Familienbetrieb Essen am Bauernhof

Der 21-jährige Julian Holzinger hat den heimischen Bernhardhof in Andechs in ein Restaurant umgebaut. Ferienzimmer gibt es auch.

Von Ute Pröttel, Andechs

Eigentlich wollte Julian Holzinger nur mal seine frisch kreierte Speisekarte einmal rauf und runterkochen. Doch gleich zum ersten Probelauf strömten mehr als 30 Gäste in das neue Restaurant im "Bernhardhof". Da war der junge Küchenchef gefordert. Mama und Oma mussten in der Küche mit anpacken. Den Service übernahmen Vater Bernd und Schwester Christina. Gemeinsam bewältigten sie die Herausforderung. Drei Tage nach der gelungenen Premiere hat er den "Bernhardhof" an der Andechser Straße in Erling offiziell aufgesperrt.

Viele Andechser konnten das kaum erwarten. Bereits zum Jahreswechsel gab es die ersten Anfragen für Weihnachtsfeiern. Neben der Klostergastronomie gab es im Dorf unterhalb des Heiligen Berges jahrelang keine Wirtschaft. Das haben die Holzingers nun geändert. Aus der alten Hofstelle von Julians Großeltern mütterlicherseits ist ein geschmackvolles Feriendomizil geworden, das auch in Zukunft von drei Generationen bewirtschaftet wird.

"Jeder von uns findet sich ein Stück weit in dem neuen Familienbetrieb verwirklicht", sagt Bernd Holzinger. Der 47-Jährige hat für das Familienprojekt seinen Job als IT-Fachmann aufgegeben und ist seit Baubeginn im März 2017 in Vollzeit mit dem Umbau beschäftigt. "Wir haben soviel wie möglich selber gemacht und sind bei weitem noch nicht fertig", erzählt er. Gerade hat er zwei ausgefallene Grills aus Stahl zusammengeschweißt, die auch als Gartenskulpturen oder moderne Vasen durchgehen könnten.

Insgesamt zehn Ferienwohnungen beherbergt der neue "Bernhardhof". Sechs davon sind seit Christi Himmelfahrt ständig vermietet. Und die Gäste vom ersten langen Wochenende haben sofort für das kommende Jahr wieder reserviert. Altes zu bewahren und mit modernen Elementen zu kombinieren - so lautet das Credo nicht nur für die Speisekarte sondern auch für die Architektur und Einrichtung. Der Neubau unterscheidet sich in Größe und Lage kaum vom ehemaligen Bauernhaus mit Stall und wurde um eine große Tiefgarage ergänzt. Bei der Ausstattung legten die Holzingers viel Wert auf Naturmaterialien. Die Bäder sind in Travertin gehalten, die Eichenböden im gesamten Haus haben Vater und Sohn selber verlegt. In den Appartements sind sie hell gekalkt, in der Gaststube dagegen dunkel geräuchert, was den Eindruck vermittelt, als ob der Boden schon zu Großmutters Zeiten hier verlegt gewesen wäre. Das Restaurant bietet Platz für rund 55 Gäste und verfügt über eine sonnige Terrasse zum Hof hin. Hier grünt und blüht es einladend. Das ist das Werk von Mama Christine, die sich gleich im Frühjahr daran gemacht hat, den Garten anzulegen.

Und was steht nun alles auf der Speisekarte? Ehrliche und hausgemachte Küche verspricht Julian Holzinger. Dazu gehören Klassiker wie Käsespätzle und Wiener Schnitzel vom Kalb. Der gebratene Schweinebauch wird mit zweierlei Quinoa und Wurzelgemüse serviert. Besonders gut kommt der "Entenburger mit pulled Entenfleisch und crispy Entenhautchips" bei den Gästen an. Sämtliches Geflügel stammt aus eigener Produktion. Den Fisch holt Julian Holzinger täglich bei der Fischerei Rauch in Dießen und nennt ihn bescheiden "Fischfang des Tages". Gelernt hat der junge Koch sein Handwerk beim "Staudenwirt" in Finning, danach war er zwei Jahre bei Sternekoch Steffen Szabo in der "Goldenen Traube" in Coburg. Seine Küche im Bernhardhof konnte er komplett nach seinen Vorstellungen neu gestalten. Der Probelauf hat gezeigt, dass sie funktioniert.