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Musiktheater:Zügig zur Quintessenz

Die heimliche Ehe

Mezzosopranistin Nadja Kaiserseder: eine Witwe mit Fuchsstola und Zigarettenspitze.

(Foto: Tobias Melle)

Die Kammeroper München spielt Domenico Cimarosas "Die heimliche Ehe" in einer halbszenischen, komprimierten Fassung

Von David Renke

Anders als bei Mozarts "Hochzeit des Figaro" ist in Domenico Cimarosas "Il matrimonio segreto" die entscheidende Hochzeit noch vor Beginn der Handlung vollzogen - geheim, wie man dem Titel der Oper entnehmen kann. Und da liegt schließlich auch die Krux, die den Grundstein für dreistündiges Verwirrspiel legen könnte. Nur hypothetisch natürlich, denn aufgrund der gegebenen tatsächlichen Umstände ist es mit dreistündigen Opernvergnügen aktuell nicht zu machen. Daher hat die Kammeroper München die Essenz der Oper auf eine 80-minütige Quintessenz komprimiert und im Hubertussaal in Schloss Nymphenburg halbszenisch zur Aufführung gebracht. Selbstverständlich arrangiert vom langjährigen Partner der Kompanie, Alexander Krampe.

Statt Rezitativen trieb Schauspielerin Christine Ostermayer als Erzählerin im kommentierenden Wilhelm-Busch-Stile die Handlung voran und statt italienischer Opera buffa war "Die heimliche Ehe" mit Text von Regisseur Dominik Wilgenbus also eher deutsches Singspiel. Dementsprechend passte es auch, dass Johanna Soller am Pult mehr auf die lyrischen Linien der ausgezeichnet musizierenden Kammeroper setzte als auf zügig spritzige Tempi. Außerdem weiß Soller auch, dass es bei Cimarosa vor allem um den Gesang geht, und der ist mit dem jungen Ensemble, angeführt vom 20-jährigen Jakob Schad als Graf Robinson, bestens aufgelegt. Egal ob Schad, der als Don-Giovanni-hafter Lebemann mit türkiser Perücke auftrat, oder Mezzosopranistin Nadja Kaiserseder, die die Witwe mit Zigarettenspitze und Schneefuchsstola gab, jedem Charakter des Ensembles blieb Raum zur Entwicklung auch in der gekürzten Corona-tauglichen Version.

Und damit es auch zwischen den Sängern steril blieb, ersetzten in den brenzligen Situationen mit Körperkontakt einfach Puppen die Schauspieler. Bei der Uraufführung der Oper 1792 am Hof von Kaiser Leopold II wurde die Oper im Übrigen so triumphal aufgenommen, dass der Kaiser sie noch einmal als Zugabe verlangte - selbstverständlich ungekürzt. Es waren halt andere Zeiten.

Die heimliche Ehe, alle Vorstellungen ausverkauft: nächste Vorstellung Sa., 29.8., 19.30 Uhr, Hubertussaal, Schloss Nymphenburg

© SZ vom 29.08.2020

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