Dießen Das Ammersee-Gymnasium hat einen Blechschaden

Eingerüstet und mit Bauzäunen sowie Notausgängen versehen: Am Dießener Ammersee-Gymnasium werden in den kommenden Monaten die unansehnlichen Blenden vor den Balkonen ausgetauscht. Sie hatten wegen des Rechtsstreits um die Baumängel ein Jahrzehnt lang vor sich hin gegammelt.

(Foto: Nila Thiel)

Bei der Eröffnung 2006 war es noch "das schönste Gymnasium Bayerns", jetzt muss die Fassade für 2,3 Millionen Euro repariert werden.

Von Armin Greune

Was lange währt, wird endlich schön: Das hoffen Schüler und Lehrer des Ammersee-Gymnasiums in Dießen für die Sanierungsarbeiten am Schulgebäude. Bereits kurz nach Einweihung des ehemaligen Vorzeigeobjekts hatten sich Schäden an der Fassade gezeigt: Von den Stahlelementen vor den sogenannten Flucht- und Wartungsbalkonen blätterte die Farbe ab. Der Rechtsstreit mit der Baufirma um die Beseitigung der Mängel zog sich über sechs Jahre hin. Inzwischen hat der Austausch der Stahlbleche begonnen; nach einer Winterpause sollen die Arbeiten in dieser oder der nächsten Wochen wieder aufgenommen werden. Spätestens nach den Pfingstferien soll die Schule in neuem Glanz erstrahlen.

Am Montagabend lag im Bauausschuss des Dießener Gemeinderats ein Antrag des Landkreises Landsberg vor mit dem Wunsch "um bevorzugte Behandlung wegen der Eilbedürftigkeit der Maßnahme", wie es in den Sitzungsunterlagen hieß. Offensichtlich handelte es sich um eine reine Formalität: Weil das Gymnasium als Sonderbau gilt, musste aber eine Genehmigung der Kommune eingeholt werden. Was der Ausschuss selbstverständlich ohne Debatte einstimmig tat. Nur Erich Schöpflin fragte nach, warum an der gerade erst zwölf Jahre alten Schule schon Sanierungsbedarf entstanden war.

Von der spektakulären Architektur ist derzeit wenig zu spüren. 2005 nannte Minister Thomas Goppel die Schule "das schönste Gymnasium Bayerns".

(Foto: Nila Thiel)

Sie war ja seinerzeit wegen der Lage in unmittelbarer Nähe des Ammersees und wegen der spektakulären Architektur bundesweit als Luxus-Gymnasium bekannt geworden. Bei einer Bruttogeschossfläche von 11 500 Quadratmetern beliefen sich die Baukosten auf 21,6 Millionen Euro. Dass die nun anstehenden Reparaturen keine Bagatelle sind, beweist die Kostenschätzung, die mit 2,26 Millionen Euro mehr als zehn Prozent der ursprünglichen Bausumme beträgt. Nach der Ausschreibung musste der Landkreis Landsberg also noch einmal etwas drauflegen: Im vergangenen Juni war man noch von 2,06 Millionen Euro ausgegangen.

Im Jahr 2012, als der Bauherr Klage wegen der "mangelhaft ausgeführte Beschichtungsarbeiten der Stahlkonstruktion" erhoben hatte, wurde der Schaden lediglich auf 670 000 Euro geschätzt. Wegen der offenen juristischen Auseinandersetzung durften die Metallverkleidungen jahrelang nicht mehr gereinigt werden. Außer der abblätternden Farbe trugen also noch Schmutz und Algenbewuchs zum unerfreulichen Anblick bei. Der Prozess zog sich durch zwei Instanzen; im vergangenem Jahr stellte das Gericht einen Vergleich in Aussicht, den die beiden Streitparteien annahmen. Über die Konditionen dieser Einigung bewahre man weiter Stillschweigen, sagte Landratsamtssprecher Wolfgang Müller auf Nachfrage. Die Behörde rechne nun damit, dass die Sanierungsarbeiten bis Ende Mai oder Anfang Juni abgeschlossen sind.