Pasing:Stadt lehnt Photovoltaik auf Lärmschutzmauer ab

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Pasing: Lokalpolitiker schlagen vor, Solarpanel-Flächen oberhalb der Lärmschutzmauer südlich und östlich des Neubaugebiets an der Paul-Gerhardt-Allee zu installieren.

Lokalpolitiker schlagen vor, Solarpanel-Flächen oberhalb der Lärmschutzmauer südlich und östlich des Neubaugebiets an der Paul-Gerhardt-Allee zu installieren.

(Foto: Herbert Stolz)

Weil das Baureferat Vandalismus und Verletzungsgefahr befürchtet, wurde die Umsetzung einer Photovoltaik-Anlage auf einer Lärmschutzmauer an der Paul-Gerhardt-Allee abgelehnt. Doch so schnell geben die Lokalpolitiker nicht auf.

Von Ellen Draxel

Das Ziel steht schwarz auf weiß im Koalitionsvertrag: Die Berliner Ampel-Koalition will den Ausbau der Photovoltaik deutlich steigern und bis zum Jahr 2030 einen Wert von 200 Gigawatt erreichen. Das entspricht in den kommenden acht Jahren in etwa einer Verdopplung der bisherigen Leistung. Einen Beitrag dazu könnten Solarpanel-Flächen leisten, die oberhalb der Lärmschutzmauer südlich und östlich des Neubaugebiets an der Paul-Gerhardt-Allee angebracht werden.

So zumindest lautet eine Idee des Bezirksausschusses Pasing-Obermenzing. 130 Kilowatt-Peak, hatten die Lokalpolitiker errechnet, ließen sich bei Modulen von einem Quadratmeter Größe auf der insgesamt 1,3 Kilometer langen Wand gewinnen. Pro Kilowatt-Peak - eine Maßeinheit für Photovoltaik - werden etwa 1000 Kilowattstunden an Strom erzeugt. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus reichen drei bis fünf Kilowatt-Peak. Die von den Bürgervertretern ins Spiel gebrachte Anlage würde demnach 130 000 Kilowattstunden Strom ermöglichen. Energie dank eines "weiteren Solar-Bausteins für das virtuelle Kraftwerk der Stadtwerke München".

Doch so gut gemeint der Vorschlag sein mag, so ernüchternd ist nun die Antwort der Verwaltung ausgefallen: Die Umsetzung einer Photovoltaik-Anlage, konstatierte das Baureferat infolge des Ergebnisses einer Machbarkeitsstudie, sei "nicht zielführend". Geprüft wurde dabei lediglich die von Ost nach West verlaufende Lärmschutzwand. Denn das Bauwerk im Süden, das ebenfalls vor den Immissionen des benachbarten Bahngeländes schützen soll, ist möglicherweise von den kommenden Baumaßnahmen zur zweiten S-Bahn-Stammstrecke tangiert.

Das Baureferat befürchtet Vandalismus und Verletzungsgefahr

Zwar haben die Gutachter einer Photovoltaik-Anlage auf der Betonmauer im Osten ebenfalls ein "theoretisches Potenzial in der Größenordnung von etwa hundert Kilowatt-Peak" attestiert. Doch weil die Lärmwand-Konstruktion auch einer direkt angrenzenden Grünanlage als Stützmauer dient und das Erdreich teilweise so hoch aufgeschüttet wurde, dass die Mauer nur noch Brüstungshöhe besitzt, befürchtet das Baureferat an dieser Stelle Vandalismus. Und die Gefahr einer Verletzung durch Berühren der Solarmodule. Außerdem wurden Teilbereiche der Wand bereits mit Kletterpflanzen begrünt, und ein Wartungsweg verläuft entlang des Bauwerks. Die Konsequenz: Ablehnung.

Pasings Bürgervertreter indes wollen sich mit dieser Entscheidung des Baureferats nicht abfinden. Sie fordern, auch noch das Referat für Umwelt und Klimaschutz in die Beurteilung mit einzubinden. Denn wenn die in der Machbarkeitsstudie aufgeführten Gegenargumente alleinig als K.o.-Kriterien gewertet würden, so die Stadtteilpolitiker, sei das Ziel, möglichst viele Optionen für die Stromgewinnung aus Sonnenenergie zu nutzen, "nicht umsetzbar".

Auf 16 stadteigenen Gebäuden allein im Stadtbezirk Pasing-Obermenzing und auf der Lärmschutzwand auf der Würmbrücke befinden sich bereits Solarpanele, die rund 275 Kilowatt-Peak an Leistung erbringen. Auf weiteren zehn Häusern werden derzeit zusätzliche installiert, die Gesamtleistung summiert sich dort auf etwa 500 Kilowatt-Peak. Und auch bei der Sanierung der Eggenfabrik ist, als Teil des Actionsportzentrums, eine Photovoltaik-Anlage geplant.

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