Paketsendungen Der Nachbar, der alle Pakete annimmt

Bei lokalen Partnerhändlern holt Qool Collect die bestellten Waren selbst ab.

(Foto: Stefanie Preuin)

Wer online einkauft, kann sich die Bestellungen in die Läden von Stefan Müller liefern lassen statt nach Hause - und gegen Gebühr von frühmorgens bis spätabends abholen.

Von Franziska Schwarz

Frische Lebensmittel, direkt an die Haustür geliefert! Solche Versprechen von Lieferdiensten klingen gut, aber dann ist man doch nicht da, wenn der Zusteller klingelt. Der Nachbar, bei dem die Sendung liegt, ist dummerweise nicht zu Hause. Statt Nudeln, Gemüse oder Fleisch hält man nur den Zettel des Paketdienstes in der Hand, mit Kochen ist heute also doch nichts mehr. Das Problem der "letzten Meile" nennt Stefan Müller derartige Herausforderungen beim Online-Versand. Und will für München mit seiner Geschäftsidee Abhilfe schaffen.

Seit November vergangenen Jahres betreibt der 51-Jährige in der Stadt vier Filialen seines Start-ups "Qool Collect". Sie sind von Montag bis Samstag von 7 Uhr früh bis spätabends um 23 Uhr geöffnet. Man kann bei den Zustellern, von Amazon über DHL bis hin zu Hermes, eine der Qool-Collect-Filialen als Lieferadresse angeben - oder sich Einkäufe bei regionalen Partnergeschäften dorthin liefern lassen und auch dort bezahlen. Wann die Pakete da sind, erfährt man per App oder E-Mail.

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Die Filiale an der Pilgersheimer Straße wirkt mit ihren weißen und grünen Farben wie ein Tagescafé, hinter dem Tresen wartet aber kein Barista, sondern ein Mitarbeiter, der die bestellten Pakete übergibt. Die können die Kunden entweder mit nach Hause nehmen oder aber den Inhalt gleich vor Ort auspacken und bei Bedarf in der Umkleide anprobieren.

Für den Fall, dass die bestellten Schuhe, Hemden oder Hosen doch nicht passen, stehen Verpackungsmaterialien, Tablets und Drucker bereit, mit denen man die Rücksendung samt ausgefülltem Retourenschein gleich erledigen kann. Umsonst ist all das nicht, wer seine Einkäufe über Qool Collect abwickelt, muss zusätzliche Gebühren zahlen, eine Tagespauschale von 1,99 Euro oder 4,99 Euro pro Monat.

Sein Angebot, sagt Müller, sei in dieser Form bislang einzigartig. Neben dem normalen Internetversand kooperiert das Start-up nämlich auch mit verschiedenen Münchner Einzelhändlern, etwa mit dem Fachgeschäft Käse Abt, mit Icedate, dem Hersteller von veganem Bio-Eis, oder der Metzgerei Past. Der Kunde kann dort anrufen und seine Bestellungen durchgeben, Qool Collect fährt dann mit dem Kühlwagen zum Laden, holt die Waren ab und kühlt sie bei Bedarf in der Filiale weiter, bis sie abgeholt werden. Zwei Sprinter des Start-ups sind zurzeit im Einsatz.

Die Planung kann zur Herausforderung werden

Die Aufbewahrung der Pakete von lokalen Partnern ist kostenlos, es fallen lediglich die Versandgebühren an, die der Händler verlangt - und die Bestellungen sollen, sofern man sie bis 16 Uhr aufgegeben hat, am gleichen Tag bereitliegen, verspricht Müller. Die Planung sei manchmal eine Herausforderung, sagt er.

Etwa drei Touren absolvieren seine Mitarbeiter momentan am Tag. Findet Firmengründer Müller es nicht kurios, dass er wegen des rasant wachsenden Onlinehandels neue Ladengeschäfte eröffnet - während aus dem gleichen Grund viele Geschäfte in München schließen müssen? Nein, sagt er, ihm gehe es ja schließlich auch darum, die lokalen Läden zu stärken. Die Kooperation mit seinen Abholshops koste die Partner eine Gebühr, die abhängig vom Umfang der Bestellung sei.

Sie könnten so aber neue Kunden gewinnen: Viele kleine Läden bieten selbst keinen Versand an. Ein Fischhändler werde kaum versprechen, dass er jederzeit ans andere Ende der Stadt liefern könne - unter anderem wegen der "letzten Meile", sagt Müller. Die Nutzerzahlen seines Start-ups will er nach knapp drei Monaten noch nicht verraten, aber er gibt sich zuversichtlich. Die nächste Filiale in Schwabing sei bereits geplant.

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