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Theater:Abschied auf großer Bühne

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Wo, wenn nicht im Stadion, lässt sich genug Abstand halten?

(Foto: Tobias Zielony)

In wenigen Wochen endet die Intendanz von Matthias Lilienthal an den Münchner Kammerspielen. Zum Finale gibt es eine große Inszenierung auf der ganz großen Bühne: Im Olympiastadion steigt eine "Opening Ceremony" mit dem Ensemble, unter der Regie des Japaners Toshiki Okada.

Von Christiane Lutz

Sich leise aus München schleichen, das geht für Matthias Lilienthal dann doch nicht. Seine Intendanz endet in wenigen Wochen, und das große Finale hätten sich er und sein ganzes Team natürlich anders vorgestellt. Aber immerhin wird es ein Finale geben und der Ort angemessen groß sein: das Olympiastadion. Das passt doppelt gut, zum einen weil Stadion und Finale immer gut zusammenpassen, zum anderen kann man in einem Stadion ganz problemlos die nötigen Abstände einhalten. Am Samstag, 11. Juli, wird es dort am Nachmittag eine "Opening Ceremony" geben. Eine "Geste des Abschieds", wie es die Kammerspiele selbst bezeichnen, ein kleines theatrales Ereignis im großen Rahmen. Dafür haben die Kammerspiele extra den japanischen Regisseur Toshiki Okada eingeflogen. Der hätte für den zum Abschluss von Lilienthals Intendanz geplanten 24-Stunden-Marathon "Olympia 2666" sowieso seinen Teil im Stadion inszenieren sollen. Okada überlegte sich nun etwas was Neues, schrieb einen neuen Text, den er nun in nur fünf Tagen mit dem ganzen Ensemble realisieren will. Wenn das KVR zustimmt, dürfen maximal 600 Zuschauer dabei sein, die sich in einem Rang des Stadions verteilt setzen werden. Zum Vergleich: In die Kammer 1 der Kammerspiele passen bei normalem Betrieb rund 650 Menschen.

Das Setting der "Opening Ceremony" ist sehr nah an der Realität: Wegen Corona ist das Olympiastadion verwaist und ungenutzt. Die Mitarbeiter vertreiben sich die Zeit mit Wartungsarbeiten, Soundanlagentests und der Pflege des Rasens. Sie bereiten sich auf eine riesiges Event vor, von der doch keiner weiß, ob und wann sie stattfindet. Das Ende ist somit ein Anfang von etwas Unbekanntem, könnte man schon interpretierend überlegen. Aber wer weiß. Eine große Abschiedssause wird es auf jeden Fall nicht geben, heißt es. Trotzdem wird diese Inszenierung für die Zuschauer eine letzte Begegnung mit dem ganzen Lilienthal-Ensemble sein - auf Münchens größtmöglicher Bühne.

Opening Ceremony, Samstag, 11. Juli, 16 Uhr, Olympiastadion, Nordeingang, Telefon 23396600, Infos unter www.muenchner-kammerspiele.de

© SZ vom 09.07.2020

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