Oberschleißheim 1972 holten die Ruderer hier Gold

Kurz nach der Aufnahme in die Denkmalschutzliste haben die Grünen eine Anfrage an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gestellt: "Wie geht es weiter mit der Olympia-Regattaanlage?" Auch sie sprechen von einem "nicht mehr hinnehmbaren Zustand für dieses Kleinod".

Ein Kleinod, auf dem 1972 der Vierer mit Steuermann hauchdünn vor der DDR das einzige Ruder-Gold für Deutschland gewann. Die Zeit drängt jedenfalls, auch für die ansässigen 13 Vereine, ob nun Ruderer oder Kanuten. Sie sorgen für regen Betrieb auf der Regattaanlage, die auch wegen ihrer Windverhältnisse als hervorragendes Terrain gilt und in Süddeutschland ihresgleichen sucht.

In diesem Jahr war viel los auf der 2,2 Kilometer langen Strecke, die Drachenboot-DM, die bayerischen Rudermeisterschaften, das Breitensport-Spektakel Euro Masters Regatta, viele Junioren-Wettbewerbe, Triathlon-Veranstaltungen und Langstreckenschwimmen. Das letzte wirklich ruhmreiche Jahr datiert aber 2007, als bei der Ruder-Weltmeisterschaft mehr als 60 000 Besucher an der Strecke waren.

Bei der Tribüne könnte sich der Sportamtsleiter eine Art Schubladensystem vorstellen. Sie könnte demnach entkernt, saniert und modulweise wieder genutzt werden.

(Foto: Claus Schunk)

Von solchen Zahlen kann Oliver Bettzieche, Vorstandsvorsitzender des Vereins Regatta München, nur träumen. Und er muss warten, obwohl er keine Geduld mehr hat: "Das Problem ist, dass momentan nichts planbar ist, weil es keinen Beschluss der Stadt gibt. Bei internationalen Veranstaltungen müssen wir aber schon jetzt unser Interesse für den Zeitraum 2021 bis 2024 bekunden."

Bettzieche, dem die Top-Veranstaltungen durch die Finger rinnen, sieht täglich, dass gerade im Tribünenbereich die Sanitäranlagen saniert werden müssen, auch die Bootshallen, die Unterkünfte, die Trainingshalle und der Kraftraum. "Die Ziel- und Zeitmesstürme sind noch alle auf dem alten Stand. Man müsste auch die Landestege renovieren, und eine modernere Infrastruktur wie Glasfaserkabel ist nötig."

Es gibt also sehr viel zu tun, wobei Urbans Nachfolger im Sportamt, Günter Schwarz, die neue Entwicklung gar nicht bedrohlich findet: "Der Denkmalschutz kann auch helfen, das behindert unsere Planungen überhaupt nicht. Wir müssen schnell zum Ziel kommen, die Ruderregatta so zu ertüchtigen, dass wir dort wieder Spitzensport erleben." Eine Zeitverzögerung bezüglich der Vorlage des Konzepts im Stadtrat gebe es nicht, auch stehe die Stadtspitze hinter den Plänen: "Es gibt einen großen Konsens, das war vor Jahren auch noch anders. Und wenn Bund und Land sich beteiligen, wäre das der große Wurf", sagt Schwarz.

Bei der Tribüne könnte sich Schwarz eine Art Schubladensystem vorstellen. Sie könnte demnach entkernt, saniert und modulweise wieder genutzt werden. "Es gibt da gute Vorschläge", sagt Schwarz. Eine andere Variante wäre, Teile der Tribüne stillzulegen. Details möchte Schwarz dazu noch nicht preisgeben.

Jedenfalls dürften die Drähte zwischen der zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörde, dem Baureferat, wo gerade die Kosten berechnet werden, der Olympiapark GmbH als Betreiber der Regattaanlage und dem Sportamt in nächster Zeit heiß laufen. Olympiapark-Chefin Marion Schöne sagt schon mal vorsichtig optimistisch: "Wir sind es im Olympiapark gewöhnt, die Balance mit dem Denkmalschutz zu finden."

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