Frischluftschneise im Münchner Westen:Streit um die Erdbeerwiese

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Frischluftschneise im Münchner Westen: Über die Zukunft der Erdbeerwiese wird erbittert gestritten.

Über die Zukunft der Erdbeerwiese wird erbittert gestritten.

(Foto: privat)

Bei der Bürgerversammlung in Obermenzing sprechen sich die Teilnehmer nahezu einstimmig für den Erhalt der Grünfläche aus. Für einen Schulbau und die Feuerwehr sollen anderswo im Viertel Standorte gefunden werden.

Von Ellen Draxel

Der Streit um die sogenannte Erdbeerwiese, einen Grünzug zwischen Ober- und Untermenzing, reißt nicht ab. Aus Sicht der Obermenzinger ist längst nicht entschieden, dass eine der Schulen des Untermenzinger Schulzentrums von der Pfarrer-Grimm-Straße an die Von-Kahr-Straße verlegt wird und dass dort auch noch die Feuerwehr angesiedelt werden soll - mit der Folge, dass Kompensationsflächen für den SV Untermenzing auf der Frischluftschneise Erdbeerfeld nötig wären.

So fordert es die grün-rote Koalition im Rathaus, doch einen Stadtratsbeschluss dazu gibt es bislang nicht. Wie wichtig es den Obermenzingern ist, die Grünfläche zwischen Weinschenkstraße, Bauseweinallee und der Straße "Im Wismat" von jeglicher Bebauung freizuhalten, wurde bei der Bürgerversammlung des Stadtteils am Mittwochabend erneut deutlich. Sieben der insgesamt 23 Anträge drehten sich um das Thema.

Andreas Ellmaier setzt sich schon seit Langem für den Erhalt der Erdbeerwiese ein. Dieses Feld, erklärte der Vorsitzende des Menzinger Grünflächenvereins, sei "eine der letzten großen Frei- und Grünflächen" und im Klimagutachten der Stadt als bedeutsame Frischluftschneise bewertet - "ein regelrechter Schatz, den wir zukunftsfest machen müssen". Für Feuerwehr und Schulen gebe es Alternativstandorte, für das Klima nicht. Angelika Schervier pflichtete ihm bei. "Die Situation in Obermenzing kennt jeder", sagte die Architektin: "Wir haben keinen Bebauungsplan, überall fallen Bäume - und jetzt soll auch noch die letzte große grüne Fläche weichen? Wie wollen wir das den Kindern erklären, die für Fridays for Future auf die Straße gehen?"

München, ergänzte Gerhard Mayr, der beim Bund Naturschutz aktiv ist, sei bereits heute zu 44 Prozent versiegelt. Umso wichtiger sei angesichts der heißer werdenden Sommer die "sehr hohe bioklimatische Bedeutung" dieser Wiese. Auch Johannes Wechsler von der Bürgerinitiative Grünes Obermenzing und Beatrice Vohler fordern, die Erdbeerwiese von jeglicher Bebauung freizuhalten und sie stattdessen in einen bis zur Allacher Angerlohe reichenden, neu zu schaffenden Würm-Landschaftspark nach dem Vorbild der Durchblickparks zu integrieren. Das Votum der Obermenzinger zu diesen Plädoyers: nahezu einstimmige Unterstützung.

Die von Christoph von Oldershausen an den Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing herangetragene Bitte, sich gemeinsam mit der Stadt, den Kollegen aus Allach-Untermenzing und allen Interessensgruppen für eine "sozial- und umweltverträgliche Umsetzung" der bei einer Online-Veranstaltung am 30. Mai vorgestellten Kompromisslösung auf dem Erdbeerfeld einzusetzen, lehnte die Versammlung ab. Trotz Oldershausens Argument, die Planungen der Stadt trügen "der Entwicklung eines Grünzuges voll Rechnung". Die Debatte wird inzwischen so hitzig geführt, dass auch Buh-Rufe nicht ausbleiben. Tags zuvor hatte der Grünflächenverein in der Sitzung des Pasinger Stadtteilgremiums bereits massive Kritik an eben jener von Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) geleiteten Online-Infoveranstaltung geübt.

Anstatt neutral und objektiv zu informieren, sei es nur um das Thema Schulbau gegangen. Außerdem hätten die meisten Teilnehmer den Chatverlauf mit seinen mehr als hundert Einträgen nicht mitverfolgen können. Dass es "eine ebenso große Menge an Menschen gibt, die die Erdbeerwiese erhalten wollen" wie solche, die sie als Schulstandort befürworten, sei dadurch nicht klar geworden, monierte die Vorsitzende des Unterausschusses Planung, Maria Osterhuber-Völkl (CSU).

Bezirksausschuss und Bürgerversammlung fordern jetzt, zeitnah noch einmal eine öffentliche Dialogveranstaltung durchzuführen, diesmal in Präsenz. Zudem soll für die Feuerwehr der Alternativstandort am Pasinger Heuweg eingehend untersucht und ein möglicher Schulneubau auf einem Areal südlich des Friedhofs Untermenzing geprüft werden. Das Kommunalreferat ist überdies aufgefordert, mit den neuen Eigentümern eines Grundstücks an der Ecke Zwiedineck-/Allacher Straße in Verkaufsverhandlungen zu treten. Sollte dieses Gespräch erfolgreich sein, könnte das die Ideallösung sein. Denn die Fläche an der Zwiedineckstraße grenzt unmittelbar an den Schulcampus Pfarrer-Grimm-Straße an.

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