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Polizei München:Mord an obdachloser Frau aufgeklärt

Auf diesem Gelände an der Rosenheimer Straß versteckten die Täter ihr Opfer in einem verdreckten Sickerschacht.

(Foto: Robert Haas)
  • Vor knapp zwei Jahren schlug eine Gruppe Obdachloser eine 48-Jährige zu Tode und warf sie in einen Sickerschacht.
  • Der Leichnahm wurde erst ein Jahr später zufällig entdeckt.
  • Nun hat die Polizei den letzten von fünf Tatverdächtigen eingesperrt.

Von Thomas Schmidt

Erst zechten sie zusammen, dann schlugen sie erbarmungslos zu: Fast zwei Jahre ist es her, da prügelte eine Gruppe Obdachlose eine 48 Jahre alte Frau zu Tode. Wie einen Sack Müll schmissen sie den Leichnam anschließend in einen verdreckten Sickerschacht, um ihr Opfer dort zu verstecken. Als Bauarbeiter den Körper der Ermordeten Ende September 2016 endlich fanden, war er bereits mumifiziert. Nun hat die Polizei den Mordfall offenbar aufgeklärt und den letzten von fünf Tatverdächtigen eingesperrt.

Das 48-jährige Opfer stammte aus dem polnischen Mikołów in Oberschlesien. 2013 kam die Frau nach München, um hier ein bisschen Geld als Putzkraft zu verdienen. Doch regelmäßig gearbeitet hat sie wohl nie, heißt es aus Ermittlerkreisen. Stattdessen rutschte sie ins Obdachlosenmilieu ab. Wann genau sie getötet wurde, lässt sich nicht mehr feststellen, die Tat muss irgendwann zwischen Juni und August 2015 geschehen sein. In dieser Zeit traf sie sich mit anderen Obdachlosen zu einer Grillfeier auf dem ehemaligen Gelände des Holzkontors Grombach in Haidhausen. Das Gebäude war nur notdürftig mit ein paar Brettern verschlagen und ein beliebter Treffpunkt unter wohnsitzlosen Zechern.

Es muss harmlos begonnen haben, Opfer und Täter tranken gemeinsam, doch dann kippte die Stimmung in der Gruppe. Offenbar entbrannte ein Streit über die gerechte Verteilung der Getränke. Einer der Männer, ein 42-jähriger Trockenbauer aus Polen, trat auf die Frau ein. Doch das war nur der Anfang. Zwei weitere Obdachlose, ebenfalls Landsmänner des Opfers, prügelten so lange auf die Frau ein, bis sie keinen Ton mehr von sich gab. Einer der mutmaßlichen Täter war damals sogar der Partner des Mordopfers. Als die 48-Jährige tot im Dreck lag, packten zwei weitere Männer aus der Gruppe mit an, hoben die Leiche hoch, schleppten sie zu einem alten Sickerschacht und warfen sie in die Dunkelheit.

Dort unten lag sie dann länger als ein Jahr - bis Bauarbeiter auf dem Areal an der Rosenheimer Straße, Ecke Orleansstraße, anrückten. Sie stießen auf den Schacht, der mit einem Betondeckel verschlossen war, und füllten ihn mit Erde auf, um den Boden zu stabilisieren. Die Leiche, die in etwa drei Metern Tiefe lag, bemerkten sie dabei nicht. Beinahe wäre sie für immer begraben worden. Doch einen Monat später holte ein Bauarbeiter mit einem Bagger die Erde wieder heraus - und stieß dabei auf den mumifizierten Körper.

Die Ermittler der Polizei hatten eine stark verweste Leiche, die kaum noch zu identifizieren war, keine Tatwaffe und auch sonst keine Spur. Doch sie wussten, dass sich auf dem Gelände lange Zeit vor allem Obdachlose aufgehalten hatten. Das führte sie zu den mutmaßlichen Tätern. Die Beamten spürten einen Mann auf, der selbst häufig auf dem Gelände übernachtete und sich erinnern konnte, wer bei der Grillfeier der polnischen Gruppe dabei war.

Eine Vermisstenanzeige aus Polen passt zu dem Opfer

Markus Kraus, Chefermittler der Mordkommission, berichtet, dass zuerst der Trockenbauer identifiziert wurde, der die Frau zwar durch Tritte verletzt, sie aber nicht getötet habe. Der 42-Jährige wurde kurz vor Weihnachten, am 17. Dezember 2016, festgenommen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde ein Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung erlassen. Auch die beiden 30 und 35 Jahre alten Männer, die dabei halfen, die Leiche in den Sickerschacht zu werfen, sitzen im Gefängnis. Einer saß dort ohnehin schon wegen eines anderen Vergehens. Den zweiten Obdachlosen nahmen Polizeibeamte in München fest. Sie müssen sich jetzt wegen Strafvereitelung verantworten.

In der Zwischenzeit stießen die Fahnder auf eine Vermisstenanzeige aus Polen, die zu der Leiche passte. Ein DNA-Abgleich zwischen der Toten und den Angehörigen in Polen brachte einen Treffer. Nun wusste die Polizei, wer die Tote ist. Und sie hatte Zeugenaussagen, mit denen sie den Mördern Stück für Stück näherkam.

Zuerst spürten die Ermittler einen 35-Jährigen auf, der ebenfalls schon wegen einer anderen Straftat in einer Zelle steckte und dort wohl noch eine ganze Weile bleiben wird. Dann fanden sie den letzten Tatverdächtigen, den früheren Freund des Opfers. Er lebte inzwischen mit seiner neuen Lebensgefährtin in Schwabing. Am 27. März statteten Beamte der Zielfahndung dem 36-Jährigen einen Besuch ab und nahmen ihn fest. Gegen ihn und seinen ein Jahr jüngeren Komplizen wurden Haftbefehle wegen Mordes erlassen.

© SZ vom 04.04.2017/eca
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