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Oktoberfest:600 Polizisten sollen die Wiesn schützen

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Der Sicherheitszaun an der Thersienhöhe zum Schutz des Oktoberfestes.

(Foto: Catherina Hess)
  • 29 Kameras und 600 Polizisten werden das Oktoberfest in diesem Jahr schützen.
  • Die Botschaft der Sicherheitsbehörden: "Die Besucher können sich auf dem Oktoberfest sicher fühlen."

Von Susi Wimmer

"Die Polizei wird verstärkt Alkoholkontrollen zur Wiesn durchführen", sagt der stellvertretende Polizeipräsident Werner Feiler. Und der neue Chef des Kreisverwaltungsreferats (KVR), Thomas Böhle, erklärt, dass wie jedes Jahr im Armbrustschützenzelt die Oktoberfest-Wurstprüfungskommission tagen wird. Die Botschaft, die Stadt und Polizei bei der Pressekonferenz am Mittwoch im Vorfeld der Wiesn aussenden wollen, ist klar: Bloß keine Panik schüren, es ist alles wie immer, "die Besucher können sich auf dem Oktoberfest sicher fühlen".

Dass die Wiesn heuer erstmalig komplett eingezäunt sein wird, es ein Rucksackverbot gibt und auch noch weitere Sicherheitsvorkehrungen verschärft wurden, kommt eher beiläufig daher. Es wird mehr Polizeikräfte geben, in Uniform und auch in Zivil, mehr Kontrollen, mehr Videokameras und mehr Ordner - eine Hochsicherheits-Wiesn.

Attentate in Würzburg und Ansbach, ein Amoklauf am OEZ in München, "es gibt schon eine erhöhte abstrakte Gefährdung", sagt Polizei-Vize Feiler. Er spricht von einem "erhöhten Sicherheitsbedürfnis" in der Bevölkerung, und dem wolle man Rechnung tragen. Zum ersten Mal sind Rucksäcke und große Taschen auf dem Festgelände verboten.

"Das Sicherheitskonzept wurde im Stadtrat einstimmig verabschiedet", sagt KVR-Leiter Böhle dazu. Jegliches Gepäck mit einem Fassungsvermögen von drei Litern ist verboten. Wer trotzdem mit einem Rucksack ankommt, kann ihn an einer der Aufbewahrungsstellen am Rande des Festgeländes abgeben. Besonders ausländische Touristen versuche man via Internet, Broschüren und Nachrichten in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu informieren.

Sorge vor herrenlosem Gepäck

Wolfgang Hauner, Pressesprecher der Bundespolizei in München, befürchtet, dass der ein oder andere leichtsinnige Tourist seinen Rucksack einfach im Hauptbahnhof stehen lassen wird. Das könnte der Bundespolizei einiges an Arbeit einbringen. Deswegen die Bitte der Bundespolizei: Schon bei der Anreise zur Wiesn sollen die Besucher nur das mitnehmen, was sie wirklich brauchen.

An insgesamt zwölf Zugängen zum Oktoberfest - hier sind das Zentrale Landwirtschaftsfest sowie die Personaleingänge bereits eingerechnet - werden die Besucher kontrolliert. Die Polizei wird die Kontrollen im Hintergrund absichern, in Stoßzeiten auch selbst mit eingreifen. Elektronische Körperscanner werden nicht zum Einsatz kommen. "Im Verdachtsfall wird der Gast mit einem Handgerät abgesucht", sagt KVR-Chef Böhle.

Apropos absuchen: Auch die Teilnehmer des Trachten- und Schützenzuges werden kontrolliert. Sie dürfen zwar traditionelle oder historische Schuss-, Hieb- und Stichwaffen dabei haben, aber "natürlich nicht geladen", setzt KVR-Chef Böhle hinzu. Überhaupt rollt auf die Polizei schon am ersten Oktoberfest-Wochenende einiges zu: Der Wiesn-Einzug steht an, in der Stadt werden etwa 20 000 Teilnehmer einer Demonstration erwartet, und der FC Bayern hat ein Heimspiel in der Fröttmaninger Fußballarena. Polizisten aus ganz Bayern werden deshalb an diesem Tag in München im Einsatz sein. Zur Arbeitsbelastung der Beamten sagt Vizepräsident Feiler nur: "Das werden sehr lange Tage werden."

Polizeirat Christian Wittstadt beginnt in diesem Jahr sein Amt als Leiter der Wiesn-Wache. Dort laufen auch die Bilder ein, die die 29 Videokameras vom Oktoberfest und vom Eingang in Echtzeit übertragen. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es noch 19 Kameras. Auf dem Festgelände werden etwa 350 Polizeibeamte ihren Dienst verrichten - sie alle haben sich freiwillig zum Wiesn-Einsatz gemeldet. Rund um die Theresienwiese sind noch einmal 250 Beamte postiert - insgesamt 100 Beamte mehr als im Vorjahr. "In Zeiten von Bedrohungen, Falschmeldungen und Gerüchten ist es uns wichtig, Präsenz zu zeigen", sagt Feiler zur Erklärung.

Aussehen werden die Beamten heuer übrigens etwas anders: Sie tragen die neuen dunkelblauen Schutzwesten über der Uniform. Das sei keinesfalls einer Bedrohungslage geschuldet, versichert Polizeidirektor Feiler. Vielmehr stelle die bayerische Polizei auf die neue blaue Uniform um, und diese Multifunktionsweste sei nun einmal Bestandteil der neuen Ausstattung. An der Überziehweste lassen sich Dinge des täglichen Polizeibedarfs anbringen: Handschellen, Pfefferspray, Schutzhandschuhe und ähnliches. Außerdem können bewegliche schusssichere und stichfeste Platten aus Kevlar eingefügt werden.

Wie immer wird es sogenannte Sperr-Ringe rund um das Festgelände geben. Der innerste ist die Wiesn selbst. Im mittleren Ring fallen in diesem Jahr alle Parkplätze weg, sodass im äußeren Ring ausschließlich Anwohner mit Parklizenz ihr Auto abstellen dürfen. Generell rät die Polizei, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen und nicht unbedingt an der Theresienwiese auszusteigen, sondern auch die U-Bahnhöfe Goetheplatz oder Poccistraße zu nutzen. "Wir freuen uns auf das Oktoberfest", sagt Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins noch am Ende. "Und wir möchten uns die Stimmung nicht verderben lassen."

© SZ vom 15.09.2016
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