Musical:Happy End im Herrenhaus

Wechselspiel der Liebe

Auf den Leib geschrieben: Angelika Milster (vorne) in der Rolle der divenhaften Isobel Armstrong hat viele Fans und bekommt bei der Premiere Szenenapplaus. Hinten bereitet sich Navina Heyne als Flora Waring auf das nächste Verwechslungsspiel vor.

(Foto: Marina Maisel)

Die Komödie im Bayerischen Hof zeigt Rosamunde Pilchers "Wechselspiel der Liebe". Mittendrin in der Spanplattenherrlichkeit der Musical-Adaption: Angelika Milster

Von David Renke

Zum Erfolgsrezept von Rosamunde Pilcher gehörten eine verwinkelte Liebesgeschichte, tolle Landschaftsaufnahmen und zum Schluss ein Happy End für alle Beteiligten. Aber kann dieses Konzept auch auf der Theaterbühne funktionieren, die ja bekanntlich wenig Landschaftsaufnahmen abseits des Bühnenbilds anbieten kann? Die Antwort auf diese Frage liefert die Komödie im Bayerischen Hof mit einer Musical-Adaption des Pilcher-Romans "Wechselspiel der Liebe". Eine Verwechslungskomödie, diesmal in die schottischen Highlands gesetzt statt an die Steilküste von Südengland. Die Musik gibt da dann quasi den Ersatz für fehlende Landschaften.

Der passende Komponist wurde schnell gefunden: Richard Blackford hatte bereits die Musik zum Fernsehfilm in den Neunzigerjahren geschrieben; für das Musical hat er nun noch einmal poppige Musik zusammengestellt, die manchmal mit schottischem Dudelsack-Flair angereichert wird, ansonsten aber ohne die ganz großen Hits auskommen muss.

Dass es beim Rosamunde-Pilcher-Musical dem Publikum wiederum vor allem um die Schauspieler geht, merkt man daran, dass Angelika Milster bereits vorab Szenenapplaus bekommt. Die Rolle der divenhaften Mutter Isobel Armstrong in lachsfarbenem Kleid ist ihr dabei wie auf den Leib geschneidert, auch weil sie die einzige Akteurin ist, die trotz der permanent zur Schau gestellten Partylaune, ihre verletzliche Seite musikalisch präsentieren darf - diese dann in schwarzem Trenchcoat und gleißendem Scheinwerferlicht.

Das alles findet in einer Spanplattenherrlichkeit statt, die vor allem mit üppigen Blumenbouquets und offensiv präsentierten Whisky-Karaffen in die gewohnte Herrenhaus-Atmosphäre entführt. Regie hat Patrick Fichte geführt, der auch als Dr. Hugh Kyle auf der Bühne steht und vom Fernsehen weiß, wie man solch einen Stoff angehen muss. Für Fans ist das Musical daher ein Vergnügen, wenngleich man auch bis zum Happy End den einen oder anderen Kalauer überstehen muss: "In den Highlands sind die Dudelsäcke am Größten."

Wechselspiel der Liebe, Vorstellungen bis 19. April, jew. Mo. bis Sa. 19.30 Uhr, So. 18 Uhr, Bayerischer Hof, Promenadeplatz 6

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