Festspielhaus Neuschwanstein:Hosianna on the Dancefloor

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Festspielhaus Neuschwanstein: Magdalena ist in dieser Inszenierung vollwertiges Mitglied der Apostelgruppe.

Magdalena ist in dieser Inszenierung vollwertiges Mitglied der Apostelgruppe.

(Foto: Susen Bolz/Blickwinkel Design)

"Passion 21" erzählt die Ostergeschichte als multimediale Show in Füssen. Die Produktion soll jung und modern daherkommen, könnte aber auch provozieren und anecken.

Von Michelle Rigohrt , Füssen

Was machen Judas und Magdalena zusammen im Club? Tanzen und über ihren Kumpel Jesus sprechen, ist doch klar. "Sehet der König kommt", ruft Judas und reißt preisend seine Hände in Luft: "Hosianna, hosianna, hosianna".

Natürlich ist das Szenario in der Bibel ein anderes. Diese moderne Version spielt auch nicht im alten Jerusalem, sondern im Festspielhaus Neuschwanstein in Füssen. "Passion 21" heißt das Stück, das von 7. April an auf der Bühne gespielt wird, auf der für gewöhnlich Sissi und Ludwig singen. Die Inszenierung des Füssener Vereins "Passion" ist jedoch kein Musical. Auch kein Theater im klassischen Sinne. Eher eine Neuinterpretation der Leidensgeschichte Jesu mit 180-Grad Projektoren, hollywoodreifer Filmmusik und Surround-Sound-Kinogefühl. Nur ohne dass der Sohn Gottes vorkommt - man soll sich ja kein Zeugnis bilden.

Bereits 2020 hätte das Stück auf der Bühne sein sollen. Wieso es nicht stattfinden konnte, muss man wohl nicht nochmal erwähnen. Also entschied man sich, laut Pressesprecher Wolfgang Klauke mehr oder weniger aus "Verzweiflung", für eine Filmversion. Die gab es unter anderem auf Bibel TV zu sehen. Nun soll die Ostergeschichte ihren rechtmäßigen Platz einnehmen. Doppelbesetzung inklusive - man will ja nichts riskieren. "Was ist denn in dieser Woche vor 2000 Jahren passiert?", fragt eine Stimme in den Raum, während eine Stadt im Hintergrund von blauen Laserstrahlen skizziert wird. Die Antwort bekommt man in der 75-minütigen Vorführung aus fünf verschiedenen Perspektiven: Magdalena, Petrus, Judas, der Hohepriester und Pilatus.

"Wir Künstler wollen mit unserer Arbeit einen Vorschlag machen"

Die Club-Szene leitet "Passion 21" ein (natürlich englisch ausgesprochen - alles soll cool und modern sein). Und auch ein "whatever" hier und ein "by the way" da macht die Sprache nicht Testament-getreu. Dass die modernen Elemente anecken oder provozieren könnten, macht dem Ideengeber und Regisseur Manfred Schweigkofler keine Sorgen: "Kunst kann auch nicht gefallen. Wir Künstler wollen mit unserer Arbeit einen Vorschlag machen. Wenn es gefällt, ist super. Wenn es nicht gefällt, ist auch ok." Der Dekan Jörg Dittmar der evangelischen Luther Kirche in Kempten findet aber: "Die Passionsgeschichte muss erzählt werden - immer wieder neu. Die Passion 21 greift diesen Stoff auf: jung, emotional, einfühlsam und ehrfürchtig."

Die Geschichte soll nahbar werden. Die Figuren von ihrem heiligen Podest runterholen. So ist Petrus, gespielt von Ferdinand Dörfler, ständig überfordert, bemüht loyal und wird dennoch zum Verräter. Anna Hofbauer, die Magdalena spielt, freut sich der Frau einen Platz zu geben: "In dem Testament wird die Frau komplett rausgelassen. Sie war nichts wert. War nur die Mutter und die Köchin. Aber Magdalena war ein vollwertiges Mitglied der Apostelgruppe." Die sonst so aufwendig inszenierte Passion soll im Bühnenbild nicht überfordern. Schweigkolfer will "die riesen Geschichte auf die Essenz reduzieren". Da reicht es, in die Mitte der Bühne einen großen Tisch hinzustellen und man ahnt sofort, um welchen Part der Osterwoche es sich dreht.

Was die Passion mit dem Heute zu tun hat? Das entscheidet jeder für sich selbst. Die Leidensgeschichte ist aber keine, die im Negativen endet, sondern soll eigentlich Hoffnung schenken. Und die, kann man zu jeder Zeit gebrauchen.

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