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Feldafing:So wird die neue Klinik

Artemed-Klinik vor der Fertigstellung; Artemed-Klinik vor der Fertigstellung

Klinikgesellschafter Professor Rainer Salfeld, Architekt Achim Hoffmann und Klinikgeschäftsführer Simon Machnik (v. li.).

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

In der Gemeinde entsteht der erste Krankenhausneubau im Landkreis Starnberg seit vielen Jahren. Das Projekt der Artemed-Gruppe soll bis zu 40 Millionen Euro kosten. Die ersten Patienten können im Oktober einziehen.

Es ist ein riesiges Bauprojekt, vermutlich das größte im gesamten Landkreis. Allerdings bekommt man vom Neubau des Benedictus-Krankenhauses auf dem ehemaligen Kasernenareal der Bundeswehr gar nicht so viel mit, wenn man auf der Staatsstraße von Feldafing nach Tutzing fährt. Der 85 Meter lange und drei Stockwerke hohe Komplex mit einem zentralen Eingangs- und Versorgungsbereich und den vier davon ausgehenden Seitenflügeln passt sich perfekt in die parkartige Landschaft mit den vielen großen Bäumen ein. Und nicht nur das: "Wir sind im Zeitplan", sagt Architekt Tilmann Hoffmann. Was bedeutet, dass das Krankenhaus im Oktober in Betrieb gehen wird. Bis dahin müssen noch der restliche Innenausbau samt Technik und natürlich die Einrichtung erfolgen.

"So ein Projekt geht man nur alle paar Jahrzehnte an", sagt Simon Machnik und lacht. Nur: Wie viel die Artemed-Gruppe investiert hat, will der Geschäftsführer der Benedictus-Krankenhäuser in Feldafing und Tutzing, nicht verraten. Es sollen, so wissen gut unterrichtete Kreise, an die 40 Millionen Euro sein, die in die neue Klinik investiert werden.

Dafür gibt es dann 226 Betten - in der alten Klinik waren es etwa 120 - und eine technische Ausstattung auf modernstem Niveau. Die Mitarbeiterzahl erhöht sich von 220 auf 350. Im hinteren Bereich des Grundstücks werden gerade die vier Baukörper mit 68 Personalwohnungen hochgezogen, der erste soll Anfang 2020 fertig sein. "Ohne diese Wohnungen wäre es fast unmöglich, neues Personal zu gewinnen", sagt Machnik, während er durch das Gebäude führt. Überall wird noch gesägt, gebohrt und gehämmert.

Artemed-Klinik vor der Fertigstellung; Artemed-Klinik vor der Fertigstellung

Passt sich an die parkartige Landschaft an: der zentrale Eingangsbereich mit einem der vier Seitenflügel.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Alles wird neu und damit auf dem aktuellsten technischen Stand sein: das Bewegungsbad, ein Computertomograf, den es bisher nicht gab, und natürlich auch die Patientenzimmer, rund 170. Die meisten sind Ein- und Zweibett-Zimmer, es gibt aber auch einige wenige Drei-Bett-Zimmer. Dafür aber auf dem Dach, oberhalb des dritten Stocks, zwei Penthouse-Appartements mit jeweils 70 Quadratmetern, die nicht nur den besten Blick auf See und Gebirge bieten, sondern wohl auch das meiste kosten. "Sie sind Selbstzahlern vorbehalten", erklärt Simon Machnik. Im Erdgeschoss befinden sich der Empfangsbereich und das Restaurant.

Artemed-Klinik vor der Fertigstellung; Artemed-Klinik vor der Fertigstellung

Auch eine Dachterrasse wird das neue Krankenhaus zu bieten haben.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Gerade mal ein Musterzimmer ist schon fertig, das ahnen lässt, wie die Patienten künftig untergebracht werden: helle Farben, viel Weiß, ein "Entertainment-System wie im Flugzeug" an jedem Bett, große Fenster, nach Möglichkeit verdeckte Versorgungsleitungen. Schmuckstück ist aber die rund 300 Quadratmeter große Dachterrasse, die nicht nur schöne Ausblicke bietet, sondern auch für therapeutische Zwecke wie Gehübungen genutzt werden kann. Durch die Aufteilung in rechtwinkelige Flügel kann die jeweilige Stationstheke in der Mitte, am Knick sozusagen, angeordnet werden, was die Laufwege von Patienten und Personal deutlich verkürzt. Aber: "Erst wenn die Bundeswehr ausgezogen ist, können wir die Zufahrt neu regeln", erklärt Machnik. Zwei Parkplätze sollen dann die Autos von Besuchern, Personal und Lieferanten aufnehmen.

Vier Stationen wird die neue Klinik aufweisen: die Geriatrie im ersten Stock, die Neurologie im zweiten und die Orthopädie im dritten Obergeschoss. Neu ist die Schmerztherapie im ersten Stock, die aus der Tutzinger Klinik nach Feldafing herüberzieht. Wie es mit dem Areal weiter geht, auf dem sich die alte Artemed-Klinik in der Feldafinger Ortsmitte seit zehn Jahren befindet, ist indes noch offen. Der Pachtvertrag läuft Ende diesen Jahres aus. Der Gebäudekomplex war vor genau 50 Jahren als Sanatorium errichtet worden, 2009 hatte ihn Artemed übernommen. "Wir haben seitdem parallel für einen Umbau und für einen Neubau geplant", sagt Clemens Guth. Ein Umbau in dem für Klinikzwecke eigentlich ungeeigneten Gemäuer hätte "1000 Kompromisse" bedeutet; dass die Bundeswehr zum Verkauf eines Teils ihres Geländes bereit war, habe die Chance für einen kompletten Klinik-Neubau eröffnet, so Guth. Allerdings gingen dann acht Jahre der Planungs- und Genehmigungsphase vorüber, bis die Bagger anrücken konnten. Auch einen Bürgerentscheid musste das Projekt überstehen - mit Hilfe des sich einigen Gemeinderats und von Bürgermeister Bernhard Sontheim. Die Bauphase dauert nun seit rund zwei Jahren an - im Oktober sollen die 120 Patienten aus der alten Klinik plus 30 Patienten aus dem Tutzinger Artemed-Krankenhaus in den Neubau einziehen. "Der Umzug stellt eine große logistische Aufgabe dar", sagt Simon Machnik.

Artemed-Klinik vor der Fertigstellung; Artemed-Klinik vor der Fertigstellung

Derzeit ist die Klinik noch eine Baustelle. Doch die ersten Patienten sollen schon im Oktober einziehen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Fast zeitgleich zu Feldafing eröffnet die Artemed-Gruppe im Oktober eine zweite Klinik: nicht im Landkreis, nicht in Deutschland, sondern in Shanghai. Es handelt sich um eine der ersten privat geführten Kliniken in China, worauf Artemed-Geschäftsführer Clemens Guth durchaus ein bisschen stolz ist.

Der Betrieb in der neuen Klinik soll ein halbes Jahr langsam hochgefahren werden. Um die Auslastung macht sich Artemed offenbar keine Sorgen: "Wir haben für alle vier Fachbereiche Wartelisten", sagt Simon Machnik. Der Tag für die offizielle Einweihungsfeier steht noch nicht fest, aber im Frühjahr soll es einen Tag der offenen Tür geben. Bis dahin haben die Bauarbeiter noch einiges zu tun.