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Prozess:27-Jähriger soll Drogen im Darknet verkauft haben - mit Hilfe seiner Mutter

  • Der 27-jährige Starnberger Sebastian F. steht wegen Drogenhandels im Darknet vor Gericht.
  • Zudem fanden Beamte kinderpornographische Dateien auf seinem Computer.
  • Seine 68-jährige Mutter soll ihm dabei geholfen und ist deshalb wegen Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln angeklagt.

Unter ihren Decknamen machten "Heisenberg" aus Hessen und "BossRumcheck" vom Starnberger See im Darknet gute Geschäfte. Sie handelten mit Marihuana, Kokain, Amphetamin und Ecstasy-Tabletten und hatten weit mehr als 1000 Abnehmer in Deutschland und der ganzen Welt.

"BossRumcheck", ein 27 Jahre alter Computer-Techniker, der in Wirklichkeit Sebastian F. heißt, verdiente in der Zeit zwischen Ende 2014 bis zu seiner Festnahme im Januar 2017 nach Schätzungen der Staatsanwaltschaft mindestens 77 200 Euro. Seine Lieferanten bezahlte er mit der digitalen Kryptowährung Bitcoins. Sebastian F. muss sich seit Dienstag vor der 2. Strafkammer am Landgericht München II verantworten.

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Gegen seinen Partner "Heisenberg" wird noch ermittelt. Dessen Aufgabe war es laut den Ermittlungen, Bestellungen von Kunden im Darknet entgegenzunehmen und die gewünschten Drogen ebenfalls im Darknet bei unbekannten Lieferanten zu bestellen. Sebastian F.s Part bestand unter anderem darin, die Drogen entgegenzunehmen und zu versenden. Bei der Annahme halfen ihm sogenannte "drops" in den Landkreisen Starnberg und Bad Tölz-Wolfratshausen.

Diese "drops" mussten nichts weiter tun, als die Lieferungen für Sebastian F. anzunehmen, um so die Bezugswege möglichst zu verschleiern. Als Gegenleistung erhielten sie Bargeld. Einen "drop" lud Sebastian F. zum Essen ein oder zahlte dessen Tankrechnung. Neben dem IT-Techniker auf der Anklagebank sitzt eine mutmaßliche Komplizin, auch sie soll ein "drop" gewesen sein. Es ist die 68 Jahre alte Mutter von Sebastian F. Sie ist angeklagt wegen Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln.

Sebastian F. ist ein etwas adipöser junger Mann mit hoher Stirn. Er trägt eine schwarze Jeans und über einem schwarzen T-Shirt ein offenes, schlabberiges schwarz-weiß kariertes Hemd, das aus der Hose hängt. Außer unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge legt ihm Staatsanwalt Michael Meyer noch den Besitz kinderpornografischer Schriften zur Last.

F. lebte bis zu seiner Festnahme bei seiner Mutter. Als Fahnder deren Wohnung im Januar 2017 durchsuchten, fanden sie außer einer geringen Menge an Drogen nicht weniger als 568 kinderpornografische Dateien auf Rechnern des Sohnes. Darauf sind zum Teil Vergewaltigungen von erst zehn Jahre alten Kindern durch erwachsene Männer zu sehen.

Sebastian F. und seine Mutter legten nach Verlesung der Anklage ein Geständnis ab. Grund hierfür ist eine Verständigung zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Sebastian F. wurde für den Fall, dass er die Vorwürfe einräumt, eine Haftstrafe von nicht mehr als sieben Jahren und nicht weniger als sechseinhalb Jahren in Aussicht gestellt. Seine Mutter wird aller Voraussicht nach mit einer Bewährungsstrafe von nicht mehr als zwölf und nicht weniger als neun Monaten davonkommen.

Sein Mandant übernehme die "volle Verantwortung" für die Vorwürfe aus der Anklage "und zwar uneingeschränkt", sagte F.s Verteidiger, Rechtsanwalt Bernd Gutowski. Der Verteidiger der Mutter, Rechtsanwalt Peter Krauß sagte, seine Mandantin bedauere, nicht anders reagiert zu haben. Sie habe ihrem Sohn bei seinen Drogengeschäften vor allem deshalb geholfen, weil sie Angst davor gehabt habe, dass er sonst ausziehen und sie dann allein sein werde.

F. hat auch selbst Drogen konsumiert. Unter anderem hatte er sich für die Silvesterfeier 2016/2017 verschiedene Drogen im Darknet bestellt. Es sollte eines der letzten Male gewesen sein. Am 11. Januar 2017 wurden er und seine Mutter festgenommen. Der Prozess dauert an.

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