Münchner Kaffehauskultur Kaffee und Kuchen überdauern alle Zeiten

Sieht so ein richtig guter Cappuccino aus? An manchen Orten wird Kaffee zur Kunst.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Die Szene der Münchner Cafés erfindet sich gerade wieder einmal neu. Klassiker, Kreative und ganz neue Konzepte - eine kleine Bestandsaufnahme.

Von Franz Kotteder

Was ist das eigentlich, ein Café? Im Grunde scheitert man schon an der Definition. Natürlich gibt es das berühmte Wort von Alfred Polgar, der als Wiener in dieser Frage allerhöchste Autorität genießt und die wichtigste Eigenschaft des Kaffeehauses mal so beschrieb:

"Man ist nicht zu Hause und trotzdem nicht an der frischen Luft." Das ist ein schönes Bonmot, passt aber genau betrachtet auch auf alle möglichen anderen öffentlichen Einrichtungen vom Stehausschank bis zum Sternerestaurant.

Cafés in München Elf gute Museumscafés in München Bilder
Kaffee und Kultur

Elf gute Museumscafés in München

Ein Tag im Museum strengt an - in vielen Häusern kann man aber auch gut Kaffeepause machen, Spiegelei mit Speck frühstücken oder sich einen Drink genehmigen. Unsere Tipps.

München war mal gleich nach Wien eine Hauptstadt der Kaffeehäuser, allein 84 große Cafés zählte man in der Innenstadt im Jahre 1892. Die Schwabinger Bohème wäre gar nicht vorstellbar gewesen ohne Kaffeehäuser, ohne das Café Stephanie beispielsweise. Hier trafen sich die Künstler und Schriftsteller mit verkrachten Existenzen, einige von ihnen waren gar alles zusammen in Personalunion.

In den Kaffeehäusern debattierten und stritten sie, entwarfen Manifeste, gründeten Clubs und dachten sich politische Bewegungen aus. Die Räterepublik wäre ohne die Münchner Cafés wohl nie entstanden, womöglich aber auch der Nationalsozialismus nicht. Bezeichnend dafür ist eine berühmte autobiografische Geschichte von Oskar Maria Graf aus dem Exil, in der er von einer Begegnung mit Adolf Hitler in einem Schwabinger Café erzählt.

Die womöglich besten Zimtschnecken der Stadt gibt es im Café Fräulein.

(Foto: Stephan Rumpf)

Will man sich dem Phänomen des Münchner Kaffeehauses nähern, dann kann man bei den Überlebenden anfangen. Viele sind das nicht mehr. Bis in die Achtzigerjahre hinein waren das ja feste Größen: das Café Rottenhöfer gegenüber der Residenz etwa, mit der großen Konditorei im Erdgeschoss, das Café Kreutzkamm oder das Hochcafé Peterhof mit Dachterrasse am Marienplatz.

Es waren Refugien in Samt und Plüsch für ältere Damen mit fahrbaren, treviragemusterten Einkaufstaschen und Hüten, die aussahen wie Teewärmer. Oder aber Treffpunkte für gesetzte ältere Herren am Vormittag. Bestellte man einen Cappuccino, dann wurde man noch gefragt, ob man ihn mit Milchschaum oder Sahnehaube wünsche.

Vorbei, die Zeiten. Besuchte man diese Klassiker heute der Reihe nach, so müsste man verzagen. Das Café Rottenhöfer heißt jetzt Stereo Muc und ist ein hipper Klamottenladen, aber oben im ersten Stock hat man die Macher der Bob-Beaman-Bar ein Tagescafé einrichten lassen. Überhaupt lassen erstaunlich viele Einzelhändler von Hirmer über Loden Frey bis Hugendubel momentan ein Eck im Laden für eine Tagesbar freiräumen. Immerhin: Eine Art Einkehr bleibt so erhalten.

Trotzdem kann man traurig werden beim Gedanken an die vergangene Pracht alter Kaffeehäuser. So ist das Café Kreutzkamm in der Maffeistraße zusammengeschrumpelt wie ein Luftballon, den man im Partykeller vergessen hat. Der frühere große Hauptraum ist längst an eine Edelboutique vermietet, die Café-Gäste dürfen sich jetzt in einen engen Schlauch hinter der großen Verkaufstheke für die Confiserie quetschen. Nicht schön!