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Gastronomie in Andechs:Vom Dirndl zur Sahneschnitte

Um die Inneneinrichtung hat sich die Chefin selbst gekümmert: Anneliese Hemberger (rechts) zusammen mit ihrem Sohn Eugen und Mitarbeiterin Katharina Spiel in ihrem neuen Frühstückscafé.

(Foto: Arlet Ulfers)

Anneliese Hemberger, die einst einen Trachtenladen in ihrem Hotel zur Post geführt hat, erfüllt sich einen Traum. An diesem Samstag eröffnet sie zusammen mit ihrem Sohn Eugen Maximilian ihr neues Frühstückscafé. Geplant ist auch noch ein Restaurant.

Der Saal wirkt luftig und hell, ein großer Spiegel an der Wand verstärkt diesen Eindruck noch, der Boden aus Eichendielen ist frisch geölt, ein Duft von Holz liegt in der Luft. Die verschieden großen Holztische sind mit Leinen-Tischtüchern oder Läufern gedeckt, unterschiedliche Stühle aus Holz oder Korbgeflecht lockern das Ambiente auf. Alles ist bereit für die offizielle Eröffnung des neuen Frühstückscafés im Hotel Garni zur Post in Andechs, Starnberger Straße 2, an diesem Samstag.

Schon seit zehn Jahren hat Anneliese Hemberger mit einem kleinen Frühstückscafé geliebäugelt. Als Nebenprojekt zu ihrem Trachtenmodenladen und zum Hotel. Doch irgendwie hat es nie so richtig geklappt, denn drei Aufgaben wären zu viel gewesen, sagt sie. Bis jetzt. Im April 2019 begann sie mit dem Umbau. Als ihr Sohn Eugen Maximilian, 29, gelernter Koch, sich entschied, mit einzusteigen, war für Anneliese Hemberger klar, dass alles auf die große Lösung zusteuert, später also auf ein Restaurant. Man betritt "Hembergers Frühstückscafé" durch die Tür ihres früheren Trachtenmodegeschäfts. Dort befindet sich die Cafébar, nach rechts geht es in den großen Saal, in dem ein Antiquitätenladen war. Der Umbau war auch möglich weil die Tochter mittlerweile den Trachtenladen in Herrsching etabliert hat.

Aber bitte mit Sahne: Torten und Kuchen backt Anneliese Hemberger allesamt selber.

(Foto: Arlet Ulfers)

Nun ist alles fertig, Erling ist um eine Einkehr reicher. An diesem Samstag ist offizielle Eröffnung. Zum Soft-Opening für die Erlinger Freunde und Nachbarn am vergangenen Samstag sind sehr viele gekommen, "das hat mich richtig gefreut", sagt Wirtin Hemberger. Damit sich die Gäste wohlfühlen und gern kommen, braucht es Zweierlei: richtig gutes Essen und ein gemütliches Ambiente. Für die Frühstückskarte ist der Sohn zuständig, um die Einrichtung hat sie sich selbst gekümmert. Und die Kuchen backt sie morgens selbst.

Das Angebot ist außergewöhnlich vielfältig. Eine besondere Idee: Wer will, kann sich den Kaffee am Tisch selbst aufbrühen, bekommt das frisch gemahlene Kaffeepulver, das heiße Wasser und den Porzellanfilter serviert. Selbstverständlich bekommt der Gast auch den bereits fertigen Kaffee immer aus eigens gerösteten Espressobohnen. Die Wahl fürs Frühstück ist nicht leicht. "Unser Frühstücksangebot ist nach Themen geordnet. Mein Sohn hat da so viele Ideen", sagt die Wirtin.

Mit viel Liebe zum Detail werden die Speisen präsentiert - selbst einfache Obstteller.

(Foto: Arlet Ulfers)

Da gibt es ein Rucki-Zucki-Frühstück mit Croissants und süßen Aufstrichen, Bauernfrühstück auf dem Holzbrett und Spiegeleier mit Speck, in der Pfanne serviert, Metzgerfrühstück mit verschiedenen Schinken und Wurstsorten, serviert auf einem Teller in Form eines Hackebeils, Fischerfrühstück mit Lachs, Gutsherrenfrühstück auf Drei-Etagen-Teller, Salatteller und vegetarische Fruchtschalen oder auch ein deftiges Weißwurstfrühstück.

Hemberger hat in besten Häusern gelernt. Er fing an bei Steigenberger in Bad Wörishofen, sammelte danach beim Grundwehrdienst der Bundeswehr im Offizierskasino Erfahrung und war zwei Jahre im Posthotel im österreichischen Achenkirch. Anschließend absolvierte er in der Hotelfachschule in Bad Reichenhall eine Ausbildung zum Hotel-Betriebswirt und war ein Jahr im Restaurant der Schwarzwaldstube von Drei-Sterne-Koch Harald Wohlfahrt. "Dann habe ich mich wieder der einfacheren Küche zugewandt, im Landgasthof Osterseen in Iffeldorf und im Gasthof Ludwig in Maising. Als ich merkte, wie ernst es meiner Mutter mit dem Café ist, haben wir uns zusammengesetzt, und ich beschloss, dass ich dabei bin. Parallel bauen wir den alten Pferdestall zur modernen Restaurantküche um. Das dauert alles, doch ich denke, dass ich in zwei Jahren das Restaurant eröffnen kann", sagt Hemberger Junior.

Das Café hat Anneliese Hemberger ganz allein gestaltet. "Eigentlich wollte ich ja Innenarchitektin werden. Das Einrichten ist mein Steckenpferd, ich habe mir alles lange und genau überlegt", sagt sie. Begonnen hat sie mit den Lampen: Die Schirme aus Holz wurden nach dem Vorbild in einer 300 Jahre alten Bauernstube in Italien auf Maß angefertigt. Die modernen Möbel im Landhausstil hat sie bei "Victors Home" in Perchting ausgesucht und herstellen lassen. Die Deko sammelte sie über Jahre.

Das große Zifferblatt einer Turmuhr sei kein Original, sondern nachgebaut, erzählt Eugen Hemberger. Es soll an die Vorfahren erinnern, die Turmuhrbauer waren. Sein Uropa August Hemberger habe sein Atelier beim Kloster Andechs gehabt und später Anna Pänzinger geheiratet, die Tochter des Postwirts und Metzgers. Deren Vorfahren seien alle Metzger und Postwirte gewesen, sagt Eugen Hemberger. Er sei der vierte Eugen der Familie und habe sich fürs Kochen entschieden. Fürs künftige Restaurant ist schon einiges vorbereitet. "Das Konzept steht", sagt Hemberger und erklärt, dass hinter dem hohen schwarzen Glasschrank der Durchbruch zur Küche geplant sei. Bis es so weit ist, gibt es das Café. Es ist von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 9 bis 16 Uhr geöffnet.

© SZ vom 08.02.2020
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