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Oberschleißheim:Wer rettet die Regattaanlage?

Regttastrecke Oberschleißheim, 2015

Regttastrecke Oberschleißheim wurde für die Olympischen Sommerspiele 1972 angelegt und war Austragungsort der Wettkämpfe im Kanurennsport und Rudern.

(Foto: Claus Schunk)

Einst holten die deutschen Ruderer hier Gold, heute verfällt die Olympia-Regattaanlage. Versuche, die Anlage zu nutzen, scheiterten. Nun wird ein neues Konzept erarbeitet.

Jahrelang hat die Stadt München das Thema vor sich hergeschoben, Pläne erstellen lassen, Ortsbegehungen gemacht, Finanzkonzepte gemacht und verworfen. Es geht um die Sanierung der so eindrucksvollen wie in Teilen maroden Olympia-Regattaanlage in Oberschleißheim, für die viel Geld in die Hand genommen werden muss, von einem "gut zweistelligen Millionenbetrag" hatte Sportbürgermeisterin Christine Strobl zuletzt gesprochen. Und nun war auch noch der Denkmalschutz schneller: Ende Oktober hat das Landesamt für Denkmalpflege das komplette Ensemble in seine Liste aufgenommen.

Für die Planungen der Stadt, die gerade wieder über Entwürfen für das Areal brütet und die Kosten kalkuliert, hat das gravierende Auswirkungen. Sie kann nun etwa die monumentale Tribüne, die mit ihren 9500 Sitzplätzen für aktuelle und künftige Wettbewerbe viel zu groß ist, nicht mehr abreißen oder teilabreißen, wie sie es vorhatte.

Auch die Bootshallen, Unterkünfte samt Schullandheim, die Turnhalle mit dem Oldschool-Kraftraum sowie Start-, Ziel- und Messtürme, die erneuert oder zumindest renoviert werden sollten, stehen nun unter Denkmalschutz. "Das war nicht unbedingt der Wunsch", sagt Kathrin Abele (SPD), stellvertretende Sprecherin des Sportausschusses. Auch weil das Ensemble nun behutsam saniert werden muss, um die Pläne der Stadt zu verwirklichen, auf dem Areal auch weiterhin Breiten- und Spitzensport anbieten zu können. Die Stadt weiß ja, dass die Zustände an der Olympia-Regattastrecke nicht mehr tragbar sind.

Regttastrecke Oberschleißheim, 2015

Vor allem die Tribüne stellt die Stadt vor finanzielle Probleme.

(Foto: Claus Schunk)

Dass die Anlage unter Denkmalschutz gestellt werden könnte, war ihr aber seit April 2018 bekannt. Schon vor vier Jahren hatte Thomas Stamm, der Präsident des Bayerischen Ruderverbandes, gesagt: "Die Sanitäranlagen sind veraltet, teilweise regnet es in Funktionsräume hinein, die Küche ist auf dem Stand von 1972, und die Doppelzimmer haben zum Teil nicht einmal eine Nasszelle."

Ex-Sportamtsleiter Thomas Urban hatte der SZ damals geschildert, dass er mit Sanierungskosten von rund 40 Millionen Euro rechne, den ersten Spatenstich hatte er für 2017/18 anvisiert. Und nun? Die Jahre gingen ins Land, Ideen für die Nutzung gab es viele: vom Surfcenter über eine Wasserski-Anlage bis zum in der riesigen Tribüne integrierten Hotel.

Nur passiert ist nichts, auch weil die Stadt sich weigerte, die Kosten alleine zu tragen. Doch die Unterstützung vom Bund und dem Freistaat Bayern blieb aus. Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dem Stadtrat bis Frühjahr 2019 ein neues Sanierungskonzept vorzulegen, als Termin für den ersten Spatenstich gilt frühestens das Jahr 2020 oder 2021. Ausgerechnet jetzt grätschen die Denkmalschützer hinein. So denkt nicht nur Stadträtin Abele. Beatrix Zurek, die Leiterin des Referats für Bildung und Sport, sagt: "Der Denkmalschutz stellt eine Herausforderung für die Architekten dar. Ich will das Thema nicht auf die lange Bank schieben und wünsche mir keine Kostenexplosion."