mühlfeld startet. Gemeinderäte werfen den Initiatoren Unwahrheiten und Unterstellungen vor.

Die Argumente sind zwar weitgehend die gleichen wie im ersten Anlauf, doch diesmal gibt es eine 24-seitige Dokumentation dazu: Mitten in den Schulferien haben die Gegner des Standortes für ein Herrschinger Gymnasium am Mühlfeld, die "Bürger für Herrsching", den Startschuss zu einem weiteren Bürgerbegehren gegeben. Die neue Frage lautet: "Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Herrsching unverzüglich einen Bebauungsplan für das Areal an der Seefelder Straße unter besonderer Berücksichtigung der Errichtung des Gymnasiums aufstellt und das laufende Bebauungsplanverfahren für das Grundstück am Mühlfeld aufgehoben wird?" Ziel der Initiatoren ist, etwa 750 Unterschriften - neun Prozent der wahlberechtigten Herrschinger - für ein Bürgerbegehren zusammenzubekommen, nachdem der Gemeinderat das erste zu Jahresbeginn als unzulässig abgelehnt hatte.

Die Debatte um die Standortfrage in der Ammersee-Gemeinde geht damit in eine neue Runde und dürfte wohl auch den anstehenden Kommunalwahlkampf befeuern. Gerhard Knülle, zusammen mit den CSU-Gemeinderäten Klaus Pittrich und Willi Welte sowie Günter Rümmelein treibende Kraft der "Bürger für Herrsching", kündigte jedenfalls an: "Das wird nicht die letzte Aktion gewesen sein." In der "sehr lebendig aufgemachten Broschüre" (Knülle) hat der 81-Jährige unter anderem Presseberichte der vergangenen fünf Jahre ausgewertet und dabei nach eigenen Worten Widersprüche entdeckt. Im Fokus stehen vor allem der Standort des neuen Gymnasiums und die Kosten.

Die Initiatoren des Begehrens möchten die Schule lieber auf einem Areal nahe der Seefelder Straße statt auf dem bislang festgelegten Standort am Mühlfeld bauen lassen. Herrschings Bürger bekämen eine weitere Chance, die bisherigen Entscheidungen des Gemeinderats für das "Millionengrab im Mühlfeld" zu stoppen und den kostengünstigeren Standort zwischen Seefelder Straße und Mitterweg durchzusetzen. Ihnen bliebe nur noch die Chance, "diesen finanziellen Wahnsinn durch ein weiteres Bürgerbegehren zu stoppen", heißt es in dem Anschreiben.

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Im Hinblick auf die Kosten würden die Bürger laut Knülle ohnehin "für dumm verkauft": Der ursprünglich mit 35 Millionen Euro kalkulierte Schulbau werde mittlerweile nicht 70, sondern "sicher deutlich über 80 Millionen Euro" kosten. Schwere Vorwürfe erhebt Knülle auch gegen Landrat Karl Roth (CSU): "Der Landrat hat gelogen", sagt Knülle, als der im Dezember 2014 im Herrschinger Gemeinderat erklärte: Wenn das Gremium nicht zustimme, gäbe es kein Gymnasium. Laut Knülle habe es jedoch seitens des Kultusministeriums dazu nie eine Festsetzung gegeben.

Die jüngste Aktion der Standortgegner hat auch Widerspruch provoziert. SPD-Gemeinderat Uli Sigl etwa attestiert den Initiatoren angesichts der, wie er findet, vielen Unterstellungen in der Broschüre einen schlechten Stil, "der möglicherweise bewusst zum Kalkül der Herren Knülle oder Rümmelein zählt". Und auch der Zweite Bürgermeister Hans-Jürgen Böckelmann (Grüne), der den derzeit im Urlaub weilenden Rathauschef Christian Schiller vertritt, spricht von "einem Haufen Argumenten, die so einfach nicht stimmen". Insbesondere die Behauptung, Grundstückseigentümer an Seefelder Straße und Mitterweg würden ihre Grundstücke für 70 Euro pro Quadratmeter hergeben, sei schlicht falsch: "Von allen Eigentümern, die auf Anfrage der Gemeinde reagierten, kam die Antwort, dass sie nicht für 70 Euro pro Quadratmeter ohne Zusatzgeschichten verkaufen", sagt Böckelmann, "andere wollten gar nicht verkaufen."

Ob das zweite Bürgerbegehren zulässig ist, steht dahin. Wegen der Ablehnung des ersten Begehrens hatten die Initiatoren im April Klage eingereicht, ein Urteil steht noch aus. Auf Landkreisebene dagegen ist die Entscheidung für ein Gymnasium am Mühlfeld längst gefallen: Seit Ende Juli kalkuliert der Kreistag mit 70 Millionen Euro Kosten. Und auch der Verkehrsfrage hat man sich angenommen: Am Montag, 9. September, soll die Freigabe des neuen Kreisverkehrs an den Staatsstraßen St 2067/2068 erfolgen.