Nahverkehr Wieder Pannen bei der S-Bahn

Ein Fahrgast, der zum Flughafen wollte schrieb: "Frechheit! Die 11,60möchte ich erstattet haben, und die zehn Euro für das Taxi auch."

(Foto: Marco Einfeldt)
  • Am Dienstagvormittag ist es erneut zu mehreren Ausfällen bei der S-Bahn gekommen.
  • Wegen einer Stellwerksstörung war der Flughafen mehr als eine Stunde lang per S-Bahn nicht zu erreichen.
  • Unter anderem kam es auch am Ostbahnhof und in Berg am Laim zu Störungen.
Von Andreas Schubert

Die Pannenserie der S-Bahn geht weiter. Erst am Montag legten eine Oberleitungsstörung und streikende Züge den Verkehr auf der Stammstrecke sowie den Bahnhof Pasing vorübergehend lahm - die Leitung war nach einem Kurzschluss gerissen, danach kam es um den Bahnhof herum zu einer Art Kettenreaktion. Die Störung am Rosenheimer Platz am Vormittag ist nach wie vor ungeklärt. Am Dienstag dann folgten erneut Ausfälle. Wegen einer Stellwerksstörung war der Flughafen mehr als eine Stunde lang per S-Bahn nicht zu erreichen, in Berg am Laim bremste eine Stellwerkstörung den Zugverkehr ein, am Ostbahnhof war eine Weiche gestört, zwischen Neubiberg und Perlach fiel ein Zug aus.

Soweit die Bilanz eines Vormittags. Wie zu erwarten, sind die Fahrgäste nicht begeistert: Eine Kundin twitterte am Montag: "Liebe Arbeitgeber, die Technik hätten (hoffentlich) die meisten von euch, also denkt mal über #Homeoffice Angebote nach, wo möglich." Eine andere schrieb: "Zitat Zugführer: Wenn's nicht so traurig wär, wär's eigentlich schon wieder lustig. Mir fällt jetzt dazu auch nix mehr ein." Ein weiterer Fahrgast, der zum Flughafen wollte, schrieb: "Frechheit! Die 11,60 möchte ich erstattet haben, und die zehn Euro für das Taxi auch."

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Natürlich ließ sich auch der Fahrgastverband Pro Bahn mit Kritik nicht lange bitten. Pro-Bahn-Sprecher Andreas Barth fordert Entschädigungen. "Stammkunden mit MVV-Abos und Jahreskarten sollten pro Tag mit Großstörung und massenweisen Ausfällen zehn Prozent des Monatspreises als Entschädigung zurückbekommen", schlägt Barth vor.

Doch mit hohen Entschädigungen dürfen Passagiere, selbst wenn sie zum Beispiel einen Flug verpassen, nicht rechnen. Bei Verspätungen von 60 bis 119 Minuten bekommen Reisende mit Einzelfahrkarte 25 Prozent des Preises erstattet, 50 Prozent gibt es ab einer Verspätung von 120 Minuten. Entschädigungsleistungen werden allerdings erst ab einem Betrag von vier Euro ausgezahlt.

Zeitkartennutzer müssten mehrmals im Zug oder am Bahnhof stranden, da ihnen pro Fahrt pauschal 1,50 Euro zusteht. Wer sich genauer über die Bedingungen informieren will, findet sie unter anderem auf der Homepage des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds. Bei der S-Bahn München führen sie keine Statistik darüber, wie viele Regressforderungen im Jahr eingehen.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) dagegen, die Busse, U- und Trambahnen betreibt, tut dies schon. Seit dem Jahr 2000 bietet die MVG als freiwillige Leistung eine Garantie an, die bereits ab einer - ungeplanten - Verspätung von 20 Minuten gilt, für die die MVG verantwortlich ist, also zum Beispiel technische Defekte wie Weichenstörungen. 2016 gingen 3 713 Anträge ein, von denen 778 abgelehnt wurden, 2017 waren es 5 194 Antrüge, davon wurden 1 520 abgelehnt.

Letzteres ist dann der Fall, wenn die Angaben des reklamierenden Kunden nicht nachvollziehbar sind oder schlicht kein Anspruch besteht, etwa wenn eine Tramlinie von einem Falschparker blockiert wird. Zudem gehen bei der MVG viele Anträge ein, die Regionalbusse und die S-Bahn betreffen, für welche die MVG nicht zuständig ist.