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Oktoberfest:Regine Sixt sagt "Damenwiesn" wegen Sicherheitsbedenken ab

Die Veranstaltung, bei der bis zu 1400 Frauen der besseren Gesellschaft von Sixt eingeladen und zugleich um Spenden für ihre Kinderhilfe-Stiftung "Tränchen trocknen" gebeten werden, gibt es seit 25 Jahren.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Seit 25 Jahren gab es die Veranstaltung, zu der etwa 1400 Frauen eingeladen waren.
  • Für den Marstall-Wirt Able ist das kein Problem.
  • Auch andere Wirte berichten von sehr langen Wartelisten, sodass Absagen kein Problem darstellen.

Von Franz Kotteder und Thomas Schmidt

Selten beherrscht ein Thema das Oktoberfest so sehr wie in diesem Jahr das Thema Sicherheit. 2001, kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York, war zwar erwogen worden, die Wiesn ganz abzusagen. Und 2009 führten Internetvideos mit Terrordrohungen zu einem Sperrgürtel um die Theresienwiese mit schwer bewaffneten Polizisten, es kamen versenkbare Poller an allen Zufahrtswegen zum Einsatz. Und trotzdem wurde noch nie so viel über die Sicherheit auf der Wiesn diskutiert wie jetzt.

Am Dienstag kam die erste Absage für eine Großveranstaltung: die "Damenwiesn" der Münchner Mietwagen-Unternehmerin Regine Sixt am ersten Wiesn-Montag. Per Pressemitteilung verkündete Sixt, "dass ich nach langer Überlegung schweren Herzens die Entscheidung getroffen habe, meine Damenwiesn in diesem Jahr abzusagen". Die Veranstaltung, bei der bis zu 1400 Frauen der besseren Gesellschaft von Sixt eingeladen und zugleich um Spenden für ihre Kinderhilfe-Stiftung "Tränchen trocknen" gebeten werden, gibt es seit 25 Jahren, sie hätte wieder im Marstallzelt stattfinden sollen.

Regine Sixt sagte, sie trage als Gastgeberin auch "die Verantwortung für mehr als 1000 Frauen, die für den guten Zweck zusammenkommen". "Lange Beratungen mit vielen meiner Freundinnen sowie deren Zurückhaltung haben mich letztlich zu meinem Entschluss kommen lassen."

Marstall-Wirt Siegfried Able trägt die Absage mit Fassung. "Klar war die Damenwiesn für uns ein schönes Highlight", sagt er, "aber wir haben heute schon wieder jede Menge Anfragen für die freiwerdenden Plätze." Profitieren werden vor allem die älteren Münchner, die von den Wiesnwirten traditionell am ersten Montag auf Vorschlag der Stadt eingeladen werden. Sie werden jetzt nicht auf der Balustrade, sondern im Mittelschiff des Marstalls bewirtet. Able sieht keinerlei Schwierigkeit, die freien Plätze gut drei Wochen vor Beginn noch zu besetzen: "Bei der Wiesn ist die Nachfrage nach wie vor weitaus größer als das Angebot."

Das sagen unisono auch alle seine Kollegen - als hätten sie sich auf eine gemeinsame Sprachregelung geeinigt. Absagen gebe es zwar wie jedes Jahr immer mal wieder, die freiwerdenden Tische seien aber schnell wieder besetzt. Im Käferzelt beispielsweise, einem der wichtigsten Promi-Treffs, gab es bislang keine einzige Absage wegen Terror-Ängsten, so Pressesprecherin Marion Drux: "Unser Wartelisten-Ordner ist auch immer noch sehr dick." Auch Event-Agenturen, die sonst viel auf der Wiesn und drumherum veranstalten, sagen, es gäbe keine besondere Zurückhaltung. Anders sieht es derweil bei einigen Trachtlern aus.

Der Heimat- und Trachtenverein Bernried hat seine Teilnahme am großen Umzug am ersten Wiesn-Sonntag abgesagt - aus Angst vor einem möglichen Terroranschlag, wie der Vorsitzende Hannes Düker berichtet. 250 Mitglieder habe sein Verein, aber nur drei hätten zugesagt, zum Umzug nach München zu fahren. Fast ein halbes Jahr habe er am Festwagen gearbeitet, "schade", sagt Düker, "ich wäre hingefahren, aber mit einem mulmigen Gefühl im Bauch." Er ist überzeugt: "Es werden mit Sicherheit noch mehr Vereine absagen."

Damit liegt Düker richtig, denn auch die Schwälmer Tanz- und Trachtengruppe Loshausen aus Hessen hat abgesagt. Die Entscheidung im Vorstand sei mit 17 zu zwei Stimmen gefallen, sagt der Vorsitzende Helmut Wimmer. "Alle sind ängstlich, dass etwas passieren könnte." Fast ein Jahr habe der Verein den Umzug vorbereitet, auch Unterkünfte seien längst gebucht - das alles sei nun hinfällig. Dass die Stadt die Sicherheitsmaßnahmen für die Wiesn jetzt verschärfe, "hat die Angst eher noch größer werden lassen", sagt Wimmer.

Im Feriensenat des Stadtrats wird es an diesem Mittwoch noch einmal um Sicherheitsfragen gehen. Es handelt sich aber im wesentlichen um Routine. So müssen das Rucksackverbot, die Rollzäune am nordwestlichen Bavariaring sowie die Einstellung weiterer Ordner noch abgesegnet werden. Im vergangenen Jahr reichten noch 250 Ordnungskräfte aus, nun sollen es 450 werden. Das kostet etwa 3,6 Millionen Euro.

Die höheren Kosten will die Stadt im nächsten Jahr auf Standgebühren umlegen. Mit einer drastischen Senkung des Preises für die Wiesnmass ist, welch' Überraschung, also auch 2017 nicht zu rechnen.

© SZ vom 24.08.2016/axi

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