Rausch in der Fastenzeit:Weißbiertage in Dießen

Rausch in der Fastenzeit: Die Weißbierbreze ist ein süßer Genuss.

Die Weißbierbreze ist ein süßer Genuss.

(Foto: Maike Buttner)

Die alte Tradition lebt nach dreijähriger Pause an diesem Wochenende wieder auf.

Von Armin Greune, Dießen

Auf dem Münchner Nockherberg geht der berühmte Starkbierausschank zur Fastenzeit auf das Jahr 1651 zurück. Wie alt die recht ähnliche Tradition der Dießener Weißbiertage ist, lässt sich nicht mehr festlegen - aber mindestens zwei oder drei Jahrhunderte sollten es schon sein. Heuer wird das bierselige Brauchtum nach drei Jahren Pause an einem neuen Standort wieder belebt: Am Samstag und Sonntag, 24. und 25. Februar, findet die Veranstaltung im "Unterbräu" in der Fischerei statt. Und zwar wie gewohnt mit Weißbier und Weizenbock vom Weilheimer Dachsbräu, den süßen Weißbierbrezen nach Dießener Spezialrezeptur und Musik: Am Freitag spielt die Thaininger Blasmusik und am Samstag die Klarinettenmusi aus Dießen, jeweils von 18 Uhr an.

Die Wirtsleute Anna und Martin Brink haben sich der örtlichen Tradition angenommen, die nach dem Lockdown und der Geschäftsaufgabe des Cafés Vogel drohte, sang- und klanglos dahinzuscheiden. Bei ihren Vorgängern haben die Brinks förmlich um Erlaubnis gefragt, sagt Jutta Golder, die mit ihrem Mann Reinhard bis zum Sommer 2022 Konditorei und Lokal an der Johannisstraße geführt hat. So konnten die Unterbräu-Wirte auch Maike Buttner als Brezenbäckerin engagieren, die als Konditormeisterin schon bei den Golders den Teig in der Fastenzeit gewickelt hat. Der ist eine exklusive Dießener Spezialität: Das Grundrezept hatte man mitsamt der kurzen Weißbiersaison vom nahen Konkurrenten Café Spitzenberger um das Jahr 1970 übernommen. Im Café Vogel fügte dann Konditor Hermann Busch dem Teig auch tatsächlich Weißbier zu. Schon allein aus dem Grund, dass sich so der Gebäckname leichter erklären ließ, als die gesamte Historie der Weißbiertage.

Deren Wurzeln sind wohl nicht mehr freizulegen. Jedenfalls war die Weißbierproduktion jahrhundertelang den bayerischen Königen und einigen Lizenznehmern vorbehalten. 1480 gelangte die Technik der obergärigen Bierherstellung nach Bayern, damit konnte auch im Sommer gebraut werden. Doch dazu galt das Brotgetreide Weizen als zu wertvoll, sodass die Obrigkeit Gerste als Malz vorschrieb. 1548 verlieh Herzog Wilhelm IV. erstmals ein Privileg, Weizenbier zu brauen, ansonsten war das überall in Bayern verboten. 1603 erwarben die Wittelsbacher dieses Weißbiermonopol, das sich bis zur Aufhebung 1798 als einträgliche Einnahmequelle für den Staatshaushalt erwies.

In der Historie ist von Schön- und Stärketrunktagen die Rede

Überall im Land entstanden kurfürstliche Hofbrauhäuser, in denen Weizenbier gegen Lizenzgebühr hergestellt wurde. Unter den seinerzeit zehn bis zwölf Dießener Brauereien war dies ausschließlich dem damaligen Lidl-Bräu in der Herrenstraße 6 gestattet. Die Lizenz war als Realrecht an die Auflage gekoppelt, im Haus an mindestens drei Tagen im Jahr Weißbier zu brauen. Als die Bierproduktion 1823 eingestellt wurde, zog dort ein Lebzelter ein und führte die Tradition als "Schön- und Stärketrunktage" weiter, bis das Café Spitzenberger vor rund 75 Jahren für immer die Türen schloss.

Damals hatte der Wiederaufstieg des Weizenbiers in der Gunst der Konsumenten gerade angesetzt. Bis in die 60er-Jahre fristete es eine Randexistenz auf dem Markt, doch heute ist es die stärkste bayerische Biersorte, deren Beliebtheit weltweit noch immer wächst.

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