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Segeln:Umweltschutz und Gedenken

Wichtig ist Werne aber auch der Umweltgedanke. "Wenn du da draußen bist, in der Weite des Ozeans, und diese unendliche Schönheit siehst, dann fragst du dich: Wie kann der Mensch das nur zerstören?"

Werne hat deshalb auch die Vereinten Nationen als Partner gewonnen, indem er für deren Clean-Seas-Programm wirbt. Die unbewohnte Antarktis, erst vor 200 Jahren entdeckt, steht unter besonderem internationalen Schutz. 1959, mitten im Kalten Krieg, haben zwölf Nationen den Antarktisvertrag ausgehandelt. Er legt fest, dass das Gebiet südlich des 60. Breitengrades ausschließlich friedlicher Nutzung vorbehalten bleibt. Und er beinhaltet strengste Umweltvorschriften. Zwar gibt es heute nicht nur zahlreiche Forschungsstationen, sondern auch einen wachsenden Besucherverkehr in die Antarktis. Aber noch hält die internationale Vereinbarung. "Das ist ein einmaliges und wunderbares Vertragswerk", sagt Werne.

Der Münchner und seine Mitstreiter werden unterwegs Plankton sammeln und es Wissenschaftlern zur Verfügung stellen. Sie werden Wale beobachten und all ihre Beobachtungen dokumentieren. Sie werden auf Pressekonferenzen und in ihren Schreiben an die Regierungen auf die Verschmutzung der Meere aufmerksam machen. Denn sogar der Plastikmüll verbreitet sich inzwischen bis zur Antarktis, Vögel und Meerestiere ersticken daran.

Als Kind sah Werne im Fernsehen die Berichte des Franzosen Jacques Cousteau, "und von da an, erzählte meine Mutter, wollte ich ,Tiefseetaucherforscher' werden." Aufgewachsen im Südwesten Deutschlands, kurz vor der Schweizer Grenze, ging er nach dem Abitur für zwei Jahre zur Marine. Der Dienst auf der Gorch Fock hat ihn fürs Leben geprägt. Doch ganz in der Marine bleiben, das schien ihm nicht attraktiv. "Ich habe dort tolle Leute kennengelernt", sagt er, "aber auch welche, die an dem starren System gescheitert sind." Er studierte Wirtschaft und arbeitete bei internationalen Großbanken in London und Frankfurt, bevor er nach München kam. Aber die Seefahrt ließ ihn nicht mehr los.

1999 gründete er mit einem Freund das Global Offshore Sailing Team. Beruflich erfolgreich und international vernetzt, fand er bald Gleichgesinnte mit dem nötigen Kleingeld und der ebenso großen Begeisterung für extremes Segeln. 2011 und 2016 fuhren sie in die Arktis bis an die Packeis-Grenze.

Das Eis ist unberechenbar

Was die Gewalt der Natur in solchen Gefilden bedeutet, erlebten sie dabei hautnah. "Da kamen uns nach einigen Tagen, die wir uns im Nebel vorantasteten, plötzlich wie aus dem Nichts Eisberge entgegen", erzählt er. Sie suchten Schutz in einem Fjord, legten ihr Schiff hinter einen Schwimmsteg in einem kleinen Hafen. Doch das Eis kam hinterher, es drängte mit gewaltiger Kraft in den Fjord. "Wir hielten rund um die Uhr Wache und schoben das Eis mit Stangen vom Schiff weg." Es forderte trotzdem seinen Zoll. Krachend riss es den Propeller des Motors aus dem Rumpf, Wasser brach ein, sie mussten stundenlang schöpfen.

Eisbergen werden sie auch diesmal wieder begegnen. Sie hoffen auf gebührenden Abstand. Die Santa Maria Australis ist ein komfortables Schiff, ihr Rumpf ist aus mehreren separaten Kammern gebaut, zum Schutz vor Wassereinbruch. Sie ist mit modernster Technik wie Radar, Satellitennavigation und -kommunikation ausgestattet, man kann ihre Fahrt im Internet verfolgen. Sie hat zwei starke Dieselmotoren an Bord, einen Stromgenerator, mehrere Batterie-Systeme, einen Wasseraufbereiter, der aus Meerwasser Trinkwasser macht, und beheizte Kabinen. Dennoch: Eine Fahrt zur Antarktis ist kein Zuckerschlecken. Eisberge sind unberechenbar.

Erich von Drygalski, der Münchner Geograf, leitete 1902 die erste deutsche Südpolar-Expedition. Sein Schiff, die Gauß, wurde am 1. März vom Eis eingeschlossen und fast ein Jahr lang 50 Meilen vor der Küste festgehalten. Dank ihres gerundeten Rumpfs wurde sie nicht zerdrückt, sondern nur angehoben. Die Männer hatten genug Vorräte und nutzten das Jahr für ihre Forschungen. So viel Zeit haben Werne und seine Freunde nicht. Aber auch für sie gilt, sagt er: "Du kannst nicht gegen die See fahren, sie ist immer stärker."

© SZ vom 07.02.2018/vewo
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