Spionage-Vorwürfe Das Bistum darf nicht schweigen

Die Kirche schweigt zu den aktuellen Vorwürfen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die katholische Kirche spricht in München gerne von Transparenz. Doch zur Spionage-Anlage des BND in der Frauenkirche stellt sie sich bisher stumm. Das ist ein Fehler.

Kommentar von Jakob Wetzel

Die katholische Kirche spricht neuerdings gerne von Transparenz, vor allem, wenn es ums Geld geht. Nach dem Skandal um die überteuerte Bischofsresidenz zu Limburg hieß es, man wolle die Sache nicht etwa aussitzen, sondern mit Offenheit um Vertrauen werben. Erst im Februar mahnte Erzbischof Reinhard Marx eine "Transparenzoffensive" an, nachdem bekannt geworden war, dass das Bistum Eichstätt bei Immobilien-Deals womöglich bis zu 50 Millionen Euro verloren hat. Tatsächlich hat sein Erzbistum München und Freising im Jahr 2016 auf vorbildliche Weise sein Milliardenvermögen offengelegt.

Doch abseits der Zahlen ist es in München mit der Offenheit erheblich weniger weit her: Da endet die Transparenz bereits an der Haustür. Der Bundesnachrichtendienst hat offenbar jahrelang eine Funkanlage zur Beschattung von Diplomaten und Spionen im Nordturm der Frauenkirche betrieben. Nun stehen berechtigte Fragen im Raum: Warum unterstützt die Kirche Spionage? Wieso gibt sie einen Turm ihrer Kathedralkirche, eines der Wahrzeichen Münchens, dafür her? Wer hat das genehmigt, wer wusste davon? Und wurden mit Hilfe der Kirche auch Münchner bespitzelt, womöglich gar Straftaten begangen?

Der Kirche fällt zu all diesen Fragen bislang nur eines ein: Sie schweigt. Sie setzt darauf, die Aufregung werde sich schon legen. Aus ihrer Sicht geht es die Katholiken offenbar nichts an, was in deren Kathedrale passiert. Und damit macht sie eine Sache, die für sich genommen schon unappetitlich genug ist, noch schlimmer. Denn die Kirche ist in einem Geschäft tätig, in dem es um Glaubwürdigkeit und Vertrauen geht. Sie beansprucht für sich moralische Autorität. Mit Spionage und mit Geheimnisverrat ist das schwer vereinbar. Die katholische Kirche hat in der Vergangenheit eine Menge Vertrauen verspielt. Es geht jetzt dringend darum, das zurückzugewinnen.

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