Programm zum Internationalen Frauentag:Die bunte Antwort auf Sexismus

Lesezeit: 2 min

Programm zum Internationalen Frauentag: Ulrike Kreutzer, Miriam Anton und Victoria Mayer lesen aus ihren Lieblingsbüchern zum Thema Feminismus vor.

Ulrike Kreutzer, Miriam Anton und Victoria Mayer lesen aus ihren Lieblingsbüchern zum Thema Feminismus vor.

(Foto: Nila Thiel)

Der Dießener Verein "Freie Kunstanstalt" stellt zum Thema Feminismus eine aufschlussreiche und amüsante Revue zusammen.

Von Armin Greune, Dießen

Lesung, Literaturtipps, ein persönlicher Rückblick auf die Geburtsjahre des Feminismus in der bayrischen Provinz, eine Installation und eine Videoprojektion im Untergrund: Zum Internationalen Frauentag hat der Verein Freie Kunstanstalt eine ebenso aufschlussreiche wie unterhaltsame Revue zusammengestellt. Das Programm in der ehemaligen Schreinerei Graf begann mit einem lokalen Literarischen Quartett: Ulrike Kreutzer und Anton Gruber vom Buchladen "Colibri" stellten gemeinsam mit der Schauspielerin Victoria Mayer und Miriam Anton, Journalistin und Kulturreferentin des Gemeinderats, ihre Lieblingsbücher zum Thema Feminismus vor.

So las Kreutzer eine Passage aus "Wut und Böse" von Ciani-Sophia Hoeder, in der die Autorin ihre persönlichen Erfahrungen mit sexuell übergriffigen Männern schildert. Die Autorin rät, nichts herunterzuschlucken, sondern Aggression mit Aggression zu beantworten: "Wut und Wert sind integral verknüpft, ohne Wut gibt es keine Veränderung." Gruber wiederum empfahl Sandra Bosettis Taktik, die Beleidigungen in sozialen Medien mit witzig-ironischen Reimen zu kontern, also "auf Hassbotschaften mit Liebe" zu reagieren. Mayer gab eine hinreißend komische Szene aus "Brüste und Eier" von Mieko Kawakami wieder, die ausführlich das Farbspektrum von Brustwarzen thematisierte. Einen ernsten Ton schlug Miriam Anton mit Passagen aus der Autobiografie einer Frau an, die als Mitglied der feministischen Punkrockband "Pussy Riot" in Russland inhaftiert wurde.

Programm zum Internationalen Frauentag: Hermaphroditische Tänzer auf der Leinwand: Natalie Wagner (rechts) und Vanessa Hafenbrädl in der Ausstellung im Obergeschoss.

Hermaphroditische Tänzer auf der Leinwand: Natalie Wagner (rechts) und Vanessa Hafenbrädl in der Ausstellung im Obergeschoss.

(Foto: Nila Thiel)

Dass sich deutsche Feministinnen Jahrzehnte zuvor mit ähnlich originellen Mitteln wie die russischen Protestkünstlerinnen gegen das Patriarchat zur Wehr setzten, wurde danach klar. Gerda Schlosser-Dahliwa erzählte anschaulich aus den 1970ern und 1980ern, als sie in der erzkatholischen Bischofsstadt Eichstätt mit Gleichgesinnten so etwas wie einen bayerischen "Pussy Riot" inszenierte. Die Uttinger Therapeutin und Pädagogin wirkte seinerzeit als Theologiestudentin und -absolventin in der örtlichen Frauen- und Friedensbewegung mit, deren originelle Aktionen die Kleinstadt in Aufruhr versetzten. Etwa, indem man das Fenster des Frauencafés mit einem Mobile aus gebrauchten Tampons dekorierte oder beim Ostermarsch Eier mit der Aufschrift "Haut die Gockel vom Sockel" verteilte.

Anschließend stand eine kleine Ausstellung im Obergeschoss offen. Dort war Vanessa Hafenbrädls Video "Zygote - Verschmelzung der Geschlechter" zu sehen. Dem hermaphroditischen Tänzer auf der Leinwand stellte Natalie Wagner eine Installation gegenüber, mit der sie ihre Empfindungen bei der Geburt ihrer Tochter künstlerisch verarbeitet hat - unter Einbeziehung von Accessoires wie Strumpfhosen und Mullbinden. Dazu erklang vom Band ein Gespräch, das die beiden Künstlerinnen zum Thema Geburt führten. Während TAM TAM und das DJ-Duo Inga und Thomas die Plattenteller bedienten, bot sich noch ein Abenteuertrip zu Hafenbrädls "Geburtskanal" an. Wer im Taschenlampenflackern hinter dem Haus über schlüpfrige Steine zum Mühlbach abstieg, fand sich im schulterhohen Tunnel unter der Straße in einem psychedelischen Licht- und Wolkenwirbel um ein strahlendes Auge wieder. Zu Technomusik und Kunstnebel projizierte die Dießener Künstlerin ein Video an die Wand, das sie vor Jahren für ein Festival in Boston entwickelt hatte. Im engen Kanal unter der Dießener Krankenhausstraße erwies sich die Schau als einzigartiges, überwältigendes Erlebnis für alle Sinne.

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