Konzert:Vom wilden Mädchen zur reifen Künstlerin

Nomfusi

Große Stimme und eine berührende Biografie: Nomfusi fand mit Musik ihren Weg aus dem Elend.

(Foto: @Emp-Cyclone)

Die südafrikanische Sängerin Nomfusi stellt in München ihr neues Album "The Red Stoep" vor

Von Oliver Hochkeppel, München

Fast ist es eine Heimkehr, wenn sie am kommenden Sonntag im Ampere auftritt. Denn nirgendwo war die südafrikanische Sängerin Nomfusi außerhalb ihrer Heimat so präsent wie in München. Was vor allem an Stefanie Schumann liegt. Die Münchnerin, die seit jeher afrikanische Musik liebt und promotet, ist seit Jahren ihre Managerin. Und ihr größter Fan, seit sie 2010 Videos von der damals 22-jährigen Nomfusi gesehen hatte: Umwerfend ist nicht nur die große Stimme des nur 1,50 Meter kleinen Energiebündels mit der anrührenden Biografie - sie wuchs in einem der ärmsten Townships auf, der Vater saß im Gefängnis, Mutter und Tante starben früh an Aids, die Pflegefamilie misshandelte sie, bis sie über die Musik ihren Weg fand -, sondern auch ihre Ausstrahlung und ihre Outfits. Schumann übernahm mit ihrer kleinen Agentur das Booking für sie, brachte sie auf Deutschland-Tournee und regelmäßig etwa zu den Münchner Music For Goals Konzerten.

Beide wuchsen aneinander. Nomfusi spielte in Justin Chadwicks Nelson-Mandela-Spielfilm die Miriam Makeeba, nahm drei Alben auf, arbeitete mit Hugh Masekela und trat in der ganzen Welt auf. Schumann wurde mit ihrer Agentur "Delicious Tunes" und Künstlern wie Mokoomba, Manou Gallo, Yvonne Mwale, Mamadou Diabaté oder Paulo Flores im Portfolio ein Big Player im Afrika-Segment, mittlerweile auch mit eigenem Verlag und Label. Auf dem ist jetzt auch Nomfusis neues Album "The Red Stoep" erschienen, wie schon vier Jahre zuvor "African Day", nachdem ihr früheres Label, die südafrikanische Abteilung des Majors Universal, sie immer mehr in Richtung Mainstream-Pop schieben wollte. Am besten aber, und das beweist "The Red Stoep", ist sie, wenn sie ihren afrikanischen Wurzeln treu bleibt. Wenn sie nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Xhosa mit den typischen Klicklauten singt. Wenn sie einfache afrikanische Rhythmen mit dem hymnischen Afro-Soul der Townships und ein wenig altem Motown-Sound mischt. Und in ihren Songs vom echten südafrikanischen Leben erzählt.

Nach vier Jahren mit freiwilliger Babypause und unfreiwilliger Covid-Untätigkeit - Schumann gründete währenddessen sogar eine Hilfsorganisation für afrikanische Musiker - ist es jetzt eine Art Neuanfang für Nomfusi. Mit 33 und zwei Kindern ist sie nicht mehr das auch durch seine Naivität bezaubernde Mädchen, das man bislang kannte. Sie ist eine erwachsene Künstlerin, die nicht nur ihre Stimme, sondern auch ihren Stil und ihren Weg gefunden hat. Und die immer noch live unwiderstehlich ist, wie man nun endlich wieder bewundern kann.

Nomfusi, Sonntag, 24. Oktober, 19.30 Uhr, Ampere, Zellstraße 4, www.muffatwerk.de

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