Großer Zulauf, vor allem bei den Kindern:Was die Münchner Football-Klubs vom NFL-Gastspiel erwarten

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Großer Zulauf, vor allem bei den Kindern: Am Sonntag treffen in München die Tampa Bay Buccaneers und die Seattle Seahawks aufeinander.

Am Sonntag treffen in München die Tampa Bay Buccaneers und die Seattle Seahawks aufeinander.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

American Football wächst rasant, auch weil die NFL sich dem europäischen Markt verstärkt zuwendet. Der Boom bringt aber auch Herausforderungen.

Von Christoph Leischwitz

Oh ja, der Football-Hype ist in der Stadt angekommen. Niemand könnte das besser wissen als Nadine Nurasyid, Cheftrainerin des Bundesliga-Teams Munich Cowboys. Nicht nur, weil sie gebeten wurde, am kommenden Sonntag als Co-Kommentatorin im BR-Radio aufzutreten. Auch in ihrem privaten Umfeld sehe man nun, "dass Football sehr viel mehr wahrgenommen wird als früher". Auf den Straßen seien viele Jugendliche mit NFL-Gear zu sehen. Und ihre Nachbarin schneide ihr immer Zeitungsartikel zum Thema Football aus und lege sie vor die Tür. Zurzeit lägen da ziemlich viele Papierschnitzel, erzählt sie lachend.

Dieser Hype hat die Münchner Football-Vereine schon vor Längerem erreicht. Es begann damit, dass die NFL seit 2015 im Free-TV gezeigt wird. American Football, sagt die studierte Sportwissenschaftlerin Nurasyid, sei die am schnellsten wachsende Sportart in Europa, die Cowboys haben zwischen 2019 und heute trotz der Pandemie knapp zehn Prozent Zuwachs, insgesamt sind es rund 650 Mitglieder. Allgemein finde der größte Zulauf bei den Sechs- bis Zehnjährigen statt, erklärt Nurasyid.

Doch die wachsende Popularität könnte auch zu Problemen führen. Nicht nur, dass die NFL nach Mitteleuropa drängt, der deutsche Markt kommerzialisiert sich gerade selbst. Vor allem deshalb, weil der nationale Verband die steigende Popularität komplett verschlafen hat. So wurde 2021 die European League of Football (ELF) gegründet, der Schwerpunkt ist Deutschland. In der kommenden Saison wird ein Münchner Franchise einsteigen, die Munich Ravens. Diese wiederum nutzen den aktuellen Hype um das NFL-Spiel und haben am vergangenen Samstag zum medienwirksamen Tryout, einem Auswahl-Training, eingeladen - und dafür mal eben das Olympiastadion angemietet.

Belebt nun die Konkurrenz das Geschäft, zumal es in den München Rangers sogar noch einen dritten großen Klub in der Stadt gibt? "Unser Kader wird geschwächt werden" durch die Ravens, sagt Cowboys-Trainerin Nurasyid. Es wird sich zeigen, wie viel Football eine Stadt wie München auf einmal vertragen kann. Übrigens haben die Ravens noch nicht bekannt gegeben, in welchem Stadion sie 2023 spielen werden. Man sei in guten Verhandlungen, sagt General Manager Sebastian Stolz. Als Favorit gilt das Stadion der SpVgg Unterhaching.

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