S-Bahn:Wie die Politik reagiert

Das Problem hat auch die Politik erkannt: 2012 startete der damalige Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) zusammen mit bayerischen Bahn-Unternehmen und den Gewerkschaften eine Fachkräfteinitiative. Über ein Internetportal sowie einen bayernweiten Tag der offenen Tür in Bahnbetrieben und -werkstätten sollten junge Leute für Bahnberufe begeistern. Wie erfolgreich die Aktion ist, lässt sich schwer sagen.

Ein "kausaler Zusammenhang zwischen Maßnahme und Zielansatz" sei "nicht seriös zu quantifizieren", heißt es aus dem Haus des heutigen Verkehrsministers Joachim Herrmann (CSU). DB-Betriebsräte kritisieren, alleine mit Aktionstagen und Reklameblättchen werde man nicht genügend Leute finden. Früher, erinnern sich EVG-Gewerkschafter, habe die Bahn mit Betriebswohnungen locken können - gerade im teuren München sei dies ein nicht zu unterschätzender Faktor gewesen. Doch dann trennte sich der Konzern nach und nach von seinem Wohnungsbestand. Mit günstigen Mieten kann er nun nicht mehr punkten.

Einfahrende S-Bahn am Bahnhof Karlsplatz in München, 2015

Unterwegs mit einem Lokführer im Bahntunnel unter der Innenstadt: Dem Konzern fehlen Mitarbeiter, im Sommer könnten Zugausfälle drohen.

(Foto: Robert Haas)

Das haben auch führende Bahnmanager erkannt. Im Januar hatte Bayerns oberster DB-Lenker Klaus-Dieter Josel angekündigt, der Konzern werde nach Lösungen suchen. Mittlerweile stehen nach Auskunft eines Sprechers möblierte Apartments in Innenstadtnähe bei einer Wohnungsbaugesellschaft zur Verfügung, die an Mitarbeiter vergeben werden - allerdings meist nur an solche, die von außerhalb nach München kommen und sich dann hier eine größere Wohnung suchen. Für die 13 bis 18 Quadratmeter kleinen Wohnungen nahe des Sendlinger Tors beispielsweise zahlen die Beschäftigten laut DB monatlich ab 530 Euro warm. Aus der Sicht altgedienter Gewerkschafter reicht das aber nicht aus, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.

Was die MVG gegen Personalmangel macht

Ganz anders verfahren die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zusammen mit ihrem Mutterunternehmen, den Stadtwerken (SWM). Beide wollen in den kommenden Jahren unter anderem auf dem Gelände des Bus-Betriebshofs an der Zschokkestraße in Laim sowie in der Nähe der SWM-Zentrale in Moosach mehrere hundert Werkswohnungen für Mitarbeiter errichten. Diese sollen auch dazu dienen, zusätzliches Personal zu finden - und langfristig an sich zu binden.

Zudem zahlt der SWM-Konzern seinen Mitarbeitern intern eine Prämie, wenn es gelingt, aufgrund einer Empfehlung eine neue Kraft anzustellen. Denn nach Auskunft der Gewerkschaft Verdi operiert auch die MVG, ähnlich wie die DB bei der S-Bahn, mit einer eher dünnen Personaldecke. Zwar hat die MVG seit 2011 etwas mehr als 750 Mitarbeiter für den Fahrdienst eingestellt - "das reicht aber nicht aus", sagt Verdi-Sekretär Franz Schütz. Um den langfristigen Bedarf zu decken, müsse das Unternehmen seine Anstrengungen steigern.

Auch ein MVG-Sprecher räumt ein, dass "wir weiterhin neue Kollegen im Fahrdienst brauchen". Daher bilde man weiter zusätzliche Kräfte aus. Es könne auch mal vorkommen, dass "aufgrund einer kurzfristigen Erkrankung" ein Bus oder eine Bahn ausfalle - das sei "aber nichts Neues", erklärt der Sprecher weiter. Umfangreichere Ausfälle, wie sie sich jetzt bei der S-Bahn für den kommenden Sommer möglicherweise abzeichnen, gebe es bei der MVG jedenfalls nicht.

Was Fahrgastvertreter zur S-Bahn-Situation sagen

Für Fahrgastvertreter wie Andreas Barth von Pro Bahn ist es schlicht unverständlich, dass die S-Bahn den Lokführermangel nicht in den Griff bekommt: "Es ist Kernaufgabe des Unternehmens, die Leistung zu bringen." Notfalls müsse der Freistaat bei der geplanten Neuausschreibung des S-Bahn-Netzes höhere Strafzahlungen festsetzen, die bei Zugausfällen zu entrichten wären.

"Offenbar tun die heutigen Strafen noch nicht genügend weh", sagt Barth. Bislang ist es so, dass bei Zugausfällen der Freistaat der DB keinen Cent zahlt. "Glauben Sie mir", entgegnet S-Bahn-Chef Weisser, "jeder ausgefallene Zugkilometer tut mir finanziell weh". Deshalb setze der Schienenkonzern auch alles daran, das Lokführerproblem zu lösen.

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